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Der erste barbarische Schiffbrüchige: „Stoß zu, mein Kind, denn Du bis das selige Kind …“, Illustrationsvorlage für den Collagenroman „Das Karmelienmädchen“

Ident. Nr.: B UHP 45/13

ObjID: obj:2457862

Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin 2010
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Max Ernst (1891 - 1976),
Künstler*in
Datierung
1929/1930
Weitere Titel
Sammlungstitel: Der erste barbarische Schiffbrüchige: „Stoß zu, mein Kind, denn Du bis das selige Kind …“, Illustrationsvorlage für den Collagenroman „Das Karmelienmädchen“
Originaltitel: Le premier naufragé barbare: »Frappez, mon enfant, car vous êtes la petite sainte...« Modèle d'illustration pour le roman collage «Das Kamelienmädchen «
Übersetzung: The First Barbarian Castaway: „Strike, my child, for you are the little saint...", draft of an illustration for the collage novel "Das Karmelienmädchen"
Provenienz
Erwerbungsart ungeklärt: Pierre Gaspard Lévy,
bis 1931
Kauf: Julien Levy Gallery, New York / Julien Levy, Bridgewater, Connecticut,
ab 1931
Erwerbungsart ungeklärt: Galleria Arturo Schwarz,
ab vermutlich spätestens 1964
Kauf (?): Ernst O. E. Fischer, Krefeld,
vermutlich 1973 bis mindestens 1979
Kauf (?): Privatsammlung, München,
ab spätestens 1997
Kauf: Sammlung Ulla und Heiner Pietsch,
2008 bis 2010
Abmessungen
Höhe x Breite: 14,5 x 17,8 cm
Höhe x Breite: 20,5 x 29,1 cm
Erwerbung
2010 Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin

Objektbeschreibung

Die beiden Blätter der Nationalgalerie (Schenkung Pietzsch) dienten als Vorlage für den zweiten von insgesamt drei Collagenromanen, die Ernst zwischen 1929 und 1934 schuf. Das von ihm erfundene Genre basiert auf Ausschnitten aus dem Fundus der bürgerlichen Bilderwelt des 19. Jahrhunderts. Ernst fand sie in illustrierten Zeitschriften und wissenschaftlichen Publikationen. Mit Schere und Skalpell präparierte er aus ihnen das Arsenal seiner „Romane“ heraus und führte durch gezielte Eingriffe die klischeehaften Idealvorstellungen von Familie, Religion und Vaterland ad absurdum. Indem er beispielsweise zwei Akte und drei kopfähnliche Kugeln in das Schlafgemach eines jungen Paares versetzte, sie mit einem grotesk-pathetischen Dialog versah, zog Ernst die gesamte Situation ins Lächerliche – und verzichtete bewusst darauf, ihre Rätselhaftigkeit aufzulösen. Die Quellen seiner Bild-Expeditionen verriet er nur ungern, ähnlich wie die mit bloßem Auge oftmals kaum zu erkennenden Schnittstellen. So kann man häufig – wie in „Der erste barbarische Schiffbrüchige […]“ – nur an den unterschiedlichen Papierfarben der Originalvorlagen sehen, wo der Künstler Hand angelegt hat. | Kyllikki Zacharias

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson