Logo

Femme assise

Ident. Nr.: B UHP 113/13

ObjID: obj:2457983

Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin 2010
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Joan Miró (1893 - 1983),
Künstler*in
Datierung
1935
Weitere Titel
Sammlungstitel: Femme assise
Sitzende Frau
Übersetzung: Seated Woman
Provenienz
Kauf (?): Galerie Pierre,
vermutlich ab 1935
Erwerbungsart ungeklärt: Kunsthandel,
bis 1981
Auktion: Sotheby's,
1981
Kauf: Waddington Galleries, London,
1981
Kauf: Ulla und Heiner Pietzsch,
1981-2010
Abmessungen
Höhe x Breite: 37,2 x 30,3 cm
Erwerbung
2010 Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin

Objektbeschreibung

Die nach links gewandte weibliche Figur mit überlangem Hals sitzt als schwarze Umrisszeichnung vor einem in lichten Tönen lasierten Fond; die Farbe ballt sich in den freien Räumen rechts und links des Halses wie Himmelskörper zu einem roten und zwei blauen Pigmentflecken, die schwarzen Spritzer verdichten sich zu Füßen der Figur unten links. Das rote, von einem schwarzen Kopftuch umrahmte Gesicht der Frau ragt unnatürlich weit vor, die nach hinten abstehenden Haare und eine Art rote Feder verleihen dem Kopf etwas Vogelhaftes. Die monströs gebildeten Hände an keulenartigen Unterarmen liegen wie eigenständige Körper auf dem von einer schwarzen Schürze verdeckten Schoß und halten ein rotes phallisches Objekt umklammert. Das Motiv lässt sich in den Zusammenhang der „Bauernmahlzeit“ einordnen, ein Thema, das Miró 1925 und 1935 in zwei Gemälden ausarbeitete (WVZ Dupin 1999/2000, 117, 489). Die „Sitzende Frau“ entstand zwei Tage nach dem „Mann mit Pfeife“ (WVZ Dupin 2008, 498), der in den Gemälden von 1925 und 1935 gemeinsam mit seiner Frau am Mittagstisch sitzt. Anders als der Raucher, dessen Körper weiß eingefärbt ist, bleiben die Konturen der Sitzenden unausgefüllt, wodurch hier nicht nur Linie und Farbe, sondern auch Körper und Raum in ein paradoxal gespanntes Verhältnis treten. Ein dritter programmatischer Gegensatz ist jener, den die drei markanten vertikalen schwarzen Akzente unten und der sich zum schwebenden Flugmotiv verselbstständigende Kopf im oberen Teil des Blattes bilden. | Oliver Seifert

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson