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Einerseits - Jenseits

Ident. Nr.: FNG 219/15

ObjID: obj:1971730

Schenkung des Künstlers an die Freunde der Nationalgalerie
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Achim Freyer (1934 ),
Künstler*in
Datierung
1995
Material / Technik
Öl auf Papier auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 257 x 200 cm
Erwerbung
2015 Schenkung des Künstlers an die Freunde der Nationalgalerie

Objektbeschreibung

Freyer ist nicht nur als Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner, sondern auch als Maler und Installationskünstler bekannt geworden. Sein bildnerisches Werk steht in enger Verbindung zu seiner Theaterarbeit. Nach dem Studium an der Fachschule für angewandte Kunst in Berlin-Schöneweide wurde er 1955 an der Deutschen Akademie der Künste Meisterschüler von Bertolt Brecht, auf den er sich bis heute bezieht. Aufgrund von Repressionen gegen die Kunst in der DDR nutzte er 1972 die Gelegenheit eines Gastspiels von Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“ in Norditalien, um sich in den Westen abzusetzen und in West-Berlin niederzulassen. Dort fühlte er sich, wie er immer wieder betont, von der Freiheit gefesselt und von Sauberkeit erstickt. Die innere Gespaltenheit, die Freyer in seinem politischen „Dazwischensein“ unaufhörlich begleitet, spiegelt sich in seinem von expressiven, bisweilen fast kindlich gemalten Formen, dynamischen Linien und intensiven Farbkontrasten geprägten Gemälde „Einerseits – Jenseits“, das er fünf Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung schuf. Das Bild ist durch einen senkrechten Mittelstreifen in zwei Hauptsegmente unterteilt: Die linke Seite ist eher von kühlen Blautönen bestimmt, während die rechte Seite vorwiegend wärmere Farben wie Braun, Orange und Rot aufweist. Beide Seiten sind mit kräftigen schwarzen Linien, Flächen und Zeichen überzogen, die an Gesichter oder Augen erinnern. Die Achse verleiht dem Bild eine gewisse Balance, verhindert aber gleichzeitig, dass es starr oder symmetrisch wirkt. Schon der Titel, der die Gegensatzpaare „Einerseits – Andererseits“ und „Diesseits – Jenseits“ vereint, deutet auf ein untrennbares Zusammenspiel von Gegensätzen hin. | Catherine Nichols

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson