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Profilo continuo di Mussolini

Ident. Nr.: NG 12/17

ObjID: obj:2400386

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Renato Bertelli (1900 - 1974),
Künstler*in
Datierung
1933
Weitere Titel
Sammlungstitel: Profilo continuo di Mussolini
Unendliches Profil (Mussolini)
Originaltitel: Profil continu de Benito Mussolini
Übersetzung: Continuous Profile of Mussolini
Provenienz
Nachlass des Sohnes von Bertelli,
388480
Privatbesitz, Italien,
388479
Auktion: Van Ham Kunstauktionen,
13.6.2017
Material / Technik
Terrakotta
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 29,5 x 26 x 26 cm
Erwerbung
2017 Ankauf von Van Ham Kunstauktionen, Köln

Objektbeschreibung

Die ungewöhnlich und abstrakt wirkende Rundplastik zeigt das Profil des italienischen Ministerpräsidenten und Anführers der faschistischen Partei, Benito Mussolini (1883–1945). Dieser war bis 1914 überzeugter Sozialist gewesen und hatte auch die Aktivitäten der futuristischen Künstler um Filippo Tommaso Marinetti mit Sympathie verfolgt. Als er 1922 an die Regierung kam und sich nach und nach zum Alleinherrscher aufschwang, blieb er – anders als später Adolf Hitler in Deutschland – im Bereich der Künste liberal und ließ die avantgardistischen Futuristen ebenso gewähren wie die gemäßigten Neoklassizisten der Novecento-Gruppe. Der Bildhauer Bertelli war nur kurze Zeit mit der von Marinetti unabhängigen Vereinigung Gruppi Futuristi Indipendenti in Florenz assoziiert. Den ästhetischen Forderungen der Futuristen nach Geschwindigkeit und Gleichzeitigkeit verlieh er jedoch prägnanten Ausdruck, indem er ein 360-Grad-Profil des Diktators formte. Was heute als Schreckbild eines allumfassenden Überwachungsblicks empfunden werden kann, symbolisierte im elften Jahr der Herrschaft des „Duce“ (daher am Sockel die Datierung „A[nno] XI“) den umsichtigen Staatsmann voller Dynamik und Modernität. Ähnliche Darstellungen mit den Gesichtsprofilen von Ludwig XIV. oder Napoleon Bonaparte waren seit der Französischen Revolution als geschnitzte Knäufe auf Spazierstöcken in Gebrauch. Bertellis Porträt wurde von Mussolini offiziell anerkannt und in verschiedenen Materialien und Größen kommerziell vertrieben. | Dieter Scholz

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson