Logo

Collage - Peinture

Ident. Nr.: B UHP 111/13

ObjID: obj:2457994

Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin 2010
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Joan Miró (1893 - 1983),
Künstler*in
Datierung
1934
Weitere Titel
Sammlungstitel: Collage - Peinture
Collage - Malerei
Übersetzung: Collage - Painting
Provenienz
Kauf: vermutlich Galerie Pierre, Paris oder Pierre Matisse Gallery, New York,
ab 1934
Erwerbungsart ungeklärt: Rose Fried Gallery,
ab spätestens 1956
Auktion: Sotheby's ,
19.11.1986
Kauf: Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch,
1986-2010
Abmessungen
Höhe x Breite: 36,2 x 23,3 cm
Erwerbung
2010 Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin

Objektbeschreibung

Nachdem Miró 1929/1930 in „eine Krise des Ausdrucks und des schöpferischen Bewußtseins, die seinen Glauben an seine Malerei, sein Vertrauen zu ihr in Frage stellte“ (Jacques Dupin, Miró. Leben und Werk, Köln 1961, S. 189) gefallen war, experimentierte er mit neuen Techniken und unterschiedlichen Materialen: 1930 bis 1932 entstanden die „Konstruktionen“, die weder als Skulpturen noch als Objekte zu verstehen sind, und die „Peintures-Objets“, Bilder, in denen der Künstler Farbe und Fundstücke auf der Bildfläche zusammenbrachte. Zudem erkundete er das Potenzial neuer Bildträger, darunter Reispapier, Wellpappe, Zeitungs- und schwarzes Papier, aber auch Sandpapier wie in den „Collages-Peintures“. Im Dezember 1933 schuf Miró zunächst sechs kleine Gemälde mit Öl auf Sandpapier, bevor im September 1934 eine Serie von circa 17 Bildern, darunter die beiden vorliegenden, mit einer reduzierten Farbpalette aus Hellbraun, Weiß und Schwarz folgte, auf denen er Öl, Bleistift und weißes Papier auf Sandpapier aufbrachte. In ihnen verflechten sich stilisierte, ausgeschnittene, gemalte und gezeichnete mensch- und tierförmige sowie hybride Formen. Besonders daran ist die kühne Gegenüberstellung des körnigen Sandpapiers und des glatten weißen Papiers – ihre anfängliche Spannung wird durch die schwungvollen, fließenden Bleistiftlinien und Ölstriche aufgelöst, was die kontrastierenden Flächen miteinander verbindet. Während die schwarzen Formen, in Öl abwechselnd als gefüllte und durchsichtige Partien auf das glitzernde Sandpapier gemalt, kräftig und schwer wirken, mutet der Bleistiftstrich auf dem weißen Papier schnell und geschmeidig an. Er geht nahtlos in die schwebenden Silhouetten der Figuren über, man erkennt Augen, Gesichter, Beine, Füße und immer wieder Brüste, Nabel und Embryos. Es entsteht eine ursprüngliche Welt aus hybriden und mutierenden Wesen, die natürlich zu wachsen scheint und sich in ihren verschlungenen Formen zu einem harmonischen Ganzen vereint. | Francisca Cruz

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson