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Ohne Titel

Ident. Nr.: B UHP 27/13

ObjID: obj:2458047

Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin 2010
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Joseph Cornell (1903 - 1972),
Künstler*in
Datierung
um 1930
Weitere Titel
Sammlungstitel: Ohne Titel
Übersetzung: Untitled
Provenienz
Besitz des Künstlers,
um 1930-1972
Nachlass/Vermächtnis: Nachfahren des Künstlers,
1972-vermutlich 1984
Nachlass/Vermächtnis: The Joseph and Robert Cornell Memorial Foundation,
vermutlich 1984-2008
Kauf: Ulla und Heiner Pietzsch,
2008-2010
Material / Technik
Collage auf Papier
Abmessungen
Höhe x Breite: 18 x 13,2 cm
Erwerbung
2010 Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin

Objektbeschreibung

Kupferstiche aus dem 19. Jahrhundert und Illustrationen zu viktorianischen Novellen oder aus populären Wissenschaftsmagazinen waren die Grundlagen für Cornells ab circa 1930 entstandene Collagen. Der künstlerische Autodidakt hatte seit Anfang der 1920er-Jahre einen großen Fundus an Material zusammengetragen, das er auf seinen Streifzügen durch die Antiquitäten- und Buchläden New Yorks entdeckt hatte. Etwa 120 solcher Collagen schuf der US-Amerikaner in den 1930er-Jahren. Die vorliegende zeigt eine Frau vor einer zerklüfteten Küstenlandschaft, die – an Hals und Bauch angekettet – an einem Pfahl lehnt, den hohe Flammen umlodern. Unheilschwer nähern sich Raben über dem stillen Meer, am linken Ufer liegt ein verlassenes Boot. Die Frau selbst wirkt ruhig und gefasst. Auf dem Kopf trägt sie eine mit einem Dämon versehene Haube. Ist sie, wie die Raben vermuten lassen, eine Hexe – oder eine Märtyrerin, die ihr Schicksal gelassen hinnimmt? Wie die Szenerie zusammengesetzt ist, lässt sich schwer erkennen und noch schwerer deuten. Cornells Blatt erinnert an Max Ernsts Collagenroman „La Femme 100 têtes“ (Die hundertköpfige/kopflose Frau, 1929), allerdings ohne die provokant erotischen Bezüge. In der Tat war Cornell ab Mitte der 1920er-Jahre auf die Pariser Surrealisten aufmerksam geworden. Im Januar 1932 stellte er erstmals gemeinsam mit ihnen auf deren erster Übersichtsschau in der New Yorker Galerie von Julien Levy aus. Dort trat er jedoch nicht mit seinen Collagen hervor, sondern mit kleinen verglasten Boxen, in denen er das poetische Spiel mit Grafiken, Zeitungsausschnitten und Fundstücken ins Dreidimensionale übersetzte. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson