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Drei Parzen

Ident. Nr.: AE 470

ObjID: obj:2437186

Details (Expert)

Datierung
nach 1524
Material / Technik
Glas, farblos; Silbergelb, Schwarzlot, Braunlot
Abmessungen
Durchmesser: 25,7 cm

Objektbeschreibung

Inschrift umlaufend: LANIFICAS NVLLI · TRES · EXORARE · PVELLAS : CONTIGIT · OBSERVANT · QVEM STATVERE · DIEM; über den Parzen: LACHESIS · ATROPOS · CLOTO.
Die drei Parzen befinden sich in einer antik anmutenden Architektur und spinnen, halten und schneiden gemäß ihrer seit der Antike überlieferten Tradition einen Lebensfaden. Die rechts sitzende Klotho, die „Spinnende“, zieht die Fasern aus dem großen Rocken, die links sitzende Lachesis, die „Losung“, spinnt den Faden, und die stehende Atropos, die „Unabwendbare“, schneidet diesen ab. Die einander zugewandten Klotho und Lachesis schauen sich an, haben die Beine in unterschiedlicher Stellung vorgestreckt und zeigen auch mit den nach innen gehobenen und nach außen gesenkten Armen eine annähernd symmetrische Körperhaltung. Die im Kontrapost zwischen ihnen stehende Atropos schaut herab auf den Faden, den sie mit der Linken hält, und hebt mit der Rechten die Schere; sie steht mit den anderen Parzen durch Überschneidungen in der Bildfläche und nicht zuletzt durch die Berührung der Füße in Verbindung. Die Architektur des Innenraums besteht aus einem zentral gesetzten, großen, rechteckigen Fenster, das von zwei Rundstützen auf Podesten gerahmt wird, einer in die Fensternische einspringenden Bank, auf der Klotho und
Lachesis sitzen, und einem perspektivisch ansteigenden Boden; hinter dem Fenster befindet sich keine Landschaft.
Auf weißes Glas ist die Darstellung mit Schwarzund Braunlot sowie mit Silbergelb gemalt. Dabei sind beide für Linien bei Konturen wie in gestupfter Weise zur Modellierung von Schatten und plastischen Bildgegenständen eingesetzt. In die gestupften Flächen sind Punktlichter gekratzt, helle Fläche mit sanften Übergängen frei gewischt. Braunlot begegnet in einem dunkleren Ton bei den Figuren und in einer rötlichen Tönung an den Säulen. Mit Schwarzlot sind die Inschriften geschrieben. Durch Silbergelb sind Einzelheiten wie Boden, Bank, Haare und Rockenstab ausgezeichnet wie hiermit auch die Inschrift hinterlegt ist.
CVMA 98718

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Konfektschale auf drei Schildhaltern mit Hirsch im Gehege aus dem Lüneburger Ratssilber

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Fußgestell, Zinnenring (an der Schale) und Figuren gegossen. Fußgestell außen, Schilde, Schalenrand, Fond, Kranz, Sockelmitte mit Zaun und Hirsch vergoldet, der Hügel mit Resten grünen, transluziden Emails. Tragefiguren durch einen Zinnenring verbunden, der an eine Manschette gelötet ist. Auf dieser sitzt die Schale, gehalten von einem Zungenkranz. - Eine Frucht im aufgelegten Blattkranz der Schale und Geweih des Hirsches verloren.Das Gerät lehnt sich im Aufbau an die Evangelisten- und die Kirchenväterschale (Inv. Nr. 1874, 394 und 1874, 393) an. Die tragenden Schildhalter sind nach einem Modell gegossen. Im Fond der tiefen Schale getriebenes Geäst mit Blättern und Früchten (Feigen?). Im Zentrum ein Hügel mit liegendem Hirsch, umgeben von einem Flechtzaun mit überdachtem Tor und Vorhängeschloß. Aufgelegt ein Kranz aus Blättern und Früchten und vier Wappen.Eines der Wappen dürfte das des Besitzers sein, des Ratsherren Johannes junior von dem Lohe, der 1468 Sülfmeister und 1480 Kämmerer wurde (gest. 1482). Das zweite Wappen von dem Lohe verweist im Verein mit dem der Godenstede auf die Eltern, Johannes von dem Lohe (gest. 1471) und dessen erste Frau Gesche von Godenstede, das vierte Wappen ist das der Großmutter mütterlicherseits Tibbecke von Töbing, die seit 1466 Witwe war. Wie die Kämmereirechnungen verzeichnen, kam die Schale 1482 aus dem Nachlaß des Johannes von dem Lohe auf das Rathaus: "Hr. Johan vam lo 129m 9s hyrto noch syne beste suluere schale de quam vpp dat Radthus vnd wogh." Kurz wird sie im Inventar von 1555/56 erwähnt: "Ein grote sulueren schale her Johan van Loess."

Les Iris ("Toutes les âmes sont prêtes...")

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"Je nach Lichteinfall entwickelt die Vase ganz unterschiedliche Farbwirkungen, die von glühendem Orange-Rot über tiefdunkles Violett bis hin zu bernsteinfarbenen Brauntönen reichen. Iris- bzw. Schwertlilienpflanzen überziehen in asymmetrischer, lockerer Reihung die gesamte Wandung. In einem aufwändigen Verfahren wurden verschiedene Farbglasschichten in warmem Zustand überfangen und nach dem Erkalten des Glases partienweise, in unterschiedlicher Stärke, ausgeschliffen, so dass die jeweils darunterliegende Farbschicht durchscheint. Erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist die feine Gravur auf der Vasenschulter, die sich umlaufend zwischen Blätter und Blüten verteilt. Sie gibt ein Zitat des belgischen Dichters Maurice Maeterlinck (1862–1949) wieder, einem prominenten Vertreter des Symbolismus: „Toutes les âmes sont prêtes, il faut cependant [que] l’une d’elles commence, pourquoi ne pas oser, être l’une qui commence“. Die genaue Botschaft bleibt rätselhaft und der Empfänglichkeit der Betrachter überlassen. Ist unsere Seele die eine bereite Seele, die es wagt zu beginnen?Schöpfer der Vase war Émile Gallé (1846–1904). Mit seinen „vases parlants“, den sprechenden Vasen, verstand er es virtuos, Naturmotive in der Materialsprache des Glases auszudrücken und symbolisch zu überhöhen. Inspirieren ließ er sich dabei von sino-japanischen Vorbildern, darunter chinesischen Glasvasen, von denen sich Beispiele im Berliner Kunstgewerbemuseum befanden. 1885 war Gallé eigens nach Berlin gekommen, um zwei Wochen lang die damals gerade neu erworbenen chinesischen Gläser aus der Sammlung des preußischen Diplomaten Max von Brandt im Kunstgewerbemuseum zu studieren." (Claudia Kanowski, in: Details! 100 Lieblingswerke im Kunstgewerbemuseum, Dresden, Berlin 2018, S. 180f.)ClKa