Details (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1965
- Weitere Titel
- Sammlungstitel: Ausrufer und MarquisÜbersetzung: Town Crier and Marquess
- Provenienz
- Hans Jürgen Burggaller, Berlin,
1965–13.10.2015 - Material / Technik
- Kunstharzfarbe auf Nessel
- Abmessungen
- Höhe x Breite: 301 x 153,5 cm
- Erwerbung
- 2015 Schenkung des Künstlers, Berlin
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/2027121
Objektbeschreibung
Im Mai 1964 zählte Burggaller zu den Gründungsmitgliedern der Ausstellungsgemeinschaft Großgörschen 35 in Berlin-Schöneberg. Als Meisterschüler von Fred Thieler an der Hochschule für Bildende Künste bemühte er sich darum, den informellen malerischen Duktus seines Lehrers und dessen Farbskala aus Rot, Blau und Türkis auf gegenständliche Motive anzuwenden. Das Gemälde gehört zu einer Serie von Bildern, die in Reaktion auf ein Theatererlebnis entstanden: die Uraufführung des Dramas von Peter Weiss „Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats, dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade“ am 29. April 1964 im Berliner Schiller-Theater. In Burggallers Gemälde ist im Vordergrund sitzend der Marquis de Sade (gespielt von Ernst Schroeder) zu sehen, neben ihm steht der Ausrufer (Stefan Wigger). Details der Requisite sind zu erkennen, etwa der Sessel des Marquis und sein Rüschenhemd sowie das buntgescheckte clowneske Bolerojäckchen des Ausrufers und seine närrische Kopfbedeckung. Waren auf der Bühne alle Beteiligten in Weiß gekleidet, so erscheinen sie im Gemälde in starken Farben, die der Intensität des Stücks und der ausgelösten emotionalen Erregung entsprechen. Das leuchtende Rot steht für Gewalt und Blut, aber auch für sozialistische Ideen, die heftig von rechts ins Bild drängenden Pinselstriche in Türkis könnten das während der Ermordung Marats aus der Badewanne aufspritzende Wasser meinen. Die Zahl der neoexpressiven Gemälde Burggallers ist gering, da er nach seiner Aufnahme in den Schuldienst 1968 den Malstil änderte. | Dieter Scholz
Letzte Aktualisierung: 30.07.2026
Kontakt
Einrichtung:
Neue Nationalgalerie
E-Mail:
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