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Landschaft mit Pilger (Kopie nach Karl Friedrich Schinkel)

Ident. Nr.: NG 11/15

ObjID: obj:2050147

Details (Expert)

Beteiligte
Karl Friedrich Schinkel (1781 - 1841),
Maler*in des Originals
Datierung
Nach 1813
Provenienz
Walther Heinrich-Unus, Berlin,
1932–1932
norddeutscher Privatbesitz,
368494
Kommission: Ketterer Kunst, München (Auktion 427),
20.11.2015
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 79 x 105 cm

Objektbeschreibung

Karl Friedrich Schinkels um 1813 entstandenes Gemälde »Landschaft mit Pilger« – ein damals vielbeachtetes, als »wahrhaft genial« geltendes Werk (Zeitung für die elegante Welt, 1814, Sp. 1860) – ist seit 1862 verschollen (vgl. A. von Wolzogen, Aus Schinkel’s Nachlaß, Bd. 2, Berlin 1862, S. 339, Nr. 21). Zu Lebzeiten des Künstlers wurde es mehrfach kopiert. Eine wegen ihrer bemerkenswerten malerischen Qualität lange Zeit als ein Schinkel-Original geltende Kopie eines unbekannten Künstlers der Schinkel-Zeit konnte die Nationalgalerie 2015 erwerben. Eine weitere Kopie gab der Sammler Joachim Heinrich Wilhelm Wagener 1823 bei Schinkels Künstlerkollegen Wilhelm Ahlborn in Auftrag. Sie gelangte mit Wageners Schenkung 1861 in die Nationalgalerie (Kriegsverlust, heute Puschkin-Museum Moskau). Die Ahlborn-Kopie wurde in der Schausammlung der gezeigt, zuletzt ab 1931 in dem im Prinzessinnenpalais von der Nationalgalerie eingerichteten Schinkel-Museum. Dort war das Bild als Gegenstück zu Schinkels Gemälde »Gotischer Dom am Wasser« (1813, Nationalgalerie, Inv.-Nr. A III 842) zu sehen. Paul Ortwin Rave schrieb dazu: »Das Gegenstück ist die stille Ruhe einer weiten Waldlandschaft: ein Schloß mit hoher Kuppel (wie Schinkel sie später für Potsdam geplant hat), mit Gärten und Wasser-Künsten erbringt die Vermenschlichung der Natur […]. Der einsam rastende Pilgersmann genießt (wie auf den Bildern von Caspar David Friedrich) den abendlichen Frieden« (P. O. Rave, Das Schinkel-Museum und die Kunst-Sammlungen Beuths, Berlin 1931, S. 41). Bereits 1814, als Schinkel seine beiden formatgleichen Bilder »Gotischer Dom am Wasser« und »Landschft mit Pilger« erstmals auf der Berliner Akademieausstellung zeigte, waren sie als Pendants präsentiert worden. | Birgit Verwiebe

Letzte Aktualisierung: 19.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Weitere Objekte aus den Sammlungen

Eduard Meyerheim in seinem Atelier

Eduard Meyerheim in seinem Atelier

1877 porträtierte Paul Meyerheim seinen Vater Eduard (1808–1879), der, von einer schweren Nervenerkrankung genesen, die Arbeit im Atelier wiederaufgenommen hatte. Das große Atelierbild, vielfach auf Ausstellungen zu sehen, erwarb die damalige Städtische Gemäldegalerie Danzig (heute Muzeum Narodowe w Gdańsku; Verbleib unbekannt). Sie gab wenige Jahre später bei Paul Meyerheim ein weiteres Porträt für einen gebürtigen Danziger Künstler in Auftrag, und zwar für den Maler und Radierer Daniel Chodowiecki (1887 vollendet, Muzeum Narodowe w Gdańsku). Für sich selbst fertigte Paul Meyerheim wohl bereits um 1877 eine Replik des Bildnisses seines Vaters an, die bis zu Pauls Tod in seinem Besitz verblieb und erst 1915 mit dessen Vermächtnis in die Sammlung der Nationalgalerie gelangte. Als Dora Duncker 1887 Paul Meyerheims Atelier in Berlin besuchte, hing dort die private Bildnisreplik an repräsentativer Stelle, und der Künstler arbeitete gerade an dem Danziger Chodowiecki-Porträt (vgl. D. Duncker, Berliner Meisterateliers, in: Deutsche Revue, 12. Jg., 1887,H. 2, S. 336).Im Zeitalter der Malerfürsten mit ihren prächtig ausgestatteten Ateliers zeigt Meyerheim den Vater in einer einfachen, kaum als repräsentativ zu bezeichnenden Kammer. »Der große deutsche Landschaftskolorist Eduard Hildebrandt und mein Vater Eduard Meyerheim«, erklärte Paul Meyerheim später, »hatten gar keine Ateliers und malten nur in einfachen Stuben, die nicht einmal richtiges Nordlicht hatten« (Erinnerungen an Adolf von Menzel, Berlin 1906, S. 99). Gleichzeitig wurde von den Zeitgenossen die Schlichtheit des Ateliers durchaus programmatisch verstanden und als Zeichen für den bescheidenen Charakter des deutschen Genremalers gelesen. Entsprechend beschreibt Adolf Rosenberg in der »Kunstchronik« die Danziger Fassung auf der Berliner Akademieausstellung im Jahr 1877: »Der alte brave Künstler, noch einer aus der alten Schule, sitzt, dem Beschauer sein Profil zukehrend, in seinem Atelier in schlichtem Hausrock vor der Staffelei und malt emsig an einem seiner liebenswürdigen Genrebilder. Das Atelier ist ein einfaches Stübchen. Da sehen wir keine exotischen Vögel und Pflanzen, keine orientalischen Teppiche, keine Indianerwaffen und Renaissanceportals, die das unumgänglich nothwendige Inventar unserer modernen Malerateliers bilden. Der Mann der da drinnen sitzt, ist recht hausbacken und philisterhaft, aber mit einer geradezu rührenden Wahrheit, mit einer unsäglichen Liebe gemalt. Es ist ein Denkmal echter Pietät, auf welche der Sohn wie der Künstler mit gleichem Rechte stolz sein kann« (Kunstchronik, 13. Jg., 1877, H. 1, S. 3). | Regina Freyberger

Straße in Venedig

Straße in Venedig

Am 3. September 1840, während seiner ersten Reise nach Venedig, berichtete Carl Spitzweg seinem Bruder Eduard in München: »Venedigs Nähe lockt ganz verdammt – aber ich verdien’s nicht – ich komm nicht zum Arbeiten. Überhaupt, um italienische Sachen zu malen, müßte man länger da seyn und die Charaktere des Volkes studieren, die Kleider und Häuser machen’s nicht aus […]« (zit. nach: S. Wichmann, Carl Spitzweg und die französischen Zeichner, München 1985, S. 26). Später, 1845 und 1850, hatte er noch einmal Gelegenheit, in die Lagunenstadt zurückzukehren, um genauere Studien zu treiben, in deren Ergebnis einige italienische Landschaften und Straßenszenen entstanden (vgl. G. Roennefahrt, Carl Spitzweg, München 1960, S. 196–199). Doch Spitzweg interessierte sich in der Serenissima nicht für deren prachtvolle Schönheit, die kostbaren Kirchen und Marmorpaläste, die in der Regel die Vedutenmaler seit Gentile Bellini faszinierten, sondern für die schmalen und engen Gassen der dunklen Häuserschluchten, die sich hin und wieder an den Kreuzungspunkten mit den Kanälen zu kleinen Plätzen öffnen. Im steilen Hochformat zeigt Spitzwegs »Straße in Venedig« solch einen Platz im Anschnitt. Hier tanzt ein kleines Mädchen unbekümmert zur Musik eines Drehorgelspieler und eine Gruppe von Kindern hört und schaut zu. Spitzweg gibt mit der malerischen Szene auf dem von hohen Häusern umsäumten Platz eine pittoreske Alltagsidylle. Mit feinem Gespür und lockerem Pinselstrich ist den Valeurs von Licht und Schatten auf dem alten Gemäuer nachgespürt. | Gerd-Helge Vogel

Ödipus auf Kolonnos. Wandbild aus der Aula des Kaiser-Wilhelm-Gymnasiums, Berlin-Tiergarten

Ödipus auf Kolonnos. Wandbild aus der Aula des Kaiser-Wilhelm-Gymnasiums, Berlin-Tiergarten

1880 beauftragte der Magistrat von Berlin Albert Hertel mit der bildlichen Ausschmückung der Aula des Kaiser-Wilhelm-Gymnasiums in der Viktoria- und Bellevuestraße in Berlin-Tiergarten. Hertel hatte sich seit den 1870er Jahren mit verschiedenen Dekorationsaufträgen für Berliner Villen und öffentliche Gebäude hervorgetan, darunter 1884 mit Ideallandschaften für das Café Bauer in Unter den Linden. In den 1890er Jahren folgten Aufträge für das Berliner Rathaus und die Villa Siemens am Wannsee. Das Bildprogramm des Kaiser-Wilhelm-Gymnasiums ist dem griechischen Tragödiendichter Sophokles gewidmet. Hertel wählte für die beiden monumentalen Wandbilder Szenen aus dessen berühmter Ödipus-Trilogie. Als Tugendvorbild für die Schüler des Gymnasiums erscheint Antigone als selbstlose Tochter und Schwester, die ihrem gealterten Vater ohne Zögern in die Verbannung nach Kolonos folgt (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A II 766) und die ihrem verstorbenen Bruder Polyneikes – entgegen der Anweisungen des Königs von Theben und der eigenen Bestrafung gewiß – die letzte Ehre erweist (Inv.-Nr. A II 765). Beide Bilder sind deutlich von den Odyssee-Zyklen Friedrich Prellers des Älteren aus den 1830/60er Jahren beeinflußt. Wie Edmund Kanoldts wenige Jahre später entstandene Komposition »Penelope am Meeresstrand« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 446) sind sie Historienbild und Seelenlandschaft zugleich: Die Gemütsverfassung der Protagonistin wird durch die Stimmung der Natur unterstrichen. | Regina Freyberger

Porträt des Dichters Joseph Victor von Scheffel

Porträt des Dichters Joseph Victor von Scheffel

Ende 1862 lernte der 19jährige Anton von Werner den Dichter Victor von Scheffel (1826–1886) in Karlsruhe kennen, woraus sich eine lebenslange Freundschaft entwickelte. In seinen Erinnerungen formulierte er: »Was aber meinem Leben nicht nur während meines Aufenthaltes in Karlsruhe, sondern für die ganze Zukunft einen dauernden Stempel aufdrückte, das war die innige Freundschaft, die mich vom ersten Augenblick meiner Bekanntschaft mit dem Dichter des ›Ekkehard‹ unbewußt zu ihm, Herz zum Herzen, hinzog, trotz des großen Altersunterschiedes« (Jugenderinnerungen, Berlin 1993, S. 80). In der Folgezeit illustrierte Werner fast alle wichtigen Werke Scheffels, beginnend 1864 mit »Frau Aventiure«. 1870 malte er das Porträt des Dichters. In die gemalte Damasttapete im Hintergrund sind in Schriftfeldern Kurztitel der Werke Scheffels ›eingewebt‹. Links liest man »Aventiure«, darunter »Ekkehard« und »Trompeter«, rechts wird an die Schriften und Gedichtsammlungen »Juniperus«, »Gaudeamus« und »Bergpsalmen« erinnert. Mit dem Bildnis Scheffels, das über Anton von Werners Tod hinaus im Besitz der Familie verblieb, schuf sich der Künstler ein Denkmal der Freundschaft und zugleich der eigenen Tätigkeit. Die kongenialen, in engem Gedankenaustausch entstandenen Illustrationen waren ein wichtiger Teil seines künstlerischen Schaffens. Scheffel und Werner hatten dafür gemeinsame Studienreisen unternommen, Literatur getauscht und sich über ikonographische und historische Details abgestimmt. Anton von Werner: »Es war der Maler in Scheffel, den es drängte, die Figuren seiner dichterischen Phantasie im Bilde verkörpert zu sehen« (Briefe von Josef Victor von Scheffel an Anton von Werner 1863–1886, Stuttgart 1915, S. VI f.). Der damaligen Beliebtheit von historischen Verserzählungen und Romanen entsprach jene für reich ausgeführte Illustrationen. | Angelika Wesenberg

Holländischer Gottesdienst im 16. Jahrhundert

Holländischer Gottesdienst im 16. Jahrhundert

Der Bildtitel wie der schmucklose Kirchenraum in dem Gemälde »Holländischer Gottesdienst im 16. Jahrhundert« verweisen auf die Zeit von 1577 bis 1585, als Antwerpen sich vorübergehend von der spanischen Herrschaft befreit hatte und calvinistisch regiert wurde. 1566 waren die Kirchen Antwerpens durch calvinistische Bilderstürmer ihres Schmuckes beraubt worden. Im selben Jahr wurde jedoch der katholische Gottesdienst wieder eingeführt, was Hendrik Leys 1845 in einem großformatigen Historienbild festgehalten hatte: »Die Wiederherstellung des Gottesdienstes in der Liebfrauenkirche zu Antwerpen im Jahre 1566« (Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique, Brüssel). Zwischen dieser Komposition und dem Berliner Bild, das einen protestantischen Gottesdienst zeigt, gibt es mehrere Übereinstimmungen, sowohl in kompositorischen wie auch in architektonischen Details, weshalb anzunehmen ist, daß hier ebenfalls die Liebfrauenkirche in Antwerpen dargestellt ist. Links im Vordergrund sind ein Patrizier und seine Tochter in kostbaren Gewändern auf einem erhöhten Betstuhl zu sehen. Auf dessen Stufen ist ein an Darstellungen von Bartholomé Murillo erinnernder Knabe mit Obstkorb eingeschlafen. Rechts im Hintergrund predigt ein Geistlicher umringt von zahlreichen Zuhörern.Der Sammler Joachim Heinrich Wilhelm Wagener hatte eine Vorliebe für Werke von Leys. Am 17. August 1850 schrieb er an den Kunsthändler de Vries in Amsterdam: »Wenn Ihnen ein Bild von Henry Leys, ein Interieur vorkommen sollte, so werden Sie mich durch gefällige Anzeige verpflichten. Ich sah ein wunderschönes Bild bei Herrn Landry in Haag, das Innere einer Kirche während des Gottesdienstes« (SMB-ZA, IV/NL Wagener, Briefkonzepte, S. 192). – Eine perspektivisch veränderte Fassung mit dem Titel »La prêche« (1847, Ölskizze) befindet sich in den Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique, Brüssel. | Helga Weißgärber

Bildnis des Schauspielers Conrad Ekhof

Bildnis des Schauspielers Conrad Ekhof

Conrad Ekhof (1720–1778) wandte sich zwanzigjährig der Schauspielerei zu. Sein erstes Engagement erhielt er 1740 bei der Schönemannschen Gesellschaft in Lüneburg, ab 1757 war er vorwiegend in seiner Heimatstadt Hamburg tätig. 1764 trat Ekhof dort der Theatertruppe von Conrad Ackermann bei, die aufgrund ihres großen Erfolges ein eigenes Schauspielhaus erhielt und 1767 das erste deutsche Nationaltheater mitbegründete. Hier kam der Schauspieler mit dem Dramaturgen Gotthold Ephraim Lessing in freundschaftliche Verbindung, in dessen Schriften zum Theater er die Bestätigung seiner eigenen Bemühungen fand. Ab 1771 spielte Ekhof am Weimarer Hof. Sein letztes Engagement nahm er 1774 als Leiter des neu eröffneten Gothaer Hoftheaters an. Ekhof war einer der besten Schauspieler seiner Zeit. Vor allem seine ausdrucksvolle, modulationsfähige Stimme beeindruckte das Publikum. Er führte einen modernen, realistischen Darstellungsstil ein, mit dem er entschieden zur Erneuerung der deutschen Schauspielkunst beitrug.Während Graff Schauspielerkollegen wie Esther Charlotte Brandes (Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln) oder August Wilhelm Iffland (Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Potsdam) in Rollenporträts darstellte, ist dieses Bildnis ganz auf die lebendigen Gesichtszüge Ekhofs konzentriert. Bei dem Gemälde handelt es sich um eine Replik jenes Porträts, das wohl bei einem Gastspiel der Seylerschen Gesellschaft während der Herbstmesse 1774 in Leipzig entstand und unmittelbar in den Besitz des Herzogs von Gotha gelangte (heute Stiftung Schloß Friedenstein, Gotha). Die Replik erwarb die Nationalgalerie 1911 aus dem Besitz des Coburger Hofschauspieldirektors Friedrich Haase. Dieser kaufte das Bild »1867 von dem alten Oberregisseur Kawaczynski in Gotha, dessen Großvater es von einem Erben Ekhofs, der Direktor des Herzoglichen Hoftheaters in Gotha war, von Graff zum Geschenk erhalten hatte. Friedrich Haase, Herzogl. Sächs. geh. Hofrat« (zit. nach: Aufkleber auf der Bildrückseite). | Birgit Verwiebe

Blumenstilleben mit Fruchtkorb

Blumenstilleben mit Fruchtkorb

1827 erwarb der Bankier Wagener von dem Porzellanmaler Gottfried Wilhelm Voelcker ein Bild mit präzis wiedergegebenen, genau bestimmbaren Blumen und Früchten (Nationalgalerie, Inv.-Nr. W.S. 245). Noch vor Eröffnung der Nationalgalerie kamen 1874 ein weiteres Blumenstück (Inv.-Nr. A I 98, Kriegsverlust) und zwei Blumen- und Früchtestilleben in der Art von Jan Davidsz. de Heem hinzu (Inv.-Nr. A I 102 und 103). Damit waren Werke des ehemals hochgeachteten Gottfried Wilhelm Voelcker in der Nationalgalerie ebenso reich vertreten wie in den Berliner Schlössern. Mit dem Hinweis auf die botanische Genauigkeit wie auf das Vorbild der flämischen Malerei sind die Wurzeln dieser Blumenmalerei angedeutet: Im Zuge der Aufklärung fand die Pflanzenkunde einen starken Aufschwung. Davon zeugen nicht nur die botanischen Gärten allerorten, sondern auch die Vielzahl an Herbarien und an meist sorgfältig aquarellierten Kupferstichwerken. Die genaue Wiedergabe der Pflanzen dort wurde, oft mitsamt der lateinischen Bezeichnungen, auf Glas und Porzellan übertragen. Um 1800 entstanden aus diesem Geiste heraus ganze botanische Service. Die Darstellung von Pflanzenarrangements, barock bewegten Buketts mit Licht- und Schatteneffekten, aber steht in der Tradition der holländischen und flämischen Blumenmalerei des 17. Jahrhunderts, ohne jedoch deren Vanitassymbolik zu übernehmen. Diese Blumenstücke vereinen die Eigenheiten von Naturstudie und Atelierbild. In der Auswahl der dargestellten Blumen dokumentiert sich Wissen und Stolz. Mit Vorliebe wurden fremde, aus der Ferne eingeführte, kostbare Pflanzen wie Tulpen, Hortensien, Dahlien und Passionsblumen dargestellt. | Angelika Wesenberg

Étude pour: Maison de campagne à St-Cloud

Étude pour: Maison de campagne à St-Cloud

Den so charakteristischen Werken von Rousseau gingen vielfach gut beobachtete Studien nach der Natur voran. Töne und Übergänge sind mit sicherer Hand festgehalten. Rousseaus spätere Umformung zu einem scheinbar naiven Bild ist bewusste Stilisierung. Die vorliegende Ölskizze zu dem Werk „Maison de campagne à St-Cloud“ (Carnegie Museum of Art, Pittsburgh) zeigt rechts einen Weg, eher Wall, der über ödes Land in den Wald führt, links daneben steht ein schmales Haus mit Anbau. In der Ausführung als Gemälde ist das Haus prächtiger geworden, die sandige Fläche zu einer grünen Wiese, die Bäume sind ausgeführter, und das Ganze ist in eine klare Abendstunde versetzt. Wilhelm Uhde, ein früher, einfühlsamer Interpret Rousseaus, der ihn noch gut kannte, schrieb: „Rousseau hat eine große Anzahl Landschaften von Paris und der Banlieue gemalt. […] Wir aber haben diesen Weg erlebt, als wir jung waren, in der Provinz wohnten und des Sonntags mit den Eltern den gewohnten Spaziergang machten. Da fühlten wir, wie die Tage einförmig dahingingen, und haßten diesen so vernünftig und langweilig angelegten Weg, der die Öde des Landes so schlecht verbarg […]. Zu dieser Welt gehörte er, und er blieb ihr sein Leben lang treu. Er liebte sie mit jener Traurigkeit und Resignation, die der Melancholie der Vorstadt entspricht. Wenn er diese Straßen und Plätze malte, nahm seine Phantasie ihnen das Zufällige und machte aus ihnen menschliche Dokumente, Beiträge zu den Möglichkeiten der menschlichen Seele“ (Wilhelm Uhde, Henri Rousseau, Düsseldorf 1914, S. 38–41). | Angelika Wesenberg

Selbstbildnis

Selbstbildnis

Nach Studien bei dem Porträtisten Léon Hornecker in Straßburg und Nikolaus Gysis in München ließ sich der elsässische Maler Schneider 1899 endgültig in Straßburg nieder. Das eigenwillige, dunkeltonige Selbstbildnis, das den Einfluss der Münchner Schule verrät, dürfte dort entstanden sein. Es zeigt den über Dreißigjährigen sitzend, mit selbstbewusst in die Seite gestützter Hand, in der Kleidung eines Reisenden: mit braunem Mantel, Hut und Stock. Das vermutlich erstmals auf der Kölner „Deutschen Kunstausstellung“ 1907 präsentierte Bildnis rezensierte der Kunstkritiker W. Gischler für die Zeitschrift „Die Rheinlande“: „Moderne Malerei ist es gewiß nicht, wie überhaupt im Elsaß, seitdem es Reichsland wurde, der Anschluß links verloren und rechts noch nicht gewonnen ist. Weit entfernt von dem energischen Strich etwa bei Liebermann, der zeichnerischen Strenge bei Thoma oder der Edelsteinmosaikkunst Trübners, hält es gleichwohl in einem Stand, und dies eine ist beim Bildnis das unbedingt Erforderliche: daß es einen Menschen in seinem Wesen unverstellt und schlicht vor Augen bringt. Das ist hier mit soviel Selbstverständlichkeit geschehen, daß ich wohl meine, es könnte solch ein Bild von unserer Art erzählen, wie wir zu sitzen, zu sprechen und zu blicken pflegen“ (W. Gischler, [Glossen], in: Die Rheinlande, 14. Jg. [1907], H. 9, S. 73). 1911 wurde das Porträt aus der „Großen Berliner Kunstausstellung“ für die Nationalgalerie erworben. | Regina Freyberger

