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Der Apfelschimmel

Ident. Nr.: W-1959,8

ObjID: obj:2021288

Details (Expert)

Beteiligte
Entwurf: Alexandre-François Desportes (1661 - 1743),
Maler*in
Ausführung: Jacques Neilson (1788.03),
Bildwirker
Datierung
1774 (Ausführung), 1741 (Entwurf)
Geografische Bezüge
faktischer Entstehungsort: Paris
Material / Technik
Wolle, Seide
Abmessungen
Höhe x Breite: 420 x 367 cm

Objektbeschreibung

Faszination und Interesse an fernen Ländern kommen in diesem Gobelin aus der ›Neuen Indienfolge‹ zum Ausdruck. Tiere und Pflanzen unterschiedlicher Kontinente sind auf ihm zu einem lichtdurchfluteten Tableau von höchster malerischer Qualität zusammengestellt und geben eine ideale exotische Landschaft wieder. Ein antikisch gewandeter Afrikaner führt den rassigen, mit einer kostbaren Samtdraperie bedeckten Apfelschimmel herbei, Lama und Dromedar beäugen die Situation, umgeben von Vögeln, Fischen und üppig wuchernden Pflanzen. Die Bordüre des Bildteppichs gleicht einem geschnitzten und vergoldeten Rahmen. 1741 hatte der Tiermaler François Desportes (1661–1743) die Vorlagen zur beliebten Teppichserie der ›Indienfolge‹ modernisiert und sie dem Geschmack des Rokokos angepasst. CW

Letzte Aktualisierung: 03.11.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Die wie lavierend nur flüchtig angedeutete Flusslandschaft bildet die Folie für die scharf konturierte Figurengruppe mit dem Früchte beladenen Baum im Zentrum. An seinem Stamm windet sich die Schlange empor. Sie fixiert lauernd-verschlagen Eva, die Adam den Apfel reicht und ihn zum Übertreten des Verbots auffordert.Die Darstellung folgt einem Holzschnitt Hans Sebald Behams aus den „Biblischen Historien“, die 1533, ein Jahr nach seiner Übersiedelung nach Frankfurt, von dem dort ansässigen Verleger Christian Egenolf gedruckt wurde. Die Zeichnung ist in flüssigen Linien, die Modellierung weich und malerisch in zarten, gelegentlich durch Schraffuren akzentuierten Halbtönen angelegt, die, gestupft oder breit mit dem Pinsel aufgetragen, die Oberflächenbeschaffenheit der Materialien nachahmen. Die Souveränität des Glasmalers zeigt sich nicht zuletzt daran, dass er anders als der Holzschnitt mit dem beredten Austausch der Blicke und Gesten auch die Dramatik des Handlungsmoments zum Ausdruck bringt. Adams Scham verbirgt er zudem unter einem Feigenblatt.Die kongeniale Umsetzung der Vorlage ist am ehesten Augustin Hirsvogel (1503–1553) zuzutrauen, dem jüngsten Sohn des 1525 verstorbenen Nürnberger Stadtglasers Veit Hirsvogel d. Ä. Für diese Annahme sprechen beispielsweise die spezifische Gestaltung etwa der Laubkronen mit einzeln abstehenden trockenen Ästen oder des knorrigen Baumstamms mit Astlöchern und rissiger Rinde, die genauso auf den Zeichnungen und Stichen Augustins begegnen. Die kleine Rundscheibe müsste er noch in seiner Nürnberger Zeit kurz nach Erscheinen der Holzschnitte ausgeführt haben. CVMA 98781