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Lots Töchter

Ident. Nr.: B UHP 50/13

ObjID: obj:2457854

Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin 2010
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Max Ernst (1891 - 1976),
Künstler*in
Datierung
um 1941
Weitere Titel
Sammlungstitel: Lots Töchter
Übersetzung: Lot's Daughters
Provenienz
Erwerbungsart ungeklärt: William und Doris Copley bzw. Doris Copley (wiederverh. Starrels), Beverly Hills, CA,
spätestens 1949-vermutlich mindestens 1971
Erwerbungsart ungeklärt: Felix Landau,
vermutlich nach 1971-1999
Kauf: Ulla und Heiner Pietzsch,
1999-2010
Material / Technik
Öl auf Pappe
Abmessungen
Höhe x Breite: 33,5 x 28,5 cm
Erwerbung
2010 Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin

Objektbeschreibung

Obwohl die Nationalsozialisten seine Kunst als „entartet“ gebrandmarkt hatten und er bereits seit 1922 in Frankreich ansässig war, wurde Ernst 1939 und 1940 wiederholt als „feindlicher Ausländer“ verhaftet und interniert. Seine Beziehung zu der Künstlerin Leonora Carrington zerbrach. Im Sommer 1941 gelang es ihm, mit seiner Gönnerin Peggy Guggenheim in die USA zu fliehen, wo er sie Ende des Jahres heiratete. Die Ehe war nur von kurzer Dauer: Bereits im darauffolgenden Jahr verließ er seine Frau, um mit Dorothea Tanning zusammenzuziehen. „Lots Töchter“ gehört zu einer Reihe von Gemälden, in denen sich Ernst mit der europäischen Katastrophe, die zugleich seine eigene war, auseinandergesetzt hat. Laut der biblischen Geschichte waren es die beiden Töchter Lots, die – nach der Flucht aus dem von Gott zerstörten Sodom und Lots Verlust seiner Ehefrau, die zur Salzsäule erstarrt war, als sie gegen Gottes Willen auf die brennende Stadt zurückgeblickt hatte –ihren wehrlosen Vater verführten, um die Nachfolge ihres Stammes zu sichern. Es ist der Moment eines grauenvollen Neuanfangs, den Ernst zum Thema des Gemäldes gemacht hat: Lot erscheint darin als leichengrüne Figur mit gesenktem Haupt. In der Dunkelheit eines Zeltes nähert sich ihm eine der beiden Töchter. Ihr Körper ist ein einziger länglicher Fetzen aus sehnigem Fleisch. Vor dem Zelt schält sich die zweite Tochter aus ihrem blutig-feurigen Kleid. Zu ihren Füßen liegt der Kopf eines ascheschwarzen Puttos. | Kyllikki Zacharias

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson