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Zylinderbureau mit Aufsatz

Ident. Nr.: 1910,49

ObjID: obj:2285732

Details (Expert)

Datierung
1778/1779
Material / Technik
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 153 x 115 x 67,5 cm

Objektbeschreibung

Der Möbeltyp des Zylinderbureau‘s nahm in Neuwied lange Jahre die führende Position unter den repräsentativen Schreibmöbeln ein. Statt der schräg gestellten geraden Schreibklappe der Pultschreibmöbel hat es eine gewölbte Schiebeklappe, die der Bogenform eines Viertelzylinders folgt. Diese gewölbte Klappe ist bei fortgeschrittenen Ausführungen so mit der darunter befindlichen Schreibplatte verbunden, dass sie sich gleichzeitig mit dem Hervorziehen dieser Schreibfläche öffnet und im Bogen hinter dem Pultinneren im Möbelkorpus verschwindet. Der Möbeltyp bietet eine bequeme Handhabung und den Vorteil, dass auf der Schreibfläche auch im geschlossenen Möbel Papiere und Schreibutensilien liegen gelassen werden können, was bei den Klapppulten nicht möglich ist.
Das Berliner Exemplar gehört zu einer kleinen Gruppe von frühklassizistisch gestalteten Zylinderbureaus mit chinoisem Motivrepertoire. Der für den Möbeltyp ungewöhnlich hohe Aufsatz verleiht ihm zusammen mit dem sehr ähnlichen Petersburger Exemplar eine besondere Stellung, an der seine reiche Ausstattung mit vorzüglichen Marketerien reichen Anteil hat.
Mit der Einführung der „Chinesischen Figuren“ in den Motivschatz der Marketerien folgten die Roentgens Ende der 1760er Jahre dem Rokoko, das mit dieser Mode seine Vorliebe für die fernöstliche Welt entdeckt hatte. Als „chinois“ wurden dabei nicht nur die sehnsüchtig betrachteten fernen Motive mit ihren orientalischen Gestalten, tropischen Vögeln und Pflanzen, oder die importierten Waren wie Porzellan und oder Tee bezeichnet, sondern auch die für europäische Augen ungewohnt spannungsvolle Bildkomposition, die auf die perspektivische Staffelung von Vorder-, Mittel- und Hintergrund weitgehend verzichtet, Architekturen dem Blick öffnet und sie mit Landstücken wie schwebend in den Flächenraum setzt. Die Entwürfe für die Chinoiserien stammten von Malern wie Januarius Zick oder Johannes Juncker, die Druckgraphiken nach François Boucher (1703-1770) oder Jean Pillement (1728-1803) als Vorbilder verwendeten. Diese fanden ihren Weg in die Werkstätten über Vorlagenbüchern wie The Ladies Amusement des Londoner Verlegers Robert Sayer. Diese äußerst erfolgreiche Vorlagensammlung erschien 1760, 1762 und 1771 und zeigte unter den mehr als 1.500 in Kupferstich gesetzten Zeichnungen eine ganze Serie von Chinoiserien und Papageien. In den Tafeln finden sich unmittelbare Motivvorlagen für die Neuwieder Marketerien und sie prägen zugleich deren dekorativen Charakter, der ein beliebiges Arrangement einzelner Elemente möglich macht.
ASt

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Rote Kasel mit den Wappen des Erzbischofs Albrecht von Brandenburg (1490-1545)

Rote Kasel mit den Wappen des Erzbischofs Albrecht von Brandenburg (1490-1545)

Die Kasel im Zuschnitt des 18. Jahrhunderts mit rundem Halsausschnitt und Schlitz ist aus rotem, broschiertem Seidendamast gefertigt und mit nicht zusammengehörigen Besätzen, einem Stab auf der Vorderseite und einem Kreuz auf der Rückseite, geschmückt. Im Zuge der Anpassung an die Form des 18. Jahrhunderts ist die Kasel gekürzt und ringsum mit einer schmalen gelben Seidenborte eingefasst worden. Eine etwas breitere, ähnliche Borte dient als Einfassung von Kreuz und Stab. Zwei unter den Kreuzarmen applizierte runde Wappenschilde weisen die Kasel als eine Stiftung Albrechts von Brandenburg aus. Die Wappen: In einem Kranz aus ineinander geschlungenen Ranken sind rechts die Wappen von Brandenburg (roter Adler), Stettin (roter Greif) und Zollern( Schwarz/Silber geviert) vereint. Die linke Wappenkombination verweist auf die geistlichen Herrschaften des Erzbischofs: Mainz (sechsspeichiges Rad), Magdeburg (Rot/Silber quergeteilt) und Halberstadt (Rot/Silber längsgespalten). Ein Samtbehang im Domschatz von Halberstadt zeigt ebenfalls runde, von Ranken gerahmte Wappen, allerdings steht hier bei den Wappen der geistlichen Herrschaften jenes von Halberstadft an erster Stelle. Dies belegt, dass dieser Behang eine Stiftung Albrechts an Halberstadt war. In Berlin hingegen besetzt das Mainzer Rad die erste Stelle, wodurch die Stiftung für Mainz gesichert ist. Albrecht von Brandenburg war seit 1513 Erzbischof von Magdeburg sowie Administrator des Bistums von Halberstadt und ab 1514 Erzbischof und Kurfürst von Mainz. 1518 erfolgte die Erhebung Albrechts zum Kardinal. Ab diesem Zeitpunkt wurden seine Wappen mit dem Kardinalshut versehen. Dieser fehlt auf unserer Kasel. So dürfen wir annehmen, dass die Stiftung der Kasel zwischen 1514 und 1518 erfolgt. Das Gewebe:Das Muster des prunkvollen Seidengewebes zeigt siebenfach geschweifte Rosetten, darin Granatapfelmotive in einem Blatt- und Blütenkranz. Jede Rosette ist mit Blüten besetzt und wird von einer dreifachen Granatapfelblüte bekrönt. Kielbögen aus abgetreppten Ranken stellen die Verbindung zur darüber angeordneten Rosette her. Zwischen den Kielbögen sitzen Varianten der Granatapfelmotive. Alte Knicke, Brüche und die gestückelte Vorderseite belegen, dass der Damast in Zweitverwendung verarbeitet wurde.Kaselkreuz:Das in der Länge beschnittene Kaselkreuz auf der Rückseite zeigt vor goldfarbenem Grund Christus am Kreuz mit den Trauernden Maria, Johannes Evangelista und darunter Maria Magdalena, die den Kreuzstamm umarmt. Über dem Kruzifixus schwebt in einem Wolkenband segnend Gottvater mit einer Weltkugel, in den Kreuzbalken die Apostel Petrus und Paulus mit ihren Attributen. Der bis nach unten durchgeführte Stamm verbindet die Kreuzigungsszene mit der Darstellung der trauernden Maria Magdalena. Kaselkreuze mit nahezu identischer Ikonographie, doch unterschiedlicher stilistischer und materieller Ausführung sind zahlreich erhalten und bezeugen die weite Verbreitung dieses Typus vom Mittelrhein bis nach Mittel- und Süddeutschland. Kaselstab:Der Stab zeigt in Spiralsonnenrahmen zwei untereinander angeordnete männliche Heilige. Ihre hochrechteckige Form lässt vermuten, dass es sich um ehemalige Besätze eines Chormantels handelt, die durch die Spiralsonnen zur passenden Breite ergänzt wurden. Die Figuren wurden direkt auf den Leinengrund gestickt, ihr schlechter Erhaltungszustand erlaubt keine Zuordnung. Ein schmales rotes Seidenbändchen trennt die Darstellungen. Beide Heilige stehen auf Rasenstücken sowie drei ovalen, grünen Blättern, die die Standfläche hervorheben. Ähnliche goldgerahmte Spitzblätter vor ehemals rotem Fond umgeben den unteren Heiligen, während der obere Heilige von Ranken mit fünfblättrigen Rosenblüten hinter fangen wird.Provenienz:Die Kasel wurde vor 1888 auf Anordnung des Kronprinzen Friedrich III aus der katholischen Kirche zu Weinolsheim, Rheinhessen für das Hohenzollernmuseum in Berlin erworben. Ehemals zugehörig waren: Stola, Manipel, Velum und Bursa. Einzig das Velum ist heute noch erhalten, alle anderen Teile müssen als Kriegsverlust gewertet werden. CWVeröffentlicht in: Kreuzwege. Die Hohenzollern und die Konfessionen 1517-1740. Ausstellungskatalog Berlin 2017. Hrsg: Mathis Leibetseder.