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Erigone/Bacchantin

Ident. Nr.: W-1961,10

ObjID: obj:2385649

Details (Expert)

Beteiligte
Zuschreibung unsicher: Claude Michel, gen. Clodion (1738 - 1814),
Bildhauer*in
Datierung
um 1800
Geografische Bezüge
Material / Technik
gebrannter Ton
Abmessungen
Höhe: 88 cm

Objektbeschreibung

Eine antikisch gewandete Frauenfigur auf flachem runden Sockel hält mit der Rechten eine Schale empor. Die Linke hält sie über ihren Kopf und legt eine Weinrebe in die Schale. Ein Kranz aus Weinlaub und -trauben schmückt ihr Haar, am linken Oberarm trägt sie einen Schellenreif. In ihrer tänzerischen Schritthaltung gestützt wird sie von einem hinter ihr stehenden Baumstamm. Vermutlich ist die Nymphe Erigone gemeint, die von Bacchus in Gestalt einer Weinrebe verführt wurde. Die Oberflächen sind detailliert und qualitätvoll ausgearbeitet, möglicherweise handelt es sich um Modelle für eine Ausführung in Bronze. Der Ton wurde in zwei Formhälften gepresst und nicht gegossen, was für eine Datierung in das späte 18. oder frühe 19. Jahrhundert spricht. Im Bestand des Kunstgewerbemuseums befindet sich auch das Gegenstück, "Hebe" (Inv. Nr. W-1961,11). Die Figur ist unbezeichnet.
Obwohl im Internet Bronzeversionen beider Figuren unter dem Entwerfer Claude Michel, genannt Clodion, kursieren, hat diese Zuschreibung bisher keinerlei belastbare Bestätigung gefunden. Die engsten gestalterischen Parallelen zu einem Clodion-Werk bestehen zwischen der Bacchantin und der 2,05 m großen Gipsfigur der Erigone, die der Bildhauer für die Ausschmückung des Speisesaals in Château de Maisons-Laffitte geschaffen hat. Innerhalb eines Vier-Jahreszeiten-Zyklus personifiziert sie dort den Herbst. Allerdings differieren die Details (bei Clodion hält Erigone die Weinrebe in der Rechten, es fehlt die Schale), und auch die Oberflächengestaltung ist lebhafter als bei den Figuren aus dem Kunstgewerbemuseum. Clodion selbst hat der Verbreitung seiner Modelle in Form reduzierter Terrakottafiguren Vorschub geleistet – darunter auch der Erigone – und damit dazu beigetragen, dass es bereits zu seinen Lebzeiten, vor allem aber im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts zu einer regelrechten ‚Clodionomanie‘ kam. In den Kontext der zahlreichen Nachschöpfungen à la manière de Clodion werden auch die beiden Tonmodelle aus dem Berliner Kunstgewerbemuseum einzuordnen sein.

Lit.: Claudia Kanowski, in: C.Kanowski/L.Lambacher: Tönerne Welten. Figürliche Keramik aus sechs Jahrhunderten. Eine Bestandsaufnahme im Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin, Sonderdruck aus: Keramos (2015/I), Heft 227, S. 21-23, mit Abb.

ClKa

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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