Logo

Metaphysische Studie

Ident. Nr.: B UHP 71/13

ObjID: obj:2326285

Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin 2010
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
John D. Graham (1886 - 1961),
Künstler*in
Datierung
1942
Weitere Titel
Sammlungstitel: Metaphysische Studie
Übersetzung: Metaphysical Study
Provenienz
Erwerbungsart ungeklärt: Allan Stone Gallery,
bis 2005
Kauf: Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch,
2005-2010
Material / Technik
Gouache auf Papier
Abmessungen
Höhe x Breite: 32,4 x 24 cm
Erwerbung
2010 Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin

Objektbeschreibung

Der als Iwan Grazianowitsch Dombrowski geborene Graham war 1917 von Russland über Polen nach Frankreich geflohen, bevor es ihn 1920 weiter nach New York zog, wo er sich 1922 an der Art Students League einschrieb. Seine Stillleben, Landschaften und Porträts, die in den darauffolgenden Jahren entstanden, changieren zwischen Abstraktion und Figuration; insbesondere zu Anfang waren sie stark vom französischen Kubismus und der Kunst Pablo Picassos beeinflusst. Ende 1941 schuf Graham eine Serie von Interieurs, zu denen auch die „Metaphysische Studie“ gehören könnte. In ausdrucksstarken farbigen Pinselstrichen, umgeben von dominanten schwarzen Umrisslinien, hat der Künstler auf seinem Bild zeichenhaft Augen, Herzen und ein vasenartiges Gefäß auf einer diagonal gestreiften Fläche verteilt – jene erlaubt Assoziationen an eine Tischdecke, trägt gleichzeitig aber ein transzendentes Moment in sich. Das Werk zählt zu den letzten abstrakten Arbeiten Grahams. In der Folge wandte sich der Maler einem figurativen, historisierenden Stil zu, dominiert von weiblichen Porträts, die an die Kunst Jean-Auguste-Dominique Ingres’ (1780–1867) oder Raffaels (1483–1520) erinnern. Es waren jedoch Grahams künstlerische Vielfalt der 1920er- und 1930er-Jahre sowie sein theoretischer Rückbezug auf die europäische Avantgarde, mit denen der Künstler einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf jüngere Künstlerinnen und Künstler in den Vereinigten Staaten wie Jackson Pollock, Lee Krasner, Willem de Kooning oder Arshile Gorky hatte. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson