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Marmorierte Schatulle mit vergoldeten Bronzen

Ident. Nr.: 1935,93

ObjID: obj:2288872

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: David Roentgen (1743–1807)
Datierung
1785/1790
Geografische Bezüge
Provenienz
Nachlass/Vermächtnis: Adolf zu Schaumburg-Lippe, Schloss Bückeburg,
bis 15. August 1935
Dresdner Bank,
bis 15. August 1935
Kauf: Reichsfinanzministerium und Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung,
15. August 1935
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 18,3 x 32,7 x 20 cm

Objektbeschreibung

Die Schatulle folgt einem strengen architektonischen Aufbau, der dem kleinen Format eine erstaunlich monumentale Wirkung verleiht. Dazu tragen besonders die risalitartige Betonung auf beiden Längsseiten und die Abtreppung des Deckels bei. Das vergoldete Relief auf einem der beiden Risalite und die vergoldeten Griffe auf den Schmalseiten geben der Lade eine Hauptansicht. Die Ausführung in ehemals wohl blaugrau gefärbtem, heute rostbraunem Wurzelfurnier, imitierte eine Arbeit aus poliertem Marmor mit einer Montierung von matt vergoldeten Bronzen.
Auch nach dem Aufsperren des Deckels bleibt der Zugang zu dem Kästchen zunächst versperrt, denn über dem gesamten Innenfach liegt eine fein gestreifte Abdeckung. Sie lässt sich als Jalousie aufschieben, und macht ein bemerkenswert flaches Fach zugänglich. Erst der nochmalige Gebrauch des Schlüssels – der diesmal allerdings verkehrt herum in die fein umrandete Schlüsselbuche eingeführt werden muss – öffnet den Weg in den darunter zu vermutenden Raum. Mit der Entriegelung wird ein Kasteneinsatz emporgedrückt, der das gesamte Innere der Schatulle ausfüllt. Nun löst die vollständige Öffnung der Jalousie einen flachen Schubkasten aus, der unter dem doppelten Boden sitzt und seitlich aus dem Kasteneinsatz herausspringt.
Die fein ziselierte in Paris gearbeitete Relieftafel zeigt drei Putten versunken in das Studium der Mathematik, umgeben von Schreibtafeln und Folianten. In ihrer Mitte steht ein als Pult genutzter Gedenkstein mit der Inschrift „ARTIS ARITMETICAE“, auf dem eine „ALGEBRA“ betitelte Tafel liegt. Wir kennen eine französische Pendule aus den 1780er Jahren, die mit der gleichen Reliefplatte geschmückt ist und vor Augen führt, dass das Relief nicht für das Kästchen, sondern für eine weniger breite Füllung gefertigt wurde: dies erklärt den rechtwinkligen seitlichen Abschluss der sonst perspektivisch aufgefassten Grundplatte der Darstellung.
ASt

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Konfektschale auf drei Schildhaltern mit Hirsch im Gehege aus dem Lüneburger Ratssilber

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Fußgestell, Zinnenring (an der Schale) und Figuren gegossen. Fußgestell außen, Schilde, Schalenrand, Fond, Kranz, Sockelmitte mit Zaun und Hirsch vergoldet, der Hügel mit Resten grünen, transluziden Emails. Tragefiguren durch einen Zinnenring verbunden, der an eine Manschette gelötet ist. Auf dieser sitzt die Schale, gehalten von einem Zungenkranz. - Eine Frucht im aufgelegten Blattkranz der Schale und Geweih des Hirsches verloren.Das Gerät lehnt sich im Aufbau an die Evangelisten- und die Kirchenväterschale (Inv. Nr. 1874, 394 und 1874, 393) an. Die tragenden Schildhalter sind nach einem Modell gegossen. Im Fond der tiefen Schale getriebenes Geäst mit Blättern und Früchten (Feigen?). Im Zentrum ein Hügel mit liegendem Hirsch, umgeben von einem Flechtzaun mit überdachtem Tor und Vorhängeschloß. Aufgelegt ein Kranz aus Blättern und Früchten und vier Wappen.Eines der Wappen dürfte das des Besitzers sein, des Ratsherren Johannes junior von dem Lohe, der 1468 Sülfmeister und 1480 Kämmerer wurde (gest. 1482). Das zweite Wappen von dem Lohe verweist im Verein mit dem der Godenstede auf die Eltern, Johannes von dem Lohe (gest. 1471) und dessen erste Frau Gesche von Godenstede, das vierte Wappen ist das der Großmutter mütterlicherseits Tibbecke von Töbing, die seit 1466 Witwe war. Wie die Kämmereirechnungen verzeichnen, kam die Schale 1482 aus dem Nachlaß des Johannes von dem Lohe auf das Rathaus: "Hr. Johan vam lo 129m 9s hyrto noch syne beste suluere schale de quam vpp dat Radthus vnd wogh." Kurz wird sie im Inventar von 1555/56 erwähnt: "Ein grote sulueren schale her Johan van Loess."

Les Iris ("Toutes les âmes sont prêtes...")

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"Je nach Lichteinfall entwickelt die Vase ganz unterschiedliche Farbwirkungen, die von glühendem Orange-Rot über tiefdunkles Violett bis hin zu bernsteinfarbenen Brauntönen reichen. Iris- bzw. Schwertlilienpflanzen überziehen in asymmetrischer, lockerer Reihung die gesamte Wandung. In einem aufwändigen Verfahren wurden verschiedene Farbglasschichten in warmem Zustand überfangen und nach dem Erkalten des Glases partienweise, in unterschiedlicher Stärke, ausgeschliffen, so dass die jeweils darunterliegende Farbschicht durchscheint. Erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist die feine Gravur auf der Vasenschulter, die sich umlaufend zwischen Blätter und Blüten verteilt. Sie gibt ein Zitat des belgischen Dichters Maurice Maeterlinck (1862–1949) wieder, einem prominenten Vertreter des Symbolismus: „Toutes les âmes sont prêtes, il faut cependant [que] l’une d’elles commence, pourquoi ne pas oser, être l’une qui commence“. Die genaue Botschaft bleibt rätselhaft und der Empfänglichkeit der Betrachter überlassen. Ist unsere Seele die eine bereite Seele, die es wagt zu beginnen?Schöpfer der Vase war Émile Gallé (1846–1904). Mit seinen „vases parlants“, den sprechenden Vasen, verstand er es virtuos, Naturmotive in der Materialsprache des Glases auszudrücken und symbolisch zu überhöhen. Inspirieren ließ er sich dabei von sino-japanischen Vorbildern, darunter chinesischen Glasvasen, von denen sich Beispiele im Berliner Kunstgewerbemuseum befanden. 1885 war Gallé eigens nach Berlin gekommen, um zwei Wochen lang die damals gerade neu erworbenen chinesischen Gläser aus der Sammlung des preußischen Diplomaten Max von Brandt im Kunstgewerbemuseum zu studieren." (Claudia Kanowski, in: Details! 100 Lieblingswerke im Kunstgewerbemuseum, Dresden, Berlin 2018, S. 180f.)ClKa