Logo

Doppelkürbisvase mit figürlichen Chinoiserien (Vasenpaar)

Ident. Nr.: 1923,4

ObjID: obj:2322236

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Fayencemanufaktur Gerhard Wolbeer, Berlin (1697 - 1764),
Hersteller*in
Datierung
um 1705
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe: 43,5 cm

Objektbeschreibung

Das Vasenpaar (Inv. Nr. 1923,4/5) weist die ostasiatisch inspirierte Doppelkürbisform auf. Der Dekor ist an chinesisch-delftischen Vorbildern orientiert. Der untere Teil des Korpus zeigt verschiedene Figurenszenerien in einer verkürzten Architekturlandschaft: z.B. einen auf einem Stuhl sitzenden Würdenträger, hinter dem eine Dienerin steht, die einen großen herzförmigen Fächer hält; einen Jungen, der auf einem Tablett Getränke oder Speisen herbeibringt; rechts ein Paar unter einem mehrfach gestuften baldachinartigen Schirm. Der obere Teil des Korpus weist einen Pfau, weitere Vögel und blühende Stauden als Dekorelemente auf. Vasenschulter und –hals sind mit Blütenranken über Spiralen sowie (am Hals) Lanzettblättern bemalt.

Die engen stilistischen Bezüge zwischen der frühen Berliner und der Delfter Fayencemalerei erklären sich dadurch, dass die ersten Fayenceunternehmer und –künstler von Holland nach Preußen gekommen waren: 1687 Pieter Fransen van der Lee, 1690 Gerhard Molin, dessen Frau Anna Molin, geb. Ruppert. Nach Molins Tod heiratete Anna Molin im Jahr 1697 den kurfürstlichen Lakaien Gerhard Wolbeer, mit dem zusammen sie die Manufaktur weiterführte. Auch Cornelius Funcke, der in der Molin’schen Manufaktur als Dreher begonnen hatte und 1699 die zweite erfolgreiche Berliner Fayencemanufaktur gründen sollte, war Holländer.

Vasensätze wie diese dienten der Dekoration von Kaminen oder Schränken („Schapps“). Da die meisten Berliner Fayencen unmarkiert sind und stilistisch eng verwandt sind, ist eine eindeutige Zuschreibung oftmals nicht möglich. Die ostasiatisch inspirierte Doppelkürbisform ist in Delft häufig, in Berlin jedoch seltener anzutreffen, wenn, dann bei der Wolbeer'schen Manufaktur. Im Berliner Katalog von 2001 führt Christiane Keisch verschiedene Vergleichsbeispiele an, so dass auch dieses Vasenpaar Wolbeer zuzuweisen ist.

Keine Marke.

Lit.: Kat. Berlin 2001: „Herrliche Künste und Manufacturen“, vgl. Kat. Nr. 22; Kat. Berlin 1976, Fayencen, Kat. Nr. 47

ClKa

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Konfektschale auf drei Schildhaltern mit Hirsch im Gehege aus dem Lüneburger Ratssilber

Konfektschale auf drei Schildhaltern mit Hirsch im Gehege aus dem Lüneburger Ratssilber

Fußgestell, Zinnenring (an der Schale) und Figuren gegossen. Fußgestell außen, Schilde, Schalenrand, Fond, Kranz, Sockelmitte mit Zaun und Hirsch vergoldet, der Hügel mit Resten grünen, transluziden Emails. Tragefiguren durch einen Zinnenring verbunden, der an eine Manschette gelötet ist. Auf dieser sitzt die Schale, gehalten von einem Zungenkranz. - Eine Frucht im aufgelegten Blattkranz der Schale und Geweih des Hirsches verloren.Das Gerät lehnt sich im Aufbau an die Evangelisten- und die Kirchenväterschale (Inv. Nr. 1874, 394 und 1874, 393) an. Die tragenden Schildhalter sind nach einem Modell gegossen. Im Fond der tiefen Schale getriebenes Geäst mit Blättern und Früchten (Feigen?). Im Zentrum ein Hügel mit liegendem Hirsch, umgeben von einem Flechtzaun mit überdachtem Tor und Vorhängeschloß. Aufgelegt ein Kranz aus Blättern und Früchten und vier Wappen.Eines der Wappen dürfte das des Besitzers sein, des Ratsherren Johannes junior von dem Lohe, der 1468 Sülfmeister und 1480 Kämmerer wurde (gest. 1482). Das zweite Wappen von dem Lohe verweist im Verein mit dem der Godenstede auf die Eltern, Johannes von dem Lohe (gest. 1471) und dessen erste Frau Gesche von Godenstede, das vierte Wappen ist das der Großmutter mütterlicherseits Tibbecke von Töbing, die seit 1466 Witwe war. Wie die Kämmereirechnungen verzeichnen, kam die Schale 1482 aus dem Nachlaß des Johannes von dem Lohe auf das Rathaus: "Hr. Johan vam lo 129m 9s hyrto noch syne beste suluere schale de quam vpp dat Radthus vnd wogh." Kurz wird sie im Inventar von 1555/56 erwähnt: "Ein grote sulueren schale her Johan van Loess."

Les Iris ("Toutes les âmes sont prêtes...")

Les Iris ("Toutes les âmes sont prêtes...")

"Je nach Lichteinfall entwickelt die Vase ganz unterschiedliche Farbwirkungen, die von glühendem Orange-Rot über tiefdunkles Violett bis hin zu bernsteinfarbenen Brauntönen reichen. Iris- bzw. Schwertlilienpflanzen überziehen in asymmetrischer, lockerer Reihung die gesamte Wandung. In einem aufwändigen Verfahren wurden verschiedene Farbglasschichten in warmem Zustand überfangen und nach dem Erkalten des Glases partienweise, in unterschiedlicher Stärke, ausgeschliffen, so dass die jeweils darunterliegende Farbschicht durchscheint. Erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist die feine Gravur auf der Vasenschulter, die sich umlaufend zwischen Blätter und Blüten verteilt. Sie gibt ein Zitat des belgischen Dichters Maurice Maeterlinck (1862–1949) wieder, einem prominenten Vertreter des Symbolismus: „Toutes les âmes sont prêtes, il faut cependant [que] l’une d’elles commence, pourquoi ne pas oser, être l’une qui commence“. Die genaue Botschaft bleibt rätselhaft und der Empfänglichkeit der Betrachter überlassen. Ist unsere Seele die eine bereite Seele, die es wagt zu beginnen?Schöpfer der Vase war Émile Gallé (1846–1904). Mit seinen „vases parlants“, den sprechenden Vasen, verstand er es virtuos, Naturmotive in der Materialsprache des Glases auszudrücken und symbolisch zu überhöhen. Inspirieren ließ er sich dabei von sino-japanischen Vorbildern, darunter chinesischen Glasvasen, von denen sich Beispiele im Berliner Kunstgewerbemuseum befanden. 1885 war Gallé eigens nach Berlin gekommen, um zwei Wochen lang die damals gerade neu erworbenen chinesischen Gläser aus der Sammlung des preußischen Diplomaten Max von Brandt im Kunstgewerbemuseum zu studieren." (Claudia Kanowski, in: Details! 100 Lieblingswerke im Kunstgewerbemuseum, Dresden, Berlin 2018, S. 180f.)ClKa