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Medaillon mit dem Bildnis einer alten Frau

Ident. Nr.: 1904,54

ObjID: obj:2288434

Details (Expert)

Beteiligte
Herstellung: Johann Michael Rummer (3.5.1747 - 1812),
Intarsienschneider
Datierung
1775/80
Abmessungen
Durchmesser: 14,7 cm (Marketerie), 19,5 cm (Rahmen)

Objektbeschreibung

Die beiden Medaillons mit dem Bildnis einer alten Frau (Inv. Nr. 1904,54) bzw. eines alten Mannes (Inv. Nr. 1904,55) zeugen von dem im 18. Jahrhundert sehr beliebten Sujet der so genannten Charakterköpfe. Diese Darstellungen zeigen Phantasiebildnisse mit vorzugsweise alten, individuell gestalteten Physiognomien, deren Wiedergabe eine besondere Herausforderung an den Künstler stellt. Angeregt wurde dieses Sujet von der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts, insbesondere von der Grafik Rembrandts. Auch der Maler Januarius Zick setzte sich intensiv mit derartigen „Charakterköpfen“ auseinander und fertigte mehrere Gemälde und Zeichnungen von alten, ausdrucksvollen Personen an. Wir kennen zwei signierte Zeichnungen nach einem auf 1773 datierten Gemäldepaar, die nicht nur ganz ähnliche Bildnisse, sondern bereits vollständig gerahmte Medaillons zeigen. Dreimal – soweit bekannt – wurden die zwei Medaillons mit den Köpfen einer alten Frau und eines alten Mannes angefertigt, die sich allein in dem individuellen Fertigungsprozess geschuldeten Details unterscheiden. Das aufwändigste Paar im Berliner Kunstgewerbemuseum folgt mit der vergoldeten Bronzerahmung der Zeichnung und stammt – anders als die beiden Paare in Nürnberg und Weimar – aus dem Besitz der Familie Roentgen selbst.
Die beiden Medaillons sind Kabinettstücke der Marketeriekunst. Bei ihrer geringen Größe ist die gesamte Bildfläche nicht nur als ausgesprochen kleinteiliges Mosaik ausgeführt, sondern auch aufs Äußerste verfeinert. Dabei bildet die aus kleinsten, in Farbabstufungen gebeizten Einzelteilen zusammengesetzte Marketerie gewissermaßen den Rohling für die darauf folgende Verfeinerung des Bildes. In der gerühmten Technik der Manufaktur geschah auch dies in Holz und nicht wie vordem mit gekitteten Pasten, Gravuren oder oberflächlich aufgelegten Lasuren und Malerei: „alle Schattierungen, auch sogar die Lineamenta [Charakterzüge], und Gesichtszüge sind wirklich alle von Besonders harten und festen Hölzern eingeleget.“ Dazu wurde das Marketeriebild zunächst zeichnerisch überarbeitet, dann wurden die Korrekturen mit dem Messer eingeschnitten und schließlich passend gearbeitete Späne aus hartem Holz in die Marketerie eingetrieben und so mikroskopisch kleine Details aufgebaut. Das stark vergrößerte Auge der Frau mag dies veranschaulichen (Detailabb.), hier sind Iris und Pupille aus sicherlich zwei Dutzend Spänen aufgebaut und verschiedenste Strichstärken simuliert. Dabei sind die Markstrahlen der Hirnholzspäne geschickt eingesetzt, um die Korona der Iris zu bilden oder den glänzenden Reflex auf der Wölbung des Augapfels zu erzeugen. Augen und Mund, Partien des Gewandes, das Haar und das feine Netz der Haube sind auf diese Weise ausgearbeitet, und es fällt nicht schwer, in das zeitgenössische Lob auf Johann Michael Rummer, den Hauptmeister dieser Technik, einzustimmen, dass nämlich „der Name Holz-Mosaik für Arbeiten dieser Art noch zu wenig ausdrücke, weil sie (…) von fern und in der Nähe das Aug des Kenners täuschet, und alle Spuren der Einlegung und Zusammensetzung (…) auf das künstlichste verbirgt, und sie gleichsam durch die Schmelzung der Theile, und der sowohl natürlichen als geätzten Hölzer, in einander, gänzlich wegwischt.“
ASt

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Rote Kasel mit den Wappen des Erzbischofs Albrecht von Brandenburg (1490-1545)

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Die Kasel im Zuschnitt des 18. Jahrhunderts mit rundem Halsausschnitt und Schlitz ist aus rotem, broschiertem Seidendamast gefertigt und mit nicht zusammengehörigen Besätzen, einem Stab auf der Vorderseite und einem Kreuz auf der Rückseite, geschmückt. Im Zuge der Anpassung an die Form des 18. Jahrhunderts ist die Kasel gekürzt und ringsum mit einer schmalen gelben Seidenborte eingefasst worden. Eine etwas breitere, ähnliche Borte dient als Einfassung von Kreuz und Stab. Zwei unter den Kreuzarmen applizierte runde Wappenschilde weisen die Kasel als eine Stiftung Albrechts von Brandenburg aus. Die Wappen: In einem Kranz aus ineinander geschlungenen Ranken sind rechts die Wappen von Brandenburg (roter Adler), Stettin (roter Greif) und Zollern( Schwarz/Silber geviert) vereint. Die linke Wappenkombination verweist auf die geistlichen Herrschaften des Erzbischofs: Mainz (sechsspeichiges Rad), Magdeburg (Rot/Silber quergeteilt) und Halberstadt (Rot/Silber längsgespalten). Ein Samtbehang im Domschatz von Halberstadt zeigt ebenfalls runde, von Ranken gerahmte Wappen, allerdings steht hier bei den Wappen der geistlichen Herrschaften jenes von Halberstadft an erster Stelle. Dies belegt, dass dieser Behang eine Stiftung Albrechts an Halberstadt war. In Berlin hingegen besetzt das Mainzer Rad die erste Stelle, wodurch die Stiftung für Mainz gesichert ist. Albrecht von Brandenburg war seit 1513 Erzbischof von Magdeburg sowie Administrator des Bistums von Halberstadt und ab 1514 Erzbischof und Kurfürst von Mainz. 1518 erfolgte die Erhebung Albrechts zum Kardinal. Ab diesem Zeitpunkt wurden seine Wappen mit dem Kardinalshut versehen. Dieser fehlt auf unserer Kasel. So dürfen wir annehmen, dass die Stiftung der Kasel zwischen 1514 und 1518 erfolgt. Das Gewebe:Das Muster des prunkvollen Seidengewebes zeigt siebenfach geschweifte Rosetten, darin Granatapfelmotive in einem Blatt- und Blütenkranz. Jede Rosette ist mit Blüten besetzt und wird von einer dreifachen Granatapfelblüte bekrönt. Kielbögen aus abgetreppten Ranken stellen die Verbindung zur darüber angeordneten Rosette her. Zwischen den Kielbögen sitzen Varianten der Granatapfelmotive. Alte Knicke, Brüche und die gestückelte Vorderseite belegen, dass der Damast in Zweitverwendung verarbeitet wurde.Kaselkreuz:Das in der Länge beschnittene Kaselkreuz auf der Rückseite zeigt vor goldfarbenem Grund Christus am Kreuz mit den Trauernden Maria, Johannes Evangelista und darunter Maria Magdalena, die den Kreuzstamm umarmt. Über dem Kruzifixus schwebt in einem Wolkenband segnend Gottvater mit einer Weltkugel, in den Kreuzbalken die Apostel Petrus und Paulus mit ihren Attributen. Der bis nach unten durchgeführte Stamm verbindet die Kreuzigungsszene mit der Darstellung der trauernden Maria Magdalena. Kaselkreuze mit nahezu identischer Ikonographie, doch unterschiedlicher stilistischer und materieller Ausführung sind zahlreich erhalten und bezeugen die weite Verbreitung dieses Typus vom Mittelrhein bis nach Mittel- und Süddeutschland. Kaselstab:Der Stab zeigt in Spiralsonnenrahmen zwei untereinander angeordnete männliche Heilige. Ihre hochrechteckige Form lässt vermuten, dass es sich um ehemalige Besätze eines Chormantels handelt, die durch die Spiralsonnen zur passenden Breite ergänzt wurden. Die Figuren wurden direkt auf den Leinengrund gestickt, ihr schlechter Erhaltungszustand erlaubt keine Zuordnung. Ein schmales rotes Seidenbändchen trennt die Darstellungen. Beide Heilige stehen auf Rasenstücken sowie drei ovalen, grünen Blättern, die die Standfläche hervorheben. Ähnliche goldgerahmte Spitzblätter vor ehemals rotem Fond umgeben den unteren Heiligen, während der obere Heilige von Ranken mit fünfblättrigen Rosenblüten hinter fangen wird.Provenienz:Die Kasel wurde vor 1888 auf Anordnung des Kronprinzen Friedrich III aus der katholischen Kirche zu Weinolsheim, Rheinhessen für das Hohenzollernmuseum in Berlin erworben. Ehemals zugehörig waren: Stola, Manipel, Velum und Bursa. Einzig das Velum ist heute noch erhalten, alle anderen Teile müssen als Kriegsverlust gewertet werden. CWVeröffentlicht in: Kreuzwege. Die Hohenzollern und die Konfessionen 1517-1740. Ausstellungskatalog Berlin 2017. Hrsg: Mathis Leibetseder.