Die Familie Claude Terrasse im Garten

Die Familie Claude Terrasse im Garten

Eine familiäre Szene hat Pierre Bonnard auf diesen vierteiligen Wandschirm, einen Paravent, gemalt: Im Vordergrund ist Bonnards Schwester Andrée mit zweien ihrer Kinder und dem Hund Ravageau zu sehen, links in einer Laube der Schwager und Freund Claude Terrasse über eine Partitur gebeugt. Die Mutter ist unter dem Laub des Kastanienbaums kaum sichtbar und steht doch im Mittelpunkt. Die Längsstreben, die ehemaligen Scharnierstellen andeutend, verleihen der Komposition Spannung und schaffen kühne Anschnitte. Mit der Japanmode des späten 19. Jahrhunderts fanden Paravents, asiatische und in Europa gemalte, ihre Liebhaber. Vor allem die Nabis erprobten an ihnen ihre dekorativ flächige Malerei. Bonnard schrieb rückblickend: »Zu dieser Zeit (d. h. zwischen 1890 und 95) hatte ich persönlich die Vorstellung einer volkstümlichen Produktion von Gebrauchskunst: Graphiken, Möbel, Fächer, Wandschirme etc.« (zit. nach: K. Henkel und C. Bohlmann, Garten des Lebens, ein Wandschirm von Pierre Bonnard, Köln 2002, S. 59). Seinen wohl ersten Wandschirm »Frauen im Garten« (Kunsthaus, Zürich), eine Komposition in Form von vier schmalen hohen Tafeln, stellte Bonnard bereits 1891 aus, wobei ihm die Funktion des Paravents in erster Linie Vehikel für eine neue Malerei in neuen Formaten war.1888 hatten einige Studenten der Académie Julian in Paris unter dem prägenden Einfluß der Flächenmalerei von Gauguin die Künstlergruppe Nabis (hebräisch für Erleuchtete, Propheten) gegründet. Die jungen Künstler Pierre Bonnard, Maurice Denis, Paul Sérusier und andere suchten, in Abgrenzung zum objektivierenden Impressionismus, wieder eine subjektive, inhaltsbetonte Sicht auf die Welt. Als geeignetes Mittel erschien ihnen eine formbewußte Kunst, die die Nähe zu den angewandten Künsten nicht scheut. Von besonderem Einfluß, nicht nur für diesen Kreis, war die japanische Graphik, die seit einigen Jahren in Mengen nach Europa, vor allem nach Paris gelangte.1896 erhielt Bonnard eine erste Einzelausstellung in der bedeutenden Kunsthandlung Durand-Ruel. Im selben Jahr entstand sein größtes Werk, »Die Familie Claude Terrasse im Garten«. Die dekorative Flächenhaftigkeit der japanischen Bildauffassung wirkte damals unverbraucht und frisch, und Bonnard nahm sie auch hier auf. Selbst die Vorliebe für Karomuster ist der japanischen Kunst entlehnt, und vielleicht wirkte die Begeisterung für Japan auf die Mode zurück. Bonnard hat mehrfach Frauen mit karierten Kleidungsstücken gemalt. Das rotgelbe Kleid steht hier auffällig neben dem bräunlichen, leeren Grund. Aber diese Gartenszene ist mehr als dekorativ, sie meint ein irdisches Paradies, zugleich klingt das Thema der Lebensalter an. Bonnard, der selbst keine Kinder hatte, zeichnete und malte oft die Kinder seiner Schwester und er verbrachte gern Zeit auf dem Landsitz seiner Familie Le Clos, er besaß dort sogar ein eigenes Atelier. Der Wandschirm blieb lange im Besitz der Familie. Vermutlich ist er im Zusammenhang mit einem geplanten Verkauf bildmäßig auf einen Bildträger montiert worden. | Angelika Wesenberg

Gebirgspartie bei Laerdalen in Norwegen

Gebirgspartie bei Laerdalen in Norwegen

Die erste Reise Dahls in das vor Jahren verlassene Heimatland Norwegen 1826 beendete die Phase der imaginären Berglandschaften aus der Erinnerung. Die tagebuchartigen Zeichnungen von dieser und den folgenden Reisen boten ihm fortan in Dresden einen unerschöpflichen Vorrat an norwegischen Motiven. Er benutzte sie als anregendes Material wie als direkte Vorlagen, die zugleich der Auftragsgewinnung dienen konnten. Die geschäftsmäßige Vorgehensweise läßt sich an diesem Bild nachvollziehen: Die Vorzeichnung in den KODE Kunstmuseene in Bergen (Blei, laviert, 10,5 × 16,9 cm, Inv.-Nr. 605, aus Dahls Sammlung »Liber Veritatis« LV Nr. 376) ist beschriftet: »Auf der Stelle gez: Laerdalen bey Lysne d. 24. Sept. 1826 JD. An M. Kaskel 1829. Dresden.«; auf der Rückseite: »Ausgeführt in Gemälde 20 Juni 1829«. Eine Zeichnung nach dem ausgeführten Gemälde befindet sich ebendort (Blei, laviert und weiß gehöht, 10,5 × 13,8 cm, Inv.-Nr. 599, LV Nr. 424) und trägt die Beschriftung: »13 1/2 Zl.- 10 1/4 h. S.M. 1829 J Dahl. Kaskel« (die Maßangaben beziehen sich auf das Gemälde). – Zwei Notizen in Dahls Einnahmenbuch von 1829 erwähnen Kaskel (vgl. M. Bang, Johan Christian Dahl, Bd. 2, Oxford 1987, S. 203, Nr. 600): Am 27. März und am 8. August erhielt Dahl Geld für ein kleines Bild, gemeint war dieses.Trotz der topographischen Genauigkeit ist das kleine Gebirgsbild mehr als eine Vedute. Die treffende Wiedergabe der dunstigen Atmosphäre dieser Gegend in sprödem, dünnem Farbauftrag basiert auf lebhaft erinnerten Natureindrücken und den Erfahrungen der Freiluftmalerei und gibt die vor Jahren erlebte Impression dieses Weges am Gebirge entlang einprägsam wieder. | Angelika Wesenberg