Logo

Wandtisch

Ident. Nr.: 1929,63

ObjID: obj:2288316

Details (Expert)

Beteiligte
Herstellung: Abraham Roentgen (1711–1793),
Kunsttischler*in
Datierung
um 1755/60
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 73 x 96 x 55 cm

Objektbeschreibung

Unter einer schlichten Kirschbaumplatte hat der Wandtisch ein reich geschnitztes Gestell mit weit ausschwingenden schlanken Beinen. Der kraftvolle und eng geführte Schwung der über Eck gestellten Beine nimmt seinen Anfang in der tief gekehlten und an der Unterkante ausgeschweiften Zarge. Die Schnitzerei zeigt mit Blütenranken geziertes Akanthusblattwerk, das Zarge, Beine und Füße schmückt.
Auf der Unterseite des Zargenkastens ist ein ovaler Brandstempel „Brüderhaus Neuwied“ zu lesen. Diese Einrichtung der Herrnhuter Gemeine bestand seit 1758 und diente jährlich 50 bis 100 unverheirateten „Brüdern“ als Wohnhaus sowie als Erziehungs- und Arbeitstätte. Nachdem die Tischlerei des Brüderhauses mit Bautischlerarbeiten begonnen hatte, bemühte sich Abraham Roentgen im Mai 1762 um eine Übereinkunft, wonach er der Brüderschaft das Feld der Bautischlerei vollkommen überlassen wollte, wenn dort im Gegenzug „keine Capinetmacherey weder groß noch klein under waß vor einem schein es auch seyn möchte“ getrieben würde. Offenbar trat die Werkstatt des Brüderhauses inzwischen als Konkurrenz auf und schmückte sich dabei mit Arbeiten der Roentgenwerkstatt. So hatte Abraham Roentgen der Gemeine 1758 einen Posten Möbel verkauft, um mit den Einnahmen von 105 Talern (knapp 160 Gulden) Schulden bei der Gemeine zu begleichen. Der Tisch gehörte vermutlich zu einer solchen Lieferung, die dann offenbar mit dem Stempel der Brüdergemeine versehen unter deren Namen auf den Markt gebracht wurde. Zwei ähnliche „Consol-Tische von Nussbaum Holz mit Bildhauer Arbeit“ erwarb 1756 einer der frühen verbrieften Kunden Abrahams, der Vater des Dichterfürsten Joh. Wolfgang von Goethe, für nahezu 21 Gulden: ein Betrag, für den bei Abraham ein Geselle mehr als eineinhalb Monate in Arbeit stand.
ASt

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Konfektschale auf drei Schildhaltern mit Hirsch im Gehege aus dem Lüneburger Ratssilber

Konfektschale auf drei Schildhaltern mit Hirsch im Gehege aus dem Lüneburger Ratssilber

Fußgestell, Zinnenring (an der Schale) und Figuren gegossen. Fußgestell außen, Schilde, Schalenrand, Fond, Kranz, Sockelmitte mit Zaun und Hirsch vergoldet, der Hügel mit Resten grünen, transluziden Emails. Tragefiguren durch einen Zinnenring verbunden, der an eine Manschette gelötet ist. Auf dieser sitzt die Schale, gehalten von einem Zungenkranz. - Eine Frucht im aufgelegten Blattkranz der Schale und Geweih des Hirsches verloren.Das Gerät lehnt sich im Aufbau an die Evangelisten- und die Kirchenväterschale (Inv. Nr. 1874, 394 und 1874, 393) an. Die tragenden Schildhalter sind nach einem Modell gegossen. Im Fond der tiefen Schale getriebenes Geäst mit Blättern und Früchten (Feigen?). Im Zentrum ein Hügel mit liegendem Hirsch, umgeben von einem Flechtzaun mit überdachtem Tor und Vorhängeschloß. Aufgelegt ein Kranz aus Blättern und Früchten und vier Wappen.Eines der Wappen dürfte das des Besitzers sein, des Ratsherren Johannes junior von dem Lohe, der 1468 Sülfmeister und 1480 Kämmerer wurde (gest. 1482). Das zweite Wappen von dem Lohe verweist im Verein mit dem der Godenstede auf die Eltern, Johannes von dem Lohe (gest. 1471) und dessen erste Frau Gesche von Godenstede, das vierte Wappen ist das der Großmutter mütterlicherseits Tibbecke von Töbing, die seit 1466 Witwe war. Wie die Kämmereirechnungen verzeichnen, kam die Schale 1482 aus dem Nachlaß des Johannes von dem Lohe auf das Rathaus: "Hr. Johan vam lo 129m 9s hyrto noch syne beste suluere schale de quam vpp dat Radthus vnd wogh." Kurz wird sie im Inventar von 1555/56 erwähnt: "Ein grote sulueren schale her Johan van Loess."

Les Iris ("Toutes les âmes sont prêtes...")

Les Iris ("Toutes les âmes sont prêtes...")

"Je nach Lichteinfall entwickelt die Vase ganz unterschiedliche Farbwirkungen, die von glühendem Orange-Rot über tiefdunkles Violett bis hin zu bernsteinfarbenen Brauntönen reichen. Iris- bzw. Schwertlilienpflanzen überziehen in asymmetrischer, lockerer Reihung die gesamte Wandung. In einem aufwändigen Verfahren wurden verschiedene Farbglasschichten in warmem Zustand überfangen und nach dem Erkalten des Glases partienweise, in unterschiedlicher Stärke, ausgeschliffen, so dass die jeweils darunterliegende Farbschicht durchscheint. Erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist die feine Gravur auf der Vasenschulter, die sich umlaufend zwischen Blätter und Blüten verteilt. Sie gibt ein Zitat des belgischen Dichters Maurice Maeterlinck (1862–1949) wieder, einem prominenten Vertreter des Symbolismus: „Toutes les âmes sont prêtes, il faut cependant [que] l’une d’elles commence, pourquoi ne pas oser, être l’une qui commence“. Die genaue Botschaft bleibt rätselhaft und der Empfänglichkeit der Betrachter überlassen. Ist unsere Seele die eine bereite Seele, die es wagt zu beginnen?Schöpfer der Vase war Émile Gallé (1846–1904). Mit seinen „vases parlants“, den sprechenden Vasen, verstand er es virtuos, Naturmotive in der Materialsprache des Glases auszudrücken und symbolisch zu überhöhen. Inspirieren ließ er sich dabei von sino-japanischen Vorbildern, darunter chinesischen Glasvasen, von denen sich Beispiele im Berliner Kunstgewerbemuseum befanden. 1885 war Gallé eigens nach Berlin gekommen, um zwei Wochen lang die damals gerade neu erworbenen chinesischen Gläser aus der Sammlung des preußischen Diplomaten Max von Brandt im Kunstgewerbemuseum zu studieren." (Claudia Kanowski, in: Details! 100 Lieblingswerke im Kunstgewerbemuseum, Dresden, Berlin 2018, S. 180f.)ClKa