Logo

Tischplatte aus Fayence mit Blaumalerei, in Holzrahmen

Ident. Nr.: 1915,37

ObjID: obj:2322855

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Fayencemanufaktur Cornelius Funcke, Berlin (1699 - 1747/67),
Fayencemanufaktur
Datierung
Ausführung: 1725
Geografische Bezüge
Abmessungen
Breite x Tiefe: 64 x 40 cm

Objektbeschreibung

Eine detaillierte Beschreibung und Charakterisierung der Tischplatte hat Christiane Keisch im Berliner Katalog von 2001 vorgenommen:
"Die gesamte rechteckige Fläche ist von einem aus blauem Grund ausgesparten dichten Blüten-Blatt-Ornament überzogen. Darin eingebettet eine zentrale große Reserve in geschweifter Rahmung, umgeben von vier runden Eckmedaillons, an den Längsseiten je drei und an den Schmalseiten je eine kleine Reserve zusätzlich. In der Mittelreserve ostasiatische Fels-Sumpflandschaft mit niedrigen Halmen und Blättern. Auf schwankendem Bambusstab aufsitzend und nach links gewendet, ein Fasan mit zwei Haubenfedern und zwei langen Schwanzfedern. Darunter der bekannte durchbrochene Wolkenfels, dahinter verästeltes Gezweig mit Lotosblüten und Halmen (links) und Blüten mit Fiederblättern (rechts). In den kleinen Medaillons jeweils eine angedeutete Sumpflandschaft.
Im Zuge der Hollandmode sind zahlreiche aus Fliesen zusammengefügte Bildtafeln als Wandverkleidung oder als Beistelltische für brandenburgische Schlösser (wie Schwedt) aus Delft importiert worden. Wolbeer hat offenbar keine solchen produziert. Aus der Werkstatt Funckes sind einige, aber ganzflächige Tischplatten, bekannt geworden, deren Dekoration meist schon in den Régencestil - in das 2. Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts - weist, so wie die aus dem Kestner-Museum Hannover (Inv. Nr. 1908,50; Riesebieter 1921, Abb. 215). [...] Ein so frühes Beispiel wie dieses ist bisher nicht bekannt geworden. Die Bildplatte gleicht einem künstlerischen Firmenschild der späten Funcke-Produktion. Sie präsentiert einige seiner wichtigsten Stilmerkmale: die Reservenmalerei mit neuen Themen und Papagei und Fasan in einer durchlichteten Fels-Sumpflandschaft. [...] Das Motiv des Fasanenvogels im zart bizarren Blütengeäst, durchsetzt von schlanken Halmen, läßt andere, über Delft vermittelte, doch eher japanische Einflüsse vermuten (vgl. Scheurleer 1984, Abb. 290, S. 290). Eine neue, nach europäischem Geschmack ausgerichtete Mode begann, das Alt-Chinesische abzulösen. Funckes Stücke erhielten eine elegantere, modernere Note." (Christiane Keisch, in: Kat. Berlin 2001: "Herrliche Künste und Manufacturen", Kat. Nr. 103)

Keine sichtbare Marke.

Beistelltische mit blau-weiß bemalten Fayenceplatten auf farbig gefassten Holzgestellen entstanden in verschiedenen Manufakturen, darunter Rouen und Store Kongensgade in Kopenhagen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelten sie sich zu einer Spezialität der Fayencemanufakturen des Ostseeraums. Besonders prachtvolle, polychrom bemalte Teetische, entstanden im schwedischen Marieberg sowie in Kiel und in Stockelsdorf (vgl. Kat. Schleswig 2003: Fayencen aus dem Ostseeraum).

ClKa

Letzte Aktualisierung: 19.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Rote Kasel mit den Wappen des Erzbischofs Albrecht von Brandenburg (1490-1545)

Rote Kasel mit den Wappen des Erzbischofs Albrecht von Brandenburg (1490-1545)

Die Kasel im Zuschnitt des 18. Jahrhunderts mit rundem Halsausschnitt und Schlitz ist aus rotem, broschiertem Seidendamast gefertigt und mit nicht zusammengehörigen Besätzen, einem Stab auf der Vorderseite und einem Kreuz auf der Rückseite, geschmückt. Im Zuge der Anpassung an die Form des 18. Jahrhunderts ist die Kasel gekürzt und ringsum mit einer schmalen gelben Seidenborte eingefasst worden. Eine etwas breitere, ähnliche Borte dient als Einfassung von Kreuz und Stab. Zwei unter den Kreuzarmen applizierte runde Wappenschilde weisen die Kasel als eine Stiftung Albrechts von Brandenburg aus. Die Wappen: In einem Kranz aus ineinander geschlungenen Ranken sind rechts die Wappen von Brandenburg (roter Adler), Stettin (roter Greif) und Zollern( Schwarz/Silber geviert) vereint. Die linke Wappenkombination verweist auf die geistlichen Herrschaften des Erzbischofs: Mainz (sechsspeichiges Rad), Magdeburg (Rot/Silber quergeteilt) und Halberstadt (Rot/Silber längsgespalten). Ein Samtbehang im Domschatz von Halberstadt zeigt ebenfalls runde, von Ranken gerahmte Wappen, allerdings steht hier bei den Wappen der geistlichen Herrschaften jenes von Halberstadft an erster Stelle. Dies belegt, dass dieser Behang eine Stiftung Albrechts an Halberstadt war. In Berlin hingegen besetzt das Mainzer Rad die erste Stelle, wodurch die Stiftung für Mainz gesichert ist. Albrecht von Brandenburg war seit 1513 Erzbischof von Magdeburg sowie Administrator des Bistums von Halberstadt und ab 1514 Erzbischof und Kurfürst von Mainz. 1518 erfolgte die Erhebung Albrechts zum Kardinal. Ab diesem Zeitpunkt wurden seine Wappen mit dem Kardinalshut versehen. Dieser fehlt auf unserer Kasel. So dürfen wir annehmen, dass die Stiftung der Kasel zwischen 1514 und 1518 erfolgt. Das Gewebe:Das Muster des prunkvollen Seidengewebes zeigt siebenfach geschweifte Rosetten, darin Granatapfelmotive in einem Blatt- und Blütenkranz. Jede Rosette ist mit Blüten besetzt und wird von einer dreifachen Granatapfelblüte bekrönt. Kielbögen aus abgetreppten Ranken stellen die Verbindung zur darüber angeordneten Rosette her. Zwischen den Kielbögen sitzen Varianten der Granatapfelmotive. Alte Knicke, Brüche und die gestückelte Vorderseite belegen, dass der Damast in Zweitverwendung verarbeitet wurde.Kaselkreuz:Das in der Länge beschnittene Kaselkreuz auf der Rückseite zeigt vor goldfarbenem Grund Christus am Kreuz mit den Trauernden Maria, Johannes Evangelista und darunter Maria Magdalena, die den Kreuzstamm umarmt. Über dem Kruzifixus schwebt in einem Wolkenband segnend Gottvater mit einer Weltkugel, in den Kreuzbalken die Apostel Petrus und Paulus mit ihren Attributen. Der bis nach unten durchgeführte Stamm verbindet die Kreuzigungsszene mit der Darstellung der trauernden Maria Magdalena. Kaselkreuze mit nahezu identischer Ikonographie, doch unterschiedlicher stilistischer und materieller Ausführung sind zahlreich erhalten und bezeugen die weite Verbreitung dieses Typus vom Mittelrhein bis nach Mittel- und Süddeutschland. Kaselstab:Der Stab zeigt in Spiralsonnenrahmen zwei untereinander angeordnete männliche Heilige. Ihre hochrechteckige Form lässt vermuten, dass es sich um ehemalige Besätze eines Chormantels handelt, die durch die Spiralsonnen zur passenden Breite ergänzt wurden. Die Figuren wurden direkt auf den Leinengrund gestickt, ihr schlechter Erhaltungszustand erlaubt keine Zuordnung. Ein schmales rotes Seidenbändchen trennt die Darstellungen. Beide Heilige stehen auf Rasenstücken sowie drei ovalen, grünen Blättern, die die Standfläche hervorheben. Ähnliche goldgerahmte Spitzblätter vor ehemals rotem Fond umgeben den unteren Heiligen, während der obere Heilige von Ranken mit fünfblättrigen Rosenblüten hinter fangen wird.Provenienz:Die Kasel wurde vor 1888 auf Anordnung des Kronprinzen Friedrich III aus der katholischen Kirche zu Weinolsheim, Rheinhessen für das Hohenzollernmuseum in Berlin erworben. Ehemals zugehörig waren: Stola, Manipel, Velum und Bursa. Einzig das Velum ist heute noch erhalten, alle anderen Teile müssen als Kriegsverlust gewertet werden. CWVeröffentlicht in: Kreuzwege. Die Hohenzollern und die Konfessionen 1517-1740. Ausstellungskatalog Berlin 2017. Hrsg: Mathis Leibetseder.