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Tiger, einem Regenschauer trotzend

Ident. Nr.: 2013-38

ObjID: obj:2417962

Sammlung Neumann-Ogando

Details (Expert)

Beteiligte
Kishi Ganryō 岸良 (1789 - 1852),
Künstler*in
Datierung
Edo (Tokugawa)-Zeit
1. Hälfte 19. Jh.
Geografische Bezüge
Japan,
Land
Material / Technik
Hängerolle, Tusche auf Seide
Abmessungen
Bildmaß: 100,5 x 36,8 cm

Objektbeschreibung

Der Maler lebte in Kyoto und stand so wie sein Onkel und Lehrer Ganku (1749–1838, Gründer der Kishi-Schule) in Diensten des Prinzen Arisugawa am Kaiserhof. Der Tiger, den Ganryō wie schon Ganku sehr oft malte, war einst in Ostasien als König der Bergtiere angesehen. Infolge seiner Zugehörigkeit zu den zwölf Tierkreiszeichen des zyklischen Kalenders ist er noch heute in ganz Ostasien tief in jedermanns Bewusstsein. Man pries seine Kraft und gewandte Beweglichkeit, mancher erhoffte sich gar mit seinem Abbild am Haustor nächtliche Damonen abschrecken zu können. Diese beeindruckende Raubkatze wurde jedoch während der Geschichte Chinas allmählich verdrängt und ausgerottet, in Japan gab es sie nie. Wie Raubvögel erfreuten sich aber auch Raubkatzen einiger Beliebtheit bei Auftraggebern der Elite. Die beiden Kishi-Maler haben diese Großkatze wohl nie lebend zu Gesicht bekommen. Legenden, chinesische Bilder, Felltrophäen und Hauskatzen waren für sie die einzigen zugänglichen Zeugnisse. Ihre Darstellungen des Fells ver-mitteln dennoch eine erstaunliche stoffliche Qualität und die Haltung der Tiere strahlen Macht und Dynamik aus.

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Museum für Asiatische Kunst

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Porträt von Munakata Shikō

Porträt von Munakata Shikō

Sekino Jun'ichirô gehört - ebenso wie der dargestellte Holzschnittmeister Munakata Shikô - zu den bekanntesten "Sôsaku hanga"-Künstlern, die mit Beginn des 20. Jahrhunderts den Holzdruck als künstlerisches Medium entdeckten, in Unabhängigkeit von kommerziellen Vorgaben durch Verlage. Obgleich zahlreiche Künstler der "Kreativen Druck-Gesellschaft" in westlichen Malereitechniken ausgebildet waren, gab ihnen das traditionell vertrautere Gebiet des Holzdrucks die gesuchten Möglichkeiten, ihren künstlerischen Willen authentisch umzusetzen. Das Berliner Porträt von Munakata Shikô (1903-1975) ist eine meisterliche Charakterisierung der von tiefem buddhistischen Glauben geprägten Persönlichkeit des 11 Jahre älteren Jugendfreundes und zugleich eine feinfühlige Hommage an dessen künstlerisches Werk. Wie ein Berg ragt der in einen Yukata gekleidete Oberkörper Munakatas in die Bildfläche hinein. Der ins rechte Halbprofil gewendete Kopf bildet die kompositorische Mitte. Im oberen Bildteil erscheint beinahe spiegelsymmetrisch eine Mandorla, in der zwei buddhistische Figuren, den Druckstock fast sprengend, erkennbar werden. Flammenschraffuren füllen den Bildraum zu beiden Seiten des Dargestellten. Äußerst geschickt baut Sekino eine tonale Abstufung auf. Körper und Gesichtszüge werden von kräftigen Umrißlinien und Schattierungen geprägt. Die dicken Brillengläser, tiefen Gesichtsfalten und das wirre Haar des Altmeisters stehen mit ihrer radikal realistischen Wirkung in starkem stilistischem Kontrast zur Bildsprache des Hintergrunds, die aus der Volkskunst (mingei) schöpft. Sekino zitiert hier inhaltlich und formal eines der frühen Hauptwerke von Munakata Shikô. Aus der Serie "Die Zehn Großen Schüler des Buddha" von 1939 sind Ubari, der die buddhistischen Klosterregeln kompilierte, und Furuna, der zum Hauptprediger von Buddhas Lehre wurde, zu erkennen. In Sekinos Porträt werden sie zu spirituellen Erscheinungen der einem Buddhawesen gleichenden einzigartigen Künstlerpersönlichkeit Munakatas. Indem Sekino seine Darstellung des bewunderten Lehrer-Freundes formal einem traditionellen Priesterporträt angleicht, betont er die geistige Kraft von Munakata und seine Vorbildrolle für die Sôsaku hanga-Bewegung. Möglicherweise spielt er hier auch auf den buddhistischen Ehrentitel "Auge des Gesetzes" (hôgen) an, der Munakata im Januar 1962 verliehen wurde. Sekino schuf bereits vor und während des Krieges hervorragende Zeichnungen und Holzschnitt-Porträts von Kabuki-Schauspielern und von Bunraku-Puppen, die er bei Vorführungen in der Iwasaki-Farbrik in Tôkyô zu sehen bekam. Berühmt sind auch seine Porträts von Künstlerkollegen wie Onchi Koshirô (1891-1955). Zum Drucken benutzte er überwiegend Katsura-Holz sowie handgeschöpftes Papier (torinoko), wie viele Künstler der Sôsaku hanga-Bewegung. Seine späteren Landschaften wie die 1959 begonnene und 1974 beendete Serie der "53 Stationen der Tôkaidô" zeichnen sich durch eine ruhige und poetische Bildsprache in Verbindung mit brillanter Technik aus. Typisch für Sekino ist auch die meisterhafte Einbeziehung der natürlichen Maserung des Holzes in die Komposition.

Bodhisattva Ksitigarbha (Jizō Bosatsu)

Bodhisattva Ksitigarbha (Jizō Bosatsu)

Das rechte Bein untergeschlagen und das linke locker auf einen Lotossockel stützend, sitzt der in jugendlicher Mönchsgestalt auftretende Jizō Bosatsu in lässiger Halblotossitzhaltung und erhabener Frontalansicht auf einem Lotosthron mit doppelt gestuftem Sockel. Die Attribute, das Mönchsgewand, das wunschgewährende Juwel und der für Wandermönche typische Rasselstab, weisen auf die jüngere Ikonographie des Jizō Bosatsu hin, die seit Beginn der Kamakura-Zeit (1185–1333) in Japan beliebt war. Mit dem Aufkommen des Buddhismus des Reinen Landes in Japan im 12. Jahrhundert stieg auch die Popularität des Jizō Bosatsu als eine der wichtigsten buddhistischen Gottheiten. Er galt als der einzige Bosatsu, der nach dem Eingang des historischen Shaka Butsu ins Nirvana und bis zur Erscheinung des zukünftigen Miroku Butsu in der physischen Welt geblieben ist, um den Seelen bei ihrem Durchgang der sechs Existenebenen als Helfer beizustehen. Besonders im japanischen Volksglauben genießt Jizō Bosatsu bis heute große Beliebtheit als Schutzgottheit der KInder, der Schwachen und Hilflosen sowie der Reisenden. Der Blütendekor des doppelgestuften Sockels sowie die Behandlung der Gewandmuster mit feiner Goldmalerei auf grünem und rotem Pigmentgrund haben ihre Vorbilder in der chinesischen Song-zeitlichen buddhistischen Malerei. Der subtile Gesichtsausdruck und die delikate Malerei mit Goldfabe sind charakteristisch für die sakrale Bildkunst der späten Kamakura-Zeit. [SM8HF]

Niedriger Tisch (oder Fußbank)

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Der niedrige Tisch mit floralem Dekor zählt zu den Meisterwerken chinesischer Schnitzlackarbeiten der frühen Ming-Zeit und stammt ohne Zweifel aus den kaiserlichen Werkstätten, wie zwei eng verwandte Stücke in der Sammlung des Pekinger Palastmuseums bezeugen. An der Wende zur Ming-Dynastie waren die beiden für ihre roten Schnitzlacke berühmtesten Lackmeister tätig, Zhang Cheng und Yang Mao. Sie legten die Grundlagen für eine grandiose Blüte dieser Kunst, die in der Ära Yongle (1403–1424) und Xuande (1426–1435) ihren Höhepunkt erreichte. Die Schnitzlackarbeit dieses niedrigen Tisches besticht durch den weich modellierten Schnitt der dicken Lackschicht und die kompositorische Eleganz des Dekors. Die Oberseite zeigt halb oder vollständig geöffnete Päonienblüten und Knospen unterschiedlicher Größe. Die Beine und Querverstrebungen sind außer mit Päonien auch mit Pflaumenblüten, Lotos und Chrysanthemen geschmückt. Fritz Löw-Beer (1906–1976), aus dessen Sammlung das Werk stammt, begann bereits in den 1920er Jahren, chinesische Lackarbeiten zu sammeln und konnte im Verlauf weniger Jahre eine umfangreiche Sammlung aufbauen. Er konnte sie nach einer Ausstellung in Amsterdam im Jahre 1938 bei seiner Emigration nach den Vereinigten Staaten mitführen und so in Sicherheit bringen. Während und nach dem Kriege vermehrte und verbesserte Löw-Beer die Sammlung. Der Großteil der Sammlung befindet sich heute im Stuttgarter Linden-Museum, das diese Bestände (186 Lackarbeiten) 1978 erwarb. Einzelne bedeutende Lackkunstwerke gingen zuvor bereits an das Museum of Fine Arts in Boston, das Victoria and Albert Museum und das British Museum in London. Im Jahr 1972 gelang der Erwerb des berühmten kaiserlichen Thronensembles und 1978 aus dem Nachlass der Erwerb des niedrigen Tisches für die Berliner Sammlung.