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Gefangene besuchen, Trauende trösten, Verirrte geleiten, Sockelbild. Karton zu den Wandbildern der Fürstengruft (Campo Santo) in Berlin

Ident. Nr.: A I 173

ObjID: obj:2262528

Details (Expert)

Beteiligte
Peter von Cornelius (1783 - 1867),
Maler*in
Datierung
1847
Provenienz
Preußischer Staat (aus dem Nachlaß des Künstlers übernommen),
nach 6.3.1867 - 13.9.1875
Abmessungen
Höhe x Breite: 128 x 536 cm
Erwerbung
1875 vom preußischen Staat an die Nationalgalerie überwiesen

Objektbeschreibung

Zur Eröffnung der Nationalgalerie 1876 waren von Peter Cornelius über siebzig Entwürfe für Fresken, auch Kartons genannt, in den beiden Sälen des Hauptgeschosses ausgestellt. Cornelius hatte das Kunstgeschehen in der ersten Jahrhunderthälfte mit seinen Darstellungen bedeutender Themen der Mythologie, Religion und Geschichte maßgeblich beeinflußt und war einer der wenigen über Deutschland hinaus bekannten Künstler. Als führender Kopf der Nazarener in Rom hatte er für eine Erneuerung der deutschen Kunst die Freskomalerei wieder eingeführt (vgl. die Fresken zur Casa Bartholdy, Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 419).
1818 erteilte ihm Kronprinz Ludwig von Bayern, der spätere König Ludwig I., mit der Ausmalung zweier Säle in der neu errichteten Münchner Glyptothek einen der umfangreichsten Aufträge seiner Zeit (Inv.-Nr. A I 114–158, davon 26 Kartons in der Nationalgalerie). Im Rückgriff auf Stil und Formensprache der Renaissance-Meister entwickelte Cornelius ein komplexes Bildprogramm zur antiken Mythologie. Ab 1829 begann er mit den Vorbereitungen für die Ausmalung der Ludwigskirche in München (Inv.-Nr. A I 162–170, davon 7 Kartons in der Nationalgalerie), zwischen 1836 und 1840 erfolgte die Realisierung der Fresken.
Nach Cornelius’ Bruch mit dem König von Bayern berief der preußische König Friedrich Wilhelm IV. 1841 den inzwischen 58jährigen Künstler nach Berlin. Seit dieser Zeit widmete er sich hauptsächlich der geplanten Grablege der Hohenzollern am Berliner Dom, dem sogenannten Campo Santo, welche er als größtes Freskenprojekt des 19. Jahrhunderts konzipierte (Inv.-Nr. AI 171–187, davon 11 Kartons in der Nationalgalerie). Obwohl sich nach 1848 abzeichnete, daß das Vorhaben scheitern würde, setzte er seine Arbeit daran noch Jahre fort. Überzeugt vom Primat der Idee in der Kunst sah Cornelius seine Vorstellungen ohnehin am reinsten in der Linienkunst der Zeichnung ausgedrückt. Seine Aufmerksamkeit galt deshalb vor allem den teils monumentalen, im Maßstab 1:1 mit Kohle gezeichneten Kartons, weniger den auszuführenden Fresken. Nach seinem Tod gingen die Kartons für die Glyptothek und die Ludwigskirche in München sowie für den Campo Santo in Berlin in den Besitz des preußischen Staates über. Die Bewilligung der Mittel für den Bau der Nationalgalerie verband man 1865 mit der Auflage, dort die Werke des Meisters zu zeigen. Die Sammlung der Nationalgalerie wurde damit um ein allein Cornelius gewidmetes ›Personal-Museum‹ bereichert. Dessen Werke beanspruchten die beiden zentralen zweigeschossigen Hauptsäle des Hauses nicht nur wegen ihrer übergroßen Formate. Die beherrschende Stellung des Œuvres von Cornelius, zusätzlich betont durch eine vergoldete Kolossalbüste des Künstlers, spiegelte dessen herausragenden Stellenwert: Cornelius wurde zum Staatskünstler und sein Werk zum Höhepunkt der Kunstentwicklung des 19. Jahrhunderts deklariert.
Bereits mit Beginn des 20. Jahrhunderts erlosch Cornelius’ Ruhm, und seine Werke verschwanden in den Depots. Eine neue, von der Moderne geprägte Sicht auf das 19. Jahrhundert erklärte Cornelius’ Kunst für unbedeutend. Eine wesentliche Rolle spielte dabei der seit Februar 1896 als Direktor der Nationalgalerie wirkende Hugo von Tschudi, der die aus der Tradition von Renaissance und Klassizismus erwachsene Kunst von Cornelius für ›überwunden‹ hielt. Individuelle Handschrift und Subjektivität des Ausdrucks waren die neuen Kriterien. Mit der Jahrhundertausstellung, die Tschudi 1906 in der Nationalgalerie zeigte, wurde der Gang der Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts nunmehr als ein Weg in den Impressionismus dargestellt. | Birgit Verwiebe

Letzte Aktualisierung: 19.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Die Eltern des Künstlers

Die Eltern des Künstlers

Mit der romantischen Rückbesinnung auf Traditionen der altdeutschen und altitalienischen Malerei wurden zugleich Bildtypen und Ornamentformen revitalisiert, die am Ausgang des Mittelalters und der frühen Neuzeit die künstlerische Gestaltgebung bestimmt hatten. Dazu gehören das Tondo ebenso wie die Schmuckform der Arabeske. Schon Philipp Otto Runge hatte wieder auf eine die Bildaussage vertiefende Allegorisierung mittels arabeskem Rahmenornament zurückgegriffen. Für das Doppelbildnis seiner Eltern, des kurpfälzischen Amtmanns Franz Anton Peter Begasse (1764–1842) und dessen Ehefrau, Susanne Henriette, geborene Hofstadt (1769–1851), nutzte der noch ganz von nazarenischen Idealen durchdrungene Begas sowohl das Rahmenornament auf goldenem Grund als auch die Pathosformel strenger Profilbildnisse im Rund eines verdoppelten Tondos, dessen Ursprünge bis in die antike Medaillenkunst zurückreichen. Auf diese Weise gelingt es dem Künstler, das Elternpaar ins Ideale zu verklären, ohne dabei auf die sachliche Beobachtung der Details mit all ihren stofflichen Reizen und auf eine liebevolle Erfassung ihrer individuellen, vom Alter gezeichneten Gesichtszüge verzichten zu müssen. Die plastisch herausmodellierten Köpfe, die vor dunklem Grund einander gegenübergestellt sind, werden durch die allegorischen Anspielungen auf der Rahmenleiste miteinander in Verbindung gebracht: Oben in der Mitte sind es die Genien des häuslichen Fleißes und der Gerechtigkeit, die ausgestattet mit den Attributen Spinnrocken und Blütenkranz bzw. Waagschale auf die Wirkungsbereiche der Mutter im Hause und des Vaters im Amte verweisen. Auch die anderen Symbolfiguren beziehen sich auf Charakterzüge der Eltern: Links neben der Mutter sind es das Lamm als Zeichen christlicher Demut sowie der Bienenkorb und das Eichhörnchen als Metaphern des Fleißes und der häuslichen Fürsorge, während der sich seinen Jungen opfernde Pelikan und der Hund, als Zeichen der Opferbereitschaft und Treue, dem Vater zugeordnet sind. Das auf einem festen Fundament ruhende Genienpaar unten in der Mitte versteht sich hingegen als eine allgemeine Allegorie der Ehe. – Beim Berliner Bild handelt es sich um eine Replik nach dem Original im Wallraf-Richartz-Museum zu Köln. | Gerd-Helge Vogel

Monica, die Tochter der Künstlerin

Monica, die Tochter der Künstlerin

Das im Jahre 1900 auf der Ausstellung der Berliner Secession gezeigte Bild der Tochter Monica (1893–1961) war unerwartet erfolgreich und bewog etliche Familien zu dem Wunsch, ihre Kinder ebenfalls von dieser Künstlerin malen zu lassen. Sabine Lepsius, die so anspruchs- und hoffnungsvoll ihre künstlerische Arbeit begonnen hatte (vgl. das Selbstbildnis von 1885, Nationalgalerie, NG 1/56), sah sich dadurch auf ein typisch weibliches Motivfeld zurückgeworfen. Sie benötigte jedoch die Einkünfte, um ihren anspruchsvollen Hausstand mit etlichen Kindern, Hauslehrern, aber auch vielen Gästen finanzieren zu können. Was hatte das Bild so erfolgreich werden lassen? Das etwa siebenjährige Mädchen sitzt betont ungezwungen auf einer Decke auf dem Boden, ohne Schuhe und Strümpfe, die Haare offen. Die gute Herkunft aber beweisen die Rokokokommode im Hintergrund, das feine Empirekleid, die Perlenkette am Fußgelenk, der goldene Armreif, die gezierte Haltung. Der modernen Lebensreform zugeneigte, wohlhabende Familien fühlten sich von diesem gemäßigt unkonventionellen Bilde, das auch pädagogische Reformideen widerspiegelte, angenehm überrascht. Auch mit einem zweiten Bild ihrer eigenen Kinder, der Tochter Sabine (1899–1982), Krokusse pflückend (1906, Verbleib unbekannt), war Sabine Lepsius besonders erfolgreich. Ludwig Justi, der mit dem Künstlerpaar Lepsius befreundet war, hatte nach eigener Aussage 1914 geschwankt, ob er »dieses oder das Monica-Bild für die Galerie erwerben sollte« (Justi an Sabine Lepsius, Brief vom 13.7.1942, Deutsches Literaturarchiv Marbach, zit. nach: A. Dorgerloh, Das Künstlerehepaar Lepsius, Berlin 2003, S. 202, Anm. 346). – Monica Lepsius heiratete später den Innenarchitekten John Berenberg und war lebenslang selbst als Malerin tätig. | Angelika Wesenberg

Hans Rosenhagen

Hans Rosenhagen

Das Jahr 1899 war für den Maler Lovis Corinth von entscheidender Bedeutung. Die Jury der Münchner Secession, der er seit ihrer Gründung 1892 angehörte, wies sein Bild »Salome mit dem Haupte des Johannes« (Harvard University, Cambridge, Massachusetts) von ihrer Ausstellung zurück. Walter Leistikow jedoch, der gerade in München für die neugegründete Berliner Secession warb, war von dem Bilde begeistert und erbat es für die nächste Ausstellung dort. Corinths Übersiedelung nach Berlin war angebahnt.Das Jahresende 1899 verbrachte Corinth in Berlin. Er arbeitete in Leistikows Atelier in der Körnerstraße 26 an verschiedenen Porträts. Leistikow auch stellte den Kontakt zur Berliner Gesellschaft her. Am 28. Dezember berichtete Corinth nach München: »Durch die Salons schwimme ich wie ein Hecht, als wenn ich mich nie in anderen Kreisen bewegt hätte. Meine Erfolge hier habe ich Leistikow zu danken, bei dem ich auch viel bin« (L. Corinth, Eine Dokumentation, Tübingen 1979, S. 58). Über Leistikow lernte Corinth den Berliner Kunstkritiker Hans Rosenhagen und dessen Mutter kennen. Rosenhagen war nicht nur Herausgeber der Zeitschrift »Das Atelier«, er schrieb Artikel zur Berliner Kunst für die Zeitschrift »Die Kunst für Alle«, später auch Rezensionen über die Ausstellungen der Berliner Secession und der Galerie Cassirer. Corinth malte Hans Rosenhagen (1858–1943) am 25. Dezember in dessen Berliner Wohnung (Nationalgalerie Berlin, Inv.-Nr. A II 994). Mit merklich größerer malerischer Freiheit und Freude hatte er zuvor schon, im November, das Bildnis der Mutter gemalt (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A II 532). Er hatte sie darum gebeten, wie überliefert ist, für dieses Bildnis ihr rot changierendes Kleid anzuziehen. Der warme Farbklang des Kleides wiederholt sich im Bild bei Tisch und Stuhl und dem Sofakissen und betont die Blässe des Gesichts. Dessen Tonigkeit variiert Corinth in der Decke und der hellen Gardine. Mutter Rosenhagen aber war mehr als ein Modell, wie wir aus einem Brief von Hans Rosenhagen an Charlotte Corinth von 1931 erfahren: Corinth »widmete ihr sogleich eine besondere Zuneigung, die aufrichtig erwidert wurde. Sah meine Mutter doch – sie stammte aus Westpreußen – in Corinth so etwas wie einen halben Landsmann« (Ch. Berend-Corinth, Lovis Corinth, München 1992, S. 219). | Angelika Wesenberg

Selbstbildnis mit Augenschirm

Selbstbildnis mit Augenschirm

Graffs Sohn Carl Anton schrieb am 22. Juli 1813 an den Winterthurer Landschaftsmaler Johann Caspar Kuster über das im letzten Lebensjahr entstandene, herausragende Selbstbildnis seines 76jährigen Vaters: »Das Porträt m. Vaters […] noch wenige Monate vor seinem Tode gemahlt. Ob man es wahr nimt, daß die Augen des Künstlers alt u. matt geworden sind, so zeiget sich doch im ganzen noch Kraft und jugendliches Künstlerfeuer« (Carl Anton Graff an Johann Caspar Kuster am 22. Juli 1813, Abschrift von Ulrich Hegner, erhalten in der Studienbibliothek Winterthur, Sign. Ms UH 121/5). Seit seinen Anfängen und während seiner gesamten Schaffenszeit hat sich Graff, wie kein anderer Maler des 18. Jahrhunderts, beständig selbst porträtiert. Über 80 Selbstbildnisse, Originale und Repliken, in Öl gemalt, gezeichnet oder gestochen, sind überliefert. Darüber hinaus wurden zahlreiche Kopien und Reproduktionen gefertigt. Viele davon waren Bestellungen, denn Freunde und Sammler wollten sein Konterfei besitzen. Graff betrieb die Auseinandersetzung mit den eigenen Zügen zur steten Vervollkommnung seiner Kunst. Sich selbst als Forschungsobjekt betrachtend, suchte er seine Gesichtszüge sowie die Veränderungen, die das Alter mit sich brachte, nüchtern zu ergründen. Vom ersten mit 17 Jahren gemalten Selbstbildnis (Kunstmuseum Winterthur) spannt sich der Bogen bis zu diesem wohl letzten Selbstbildnis vor der Staffelei, auf der eine Leinwand mit der Unterzeichnung eines Herrenbildnisses zu sehen ist. Ungemein modern, auf das 19. Jahrhundert vorausweisend, mutet das mit lockerem Pinselstrich gemalte Werk an. Es zeigt eine überraschende Freiheit und Intensität, die malerischer und kräftiger aufgefaßt ist als je zuvor. Hell ins Licht gesetzt hat der Künstler sein Gesicht mit den trotz nachlassender Sehkraft noch scharf blickenden Augen. Der grüne schattenspendende, die Pupillen erweiternde Schirm diente der Linderung seines Augenleidens. Für Paul Ortwin Rave zeigte das Werk, »mit welch psychologischem Scharfblick [Graff] zu erfassen und alle darstellerische Kraft im Antlitz zu sammeln wußte« (Paul Ortwin Rave, Deutsche Malerei des 19. Jahrhunderts, Berlin 1949, S. 6). Von dieser 1887 im Kunsthandel von der Nationalgalerie erworbenen Erstfassung schuf Graff eine im Format leicht vergrößerte Replik (Privatbesitz, Schweiz; vgl. E. Berckenhagen, Anton Graff, Berlin 1967, Nr. 546). Eine beeindruckende Vorzeichnung, heute im Kunstmuseum Luzern, befand sich im Besitz von Caroline Bardua. | Birgit Verwiebe