Logo

Vase mit chinesischen Figurenszenen

Ident. Nr.: 1909,20

ObjID: obj:2322181

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Rochus Hoppesteyn (1661 - 1692),
Fayencemaler
Ausführung: Het Moriaenshooft (Der Mohrenkopf),
Fayencemanufaktur
Datierung
um 1686
Geografische Bezüge
Entstehungsort: Delft
Abmessungen
Höhe: 38 cm

Objektbeschreibung

"Die chinesisch inspirierten Figurenszenen auf der Wandung der Vase lassen sich recht genau entschlüsseln. Dargestellt ist die Geschichte 'Der Palast des ewigen Lebens'. Kaiser Xuanzong, der stehende, gestikulierende Mann, möchte den Geist seiner Geliebten, Yang Guifei (die sitzende Frau am Tisch) wiederfinden. Er begibt sich zum Mond, in den Guang Han Palast der Mondgöttin Chang E, die den Zaubertrank der Unsterblichkeit besitzt. Sie ist an dem weißen Hasen zu erkennen. Die Figuren sind in reich ornamentierten Gewändern mit feinem Pinselstrich großformatig auf die Wandung der Vase gemalt.
Der holländische Fayencemeister Rochus Jacobsz Hoppesteyn (gest. 1692) hat die Vase signiert. Er leitete in Delft die väterliche Manufaktur 'Het Jonge Moriaenshooft' (Der junge Mohrenkopf). Delft war seit 1602 Sitz der Niederländischen Ostindien-Kompanie. Seitdem waren massenweise ostasiatische Handelsgüter nach Holland und ins restliche Europa gelangt, in erster Linie Porzellan und Tee. Als infolge der politischen Unruhen in China, die 1644 zum Zusammenbruch der Ming-Dynastie führten, der Handel zeitweilig zum Erliegen kam, trat japanisches Porzellan an die Stelle der chinesischen Importe. Um der wachsenden Nachfrage nach ostasiatischen Porzellan zu begegnen, jedoch in Ermangelung von dessen wahrer Rezeptur, ahmten Delfter Keramiker das Porzellan in der Fayencetechnik nach, bei der ein poröser Scherben mit einer zinnhaltigen, weißen Glasur überzogen und bemalt wird.
Hoppesteyn kombinierte die chinesischen Motive mit einer 'japanischen' Farbigkeit, die an die kostbare Brokatwirkung der Imari-Porzellane aus der Gegend von Arita erinnert. Das bis dahin vorherrschende 'Delfter' Kobaltblau, das die chinesischen, scharffeuerdekorierten Blau-Weiß-Porzellane der Ming-Zeit nachahmte, wird hier durch die Aufglasurfarben Rot und Gold ergänzt." (Claudia Kanowski, in: Details! 100 Lieblingswerke im Kunstgewerbemuseum, Dresden/Berlin 2018, S. 119)

Die Vase wurde 1909 aus Privatbesitz für das Berliner Kunstgewerbemuseum angekauft, mit einem Deckel, der nicht ursprünglich dazu gehörte. Marke: Auf der Unterseite in Blau: ligiertes RIHS (für Rochus Jakobsz Hoppesteyn)

ClKa

Letzte Aktualisierung: 06.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Weltallschale

Weltallschale

Eine Inschrift nennt 1589 als Entstehungsjahr und den Nürnberger Goldschmied Jonas Silber als Hersteller des in seiner Form wie im Bildprogramm ganz einmaligen Schaugefäßes. Der dreipassförmige Fuß symbolisiert die Kontinente Asien, Afrika und Amerika. Als Ständer fungiert der Paradiesbaum mit Adam und Eva, er trägt einen Knauf in Gestalt des Salomonischen Tempels. Die Unterseite der Schale stellt die politische Ordnung des Heiligen Römischen Reiches mit Kaiser, Kurfürsten und den Wappen der Reichsstände dar, während ihr Inneres eine Personifikation Europas in Form einer anthropomorphen Landkarte enthält. Diese erscheint gewestet, so dass Spanien das gekrönte Haupt, Italien den rechten und Dänemark den linken Arm der Figur bilden. Die dafür verwendete Vorlage ist ursprünglich bereits 1537 entstanden, als Spanien tatsächlich die Krone des Reiches innehatte.Der Deckel führt Innen die meist legendären königlichen Ahnherren der deutschen Nation vor Augen, während seine Oberseite eine Himmelskarte mit Sternzeichen zeigt. Über alldem thront Christus als Weltenherrscher. Im komplexen Bildprogramm der Weltallschale durchdringen sich religiöse und profane Themen. Sie formulieren merkbildartig reichspolitisch-nationale, wissenschaftlich-humanistische und heilsgeschichtlich-kosmologische Aspekte von Raum und Zeit.Das Werk gelangte 1703 als Huldigungsgabe der Halberstädter Juden in den Besitz König Friedrichs I. in Preußen. Aus einem damals beigefügten Schreiben ging angeblich hervor, dass das Gefäß im Auftrag und nach Weisung Kaiser Rudolfs II. (reg. 1576–1612) entstanden sei. Unter anderem mit Verweis auf die dezidiert deutsch-nationale Tendenz des Bildprogramms ist die Herkunft der Weltallschale aus dem Rudolfinischen Kunstkreis in der jüngeren Forschung jedoch bestritten worden. LL

Maria von einer Kreuzigungsgruppe

Maria von einer Kreuzigungsgruppe

Die Figuren der trauernden Maria „in der Mantelfülle“ (Inv. Nr. K 3866) und des Evangelisten Johannes (K 3865) waren ursprünglich Teil einer Kreuzigungsdarstellung. In fein differenzierter Weise reagieren sie gestisch und mimisch auf die einst über ihnen erscheinende Darstellung des Christus am Kreuz. Die klagend vor der Brust gekreuzten Hände der Maria und ihr demutsvoll wehmütiger Blick in die Ferne vermitteln einen Seelenzustand stiller mütterlicher Trauer, der von dem plötzlichen Entsetzen des Johannes spürbar abweicht. Der Lieblingsjünger Christi schaut erschrocken, mit beinahe abwehrendem Gestus auf zum Kreuz, als könne er das Geschehene nicht fassen. Die überzeugende Erfassung und nuancierte Darstellung menschlicher Emotionen machen die kleinformatigen Treibarbeiten zu Bildwerken von besonders hohem künstlerischen Rang. Die bewegte Faltenbildung, die fein gravierten Schmuckborten und die technisch perfekte Strichpunzierung an den Innenseiten der Mäntel entsprechen der herausragenden Qualität der Figurenbildung. Gesichter und Hände sind in einem blassen Inkarnatton und der Kopfschleier der Maria in weiß „kalt“ bemalt. Die Technik des teilweisen farbigen Fassens von Metallfiguren war in der zweiten Hälfte des 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts besonders beliebt.Beide Figuren besitzen an der Unterseite Vorrichtungen für eine Montierung. Es bleibt allerdings fraglich, ob sie ursprünglich als Assistenzfiguren einer „Kleinen Kreuzigung“ auf einem architektonisch gebildeten Reliquiar ein so genanntes Kapellenkreuz bildeten, als Teil eines vielfigurigen Kalvarienberges dienten oder aber aus einem anderen Zusammenhang stammen. Die Statuetten befanden sich bereits im 18. Jahrhundert in der Kunstkammer der Hohenzollern im Berliner Schloss. LL

Himmelfahrt der Hl. Maria Magdalena

Himmelfahrt der Hl. Maria Magdalena

Die Gestalt Maria Magdalenas war mit verschiedenen in den Evangelien genannten Frauen gleichgesetzt und ihre Vita in den Legendarien zu einem abenteuerlichen Schicksal erweitert worden: Nachdem Jesus ihr die Sünden ihrer zügellosen Jugend vergeben hatte, gehörte sie zum engsten Kreis seiner Vertrauten, war die erste Zeugin seiner Auferstehung und verlebte die letzten dreißig Jahre ihres Daseins in vollkommener Askese als Einsiedlerin in der Wüste. Sie avancierte zu einer der am stärksten verehrten weiblichen Heiligen des Mittelalters.Ihre Versöhnung mit Gott belegt gleichnishaft ihre wundersame Erhebung, wie sie auch in der „Legenda aurea“ geschildert wird. Demnach wurde Maria Magdalena in der Wüste täglich zu den sieben kanonischen Gebetsstunden von Engeln in die Lüfte gehoben, um dem Lobgesang der himmlischen Heerscharen zu lauschen. Von dieser Speise war sie derart erquickt, dass sie keiner irdischen Nahrung mehr bedurfte, auch „strahlte ihr Antlitz so sehr vom immerwährenden Schauen der Engel, dass man eher in die Sonne hätte sehen mögen, denn in ihr Angesicht.Die Szene ist auf dem Glasgemälde anschaulich und nicht ohne Sinn für Dramatik ins Bild gesetzt. Scheinbar schwerelos und von zwei Engeln eher sacht berührt als getragen schwebt die Heilige vor rotem Bildgrund über einem jäh aufklaffenden Felsspalt. Ihr zum Zeichen der Askese von Fell bedeckter Körper, von dem nur Gesicht, Brüste, Hände und Füße ausgespart sind, ist wie die Lichtgestalten der Engel ganz in Weiß bzw. zartemRosa gehalten und bringt so das überirdische Leuchten ihrer Erscheinung zur Geltung.CVMA 98739