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Sarg.Kind Aus dem Zyklus "Sarg-Art"

Ident. Nr.: NG 5/17

ObjID: obj:2305427

Schenkung von Dmitry Sidur
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Vadim Abramovic Sidur (1924 - 1986),
Künstler*in
Datierung
1975
Weitere Titel
Sammlungstitel: Sarg.Kind Aus dem Zyklus "Sarg-Art"
Originaltitel: Гроб-дитя
Übersetzung: Coffin Child, from the series "Coffin Art"
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1975–1985
Nachlass/Vermächtnis: Prof. Eimermacher,
1985–1989
Schenkung: Julija Nel'skaya ,
1989–2006
Nachlass/Vermächtnis: Dmitry Vadimovich Sidur,
2006–26.01.2017
Material / Technik
Metall, Holz und Glasaugen
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 25 x 85 x 34 cm
Erwerbung
2017 Schenkung von Dmitry Vadimovich Sidur

Objektbeschreibung

„Sarg-Kind“ ist eine erschreckende und gleichzeitig komische Darstellung des unglücklichen Kindes von „ekelhaften, erbärmlichen Mutanten“, wie der Künstler sie nannte, von „Sarg-Männern“ und „Sarg-Frauen“, die keinen Verstand haben und auf der von der Menschheit verwüsteten Erde leben. Die aus Sanitärrohren, technischem Abfall und grob zerkleinerten Brettern geschaffene Assemblage gehört zu der von Sidur so bezeichneten „Sarg-Kunst“ der 1970er-Jahre. Sie sollte mit ihren grausamen Bildern die Menschheit vor ihrer anscheinend unvermeidlichen Selbstzerstörung warnen. Der Künstler schrieb: „Es scheint, dass der vollständige Triumph der Sarg-Kunst bevorsteht und unser Globus sich in einen Planetensarg verwandeln wird ...“ (Natalija Nolde-Lurie, Drama cheloveka v tvorchestve Vadima Sidura, Moskau 2014, S. 54). Die Angst vor einem Atomkrieg während und nach der Kubakrise 1961 war allgegenwärtig, auch in der UdSSR, sowohl in der Politik als auch in der Kultur. „Sarg-Kunst“ war wie ein Vorbote des Reaktorunfalls im ukrainischen Tschernobyl im Jahr 1986 und ist heute wieder erschreckend aktuell. Sidur kannte die Werke Jean Tinguelys aus Katalogen, die er aus Deutschland erhalten hatte, und schuf seine eigene Version der Assemblage, in der Technikmüll zum Material für anthropomorphe Skulpturen wird. | Elena Voronovich

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson