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Die Brüder bringen den Rock Josephs

Ident. Nr.: AE 469

ObjID: obj:2422354

Details (Expert)

Beteiligte
Entwurf: Georg Pencz (ca. 1500 - 1550),
Maler*in
Datierung
um 1545
Material / Technik
Glas, farblos; Schwarzlot, Silbergelb
Abmessungen
Höhe x Breite: 25,2 x 18 cm

Objektbeschreibung

Die Geschichte von Joseph, dem Stammvater der Israeliten, zählt zu den ergreifendsten Erzählungen des Alten Testaments, schildert sie doch mit seinem tiefen Fall und jähen Aufstieg, seiner Wandlung vom verwöhnten Lieblingssohn zum klugen Verwalter Ägyptens ein Schicksal, wie es symbolisch die Figur des Glücksrads verkörpert. Darstellungen der Josephsgeschichte, wegen ihres moralischen Gehalts vielseitig verwendbar, begegnen das gesamte Mittelalter hindurch, seit Beginn des 16. Jahrhunderts zunehmend auch im profanen Bereich. Mit der Episode vom blutigen Rock endet Josephs Jugend in Hebron. Die lange schon schwelende Eifersucht der Brüder hatte sich durch das kostbare Gewand, das ihm der Vater schenkte, in Hass verwandelt und sie beschlossen zunächst, Joseph zu töten, gaben sich aber auf Einspruch des Ältesten Ruben damit
zufrieden, ihn nur aus dem Weg zu räumen. Eine Gelegenheit dazu bot sich, als Jakob Rahels Ältesten nach Sichem schickte, um nach seinen Brüdern und den Herden zu sehen: sie warfen ihn in einen Brunnen und verkauften ihn dann an zufällig vorbeiziehende Ismaeliten. Sein Kleid tränkten sie mit dem Blut eines Ziegenbocks und berichteten Jakob, er sei von wilden Tieren zerrissen worden (Gen 37,31–35).
Die Szene ist anschaulich ins Bild gesetzt. In Erzählrichtung von links, das blutige Kleid in Händen, treten die drei ältesten Söhne vor den Patriarchen hin. Jakob, der sofort erfasst hat, was geschehen ist, trocknet die hervorquellenden Tränen mit einem Zipfel seines Gewandes und scheint gar nicht zu merken, dass sein Kebsweib Bilha ihn zu trösten versucht. Die durch ein Podest erhöhte Thronbank sowie die palastartige Architektur des Hauses entsprechen der Vorstellung vom hohen Rang des Erzvaters, während durch das große Fenster der Blick auf vorüberziehenden Wolken fällt und eine Vorstellung von der Weite der Landschaft vermittelt.
Wegen der kraftvoll klaren Modellierung und der bräunlich getönten Architektur wurde in dem Glasgemälde ein typisches Werk der Nürnberger Frührenaissance erkannt, das nach einem Entwurf von Georg Pencz (um 1500 - 1550) ausgeführt worden sei. Dessen OEuvre ist erstaunlich
vielfältig, es umfasst Wand- und Tafelgemälde, Holz- und Kupferstiche und bringt neben volkstümlichen Darstellungen und Portraits auch traditionelle religiöse Motive sowie Themen aus der antiken Mythologie zur Anschauung. Von seinen Zeichnungen kennt man nur wenige, ihre Zuschreibung ist zudem mangels stilkritischer Untersuchungen oft unsicher. Unter seinen Kupferstichen findet sich auch eine Folge mit vier Ereignissen aus dem Leben Josephs. Sie schildern, wie Joseph seine Träume erzählt, in den Brunnen geworfen, an die Ismaeliten verkauft und von Potiphars Frau versucht wird. Ob die Serie ursprünglich umfangreicher war, ist zwar nicht bekannt, aber naheliegend angesichts dessen, dass das Glasbild eine Vorlage daraus zu kopieren scheint. Jedenfalls lässt die Auswahl der Szenen vermuten, dass die Überbringung des blutigen Rocks auch dazu gehört haben könnte. Unterstützt wird diese Vermutung durch die Ikonographie des Glasgemäldes, die den Vater in nahezu demselben Ambiente und die drei älteren Söhne mit den gleichen Kopfbedeckungen wie auf den Blättern mit der Traumerzählung und mit dem Verkauf Josephs zeigt. Auffällig ist insbesondere der steife hohe Filzhut von Ruben, der selbst überdies jedesmal als Rückenfigur ins Bild schreitet. Die Übereinstimmungen – bei zyklischen Erzählungen ein traditionelles Mittel für die Wiedererkennbarkeit der Figuren – lassen es sogar als möglich erscheinen, dass der
Darstellung der entsprechende Stich als Vorlage diente. Vielleicht war ja auch die Scheibe selbst ebenso wie die Stiche Teil einer Serie.
CVMA 98772

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Rastender Herkules (Modellnummer 382)

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Konfektschale auf drei Schildhaltern mit Hirsch im Gehege aus dem Lüneburger Ratssilber

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Fußgestell, Zinnenring (an der Schale) und Figuren gegossen. Fußgestell außen, Schilde, Schalenrand, Fond, Kranz, Sockelmitte mit Zaun und Hirsch vergoldet, der Hügel mit Resten grünen, transluziden Emails. Tragefiguren durch einen Zinnenring verbunden, der an eine Manschette gelötet ist. Auf dieser sitzt die Schale, gehalten von einem Zungenkranz. - Eine Frucht im aufgelegten Blattkranz der Schale und Geweih des Hirsches verloren.Das Gerät lehnt sich im Aufbau an die Evangelisten- und die Kirchenväterschale (Inv. Nr. 1874, 394 und 1874, 393) an. Die tragenden Schildhalter sind nach einem Modell gegossen. Im Fond der tiefen Schale getriebenes Geäst mit Blättern und Früchten (Feigen?). Im Zentrum ein Hügel mit liegendem Hirsch, umgeben von einem Flechtzaun mit überdachtem Tor und Vorhängeschloß. Aufgelegt ein Kranz aus Blättern und Früchten und vier Wappen.Eines der Wappen dürfte das des Besitzers sein, des Ratsherren Johannes junior von dem Lohe, der 1468 Sülfmeister und 1480 Kämmerer wurde (gest. 1482). Das zweite Wappen von dem Lohe verweist im Verein mit dem der Godenstede auf die Eltern, Johannes von dem Lohe (gest. 1471) und dessen erste Frau Gesche von Godenstede, das vierte Wappen ist das der Großmutter mütterlicherseits Tibbecke von Töbing, die seit 1466 Witwe war. Wie die Kämmereirechnungen verzeichnen, kam die Schale 1482 aus dem Nachlaß des Johannes von dem Lohe auf das Rathaus: "Hr. Johan vam lo 129m 9s hyrto noch syne beste suluere schale de quam vpp dat Radthus vnd wogh." Kurz wird sie im Inventar von 1555/56 erwähnt: "Ein grote sulueren schale her Johan van Loess."