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Oiseau lunaire

Ident. Nr.: B UHP 117/13

ObjID: obj:2457992

Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin 2010
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Joan Miró (1893 - 1983),
Künstler*in
Datierung
1944-1946
Weitere Titel
Sammlungstitel: Oiseau lunaire
Mondvogel
Übersetzung: Moon Bird
Provenienz
Pierre Matisse Gallery, New York,
400866
Privatsammlung New York,
400867
Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch, Berlin,
17.12.2010
Material / Technik
Modell, Bronze, schwarz bemalt
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 19 x 17,5 x 12,5 cm
Erwerbung
2010 Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin

Objektbeschreibung

Der „Mondvogel“ ist als Gegenstück zum „Sonnenvogel“ konzipiert. Während der „Sonnenvogel“ von 1946 (WVZ Fernández Miró / Ortega Chapel 2006, 29), die erste Bronze Mirós überhaupt, grundsätzlich eine horizontal schwebende Walze (Phallus) darstellt, ist der „Mondvogel“ aus mehreren mondsichel- oder hornförmigen Gebilden zusammengesetzt. Sein Körper ist ein Bogen, dessen Hornspitzen abgeschnitten sind; Schwanz, Flügel, Schnabel, ja selbst die Augen bestehen aus solchen abgeschnittenen Hornspitzen. Aus der wiederholten Addition und Teilung dieses einzigen geometrischen Grundelements, das in sich selbst schon nicht statisch ist, sondern in der Dicke ständig zu- und abnimmt und dessen Achse stets von der Geraden abweicht, entsteht ein in allen Raumebenen sich entwickelnder, komplex verzweigter Organismus. Traditionell ist das zu- und ab- und wieder zunehmende Nachtgestirn mit dem Leben verbunden, und zwar in doppelter Hinsicht: sowohl mit seiner weiblichen (Monatsblutung) als auch mit seiner männlichen Seite (Hörner des Himmelsstiers). Diese mythischen Bezüge spielen auch beim „Mondvogel“ eine Rolle. Hinzu kommt das im Gesamtwerk Mirós so zentrale Motiv des Vogels. Ei, Flug und Gesang sind archetypische Metaphern für das Leben und das schöpferische Hervorbringen der Kunst. Miró hat den „Mondvogel“ in zahlreichen Materialien und Größen wiederholt. Eine Version stiftete er 1977 der Stadt Paris, wo sie auf dem Platz des nicht mehr existierenden Hauses in der Rue Blomet 42 steht, in dem er sein erstes Atelier hatte (Square de l’Oiseau lunaire). | Oliver Seifert

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson