Logo

Ruhender Knabe

Ident. Nr.: 1914,53

ObjID: obj:2006777

Details (Expert)

Beteiligte
Entwurf: Johann Peter Melchior (1747–1825),
Bildhauer*in
Datierung
1782
Material / Technik
Gebrannter Ton
Abmessungen
Höhe: 6,2 cm
Länge: 11,5 cm
Tiefe: 6,2 cm

Objektbeschreibung

Auf einem ovalen, mit grasartigen Schraffuren versehenen Sockel und faltenreich drapiertem Laken liegt ein nackter kleiner Junge auf der Seite, fast bäuchlings. Seinen Kopf hat er auf dem angewinkelten rechten Arm gebettet, der linke Arm ist unter dem Kinn verschränkt, die Augen sind geschlossen. Im Innern des Sockels ist eine Signatur und Datierung eingeritzt: "J.P.Melchior me fecit - 1782". Im Bestand des Kunstgewerbemuseums befindet sich das Gegenstück, der "Schlafende Knabe" (Inv. Nr. 1914,54), zudem einige weitere Tonmodelle von Johann Peter Melchior.
J.P. Melchior war ein Bildhauer, der auch als Porzellanmodelleur tätig war. Begonnen hatte er seine Karriere 1765 bei der Höchster Porzellanmanufaktur, wo er von 1766/67 bis 1779 die Position des Modellmeisters innehatte. 1770 wurde er zum Hofbildhauer des Mainzer Kurfürsten Emmerich Joseph von Breidbach-Bürresheim (1707–1774) ernannt. Von 1779 bis 1793 war er Modellmeister an der Frankenthaler und von 1797 bis 1822 an der Nymphenburger Porzellanmanufaktur; an beiden Stationen führte er auch den Titel des Hofbildhauers. Seine Spezialität waren Kinderdarstellungen in natürlichen Posen, mit denen er sich in die Tradition des französischen Bildhauers François Duquesnoy (1597-1643) stellte. Modelle wie die der beiden Knaben könnte der ehrgeizige Künstler zur Auftragsakquise verwendet haben. Die Motivik beschäftigte Melchior nicht nur im Bereich der Porzellanplastik, sondern auch bei Kleinplastiken aus Alabaster oder großformatigen Marmorskulpturen für Epitaphien.
Die beiden Knabenfiguren finden keine direkten Übertragungen in Höchster oder Frankenthaler Porzellan. Es gibt aber Varianten des Motivs, darunter auch in einer Ausformung der Höchster Manufaktur im Bestand des Kunstgewerbemuseums (Inv. Nr. DM 42). Von der Beliebtheit der Melchior'schen Bildschöpfung zeugen Nachbildungen des 19. Jahrhunderts, zum Beispiel eine um 1860 entstandene Nachbildung aus Hartgips (?) von Johann Nepomuk Hautmann, ebenfalls in der Sammlung des Kunstgewerbemuseums (Inv. Nr. HM 8870).

Lit.: Claudia Kanowski: "Fragen an ein Kunstwerk" - eine Fortsetzung aus keramischer Sicht, in: Kunst, Gewerbe, Museum. Festschrift für Barbara. Beiträge des Colloquiums zu Ehren von Barbara Mundt, Berlin 2017, S. 98-100; Claudia Kanowski:Tönerne Welten. Figürliche Keramik aus sechs Jahrhunderten. Eine Bestandsaufnahme im Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin, Sonderdruck aus: Keramos (2015/I), Heft 227, S. 30-31, mit Abb.

ClKa

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Ovale Bildplatte mit dem Bildnis des Evangelisten Markus

Ovale Bildplatte mit dem Bildnis des Evangelisten Markus

Ovale Bildplatte mit Blaumalerei. Dargestellt ist der Evangelist Markus, als bärtiger Mann, im Dreiviertelporträt. Er stützt seinen Kopf in die Linke, in der Rechten hält er ein Buch, sein Testament, in dem er liest. An seiner linken Seite erscheint sein Attribut, ein geflügelter Löwe. Am linken Rand der Platte ist ein Baum dargestellt, im Vordergrund Graswerk. Am Rand acht Ornamentmotive. Über der Figur der Schriftzug "St. MARCUS".Im Bestand des Kunstgewerbemuseums befinden sich insgesamt vier Evangelistenplatten (Inv. Nr. K 1571-1574). Zwei weitere, stilistisch verwandte Bildplatten im Bestand zeigen Porträts von zweien der drei Gründer der Nürnberger Fayencemanufaktur, Johann Conrad Romedi und Christoph Marx (Inv. Nr. K 1569 und K 1570), beide rückseitig in einer Inschrift von Georg Michael Tauber signiert und 1720 datiert - daher die Zuschreibung auch der Evangelistenplatten an Tauber. Während der deutsch-deutschen Teilung befanden sich die beiden Platten mit den Porträts der Firmengründer im Kunstgewerbemuseum Berlin-West und die vier Platten mit den Evangelisten im Kunstgewerbemuseum Berlin-Ost. Heute sind alle sechs Bildplatten in Schloss Köpenick, der Dependance des Berliner Kunstgewerbemuseum, gemeinsam ausgestellt. Evangelistenplatten (rechteckige) gehörten auch zum Repertoire der Dorotheenthaler Fayencemanufaktur. Möglicherweise lagen dieselben Stichvorlagen zugrunde.Lit.: Katalog KGM (Köpenick) 1988, S. 92, Text von Christiane Keisch; Silvia Glaser: Nürnberger Fayencen. Bestandskatalog GNM Nürnberg, 2017, S. 35f. (Abb. der Platten mit den Gründerporträts, Inv. Nr. K 1569, K 1570).ClKa

Teil vom Großen Silberbuffet aus dem Rittersaal des Berliner Schlosses

Teil vom Großen Silberbuffet aus dem Rittersaal des Berliner Schlosses

Großes Handfass mit vasenförmigem Körper auf hochgewölbtem Glockenfuß. An den Seiten über weiblichen Maskarons zwei gedrehte Schlaufenhenkel. Der Zapfhahn unter einer Muschel als Maske mit Ausgussrohr. Am Hals des Gefäßes Scheibe mit dem kurbrandenburgischen Wappen zwischen zwei „Wilden Männern“. Zugehörig zur Wanne Inv. Nr. S 513, in welcher das Handfass hier steht.Die Kanne zählt zum Bestand des so genannten Großen Silberbuffets, welches sich bis zum Zweiten Weltkrieg im Berliner Schloss befand. Dabei handelt es sich um neun monumentale, aus Kannen und Becken bestehende Gießgarnituren, acht Kettenflaschen, zwei Kühlkessel, zwei Pastetenbüchsen sowie ein großes Handfass mit zugehöriger Wanne. Insgesamt umfasst das Buffet heute noch 33 prachtvolle vergoldete Silbergefäße, die überwiegend zwischen 1695 und 1698 auf Bestellung des Kurfürsten Friedrich III. in Augsburg, dem damaligen Zentrum der Goldschmiedekunst in Deutschland, hergestellt wurden.Das Ensemble war im Rittersaal des Berliner Schlosses als wandfester Teil der Innenarchitektur installiert: Während die Lavabogarnituren und die Kettenflaschen gegenüber dem Thron an der verspiegelten Wand angeordnet waren, standen die übrigen Gefäße in symmetrischer Anordnung auf einem Schanktisch davor. Das Große Silberbuffet war über Jahrhunderte gleichermaßen königliches Repräsentationsobjekt und Teil des brandenburgisch-preußischen Staatsschatzes. Von späteren Einschmelzungen blieb es auch deshalb nicht verschont. Der Schanktisch wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, die erhaltenen Gefäße sind heute in der Dependance des Kunstgewerbemuseums in Schloss Köpenick in einer der ursprünglichen Anordnung angenäherten Rekonstruktion wieder aufgebaut. LL