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Ohne Titel

Ident. Nr.: B UHP 155/13

ObjID: obj:2458121

Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin 2010
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Yves Tanguy (1900 - 1955),
Künstler*in
Datierung
1943
Weitere Titel
Sammlungstitel: Ohne Titel
Übersetzung: Untitled
Originaltitel: Sans titre
Provenienz
Erwerbungsart ungeklärt: Pierre Matise Gallery,
bis mindestens 1986
Kauf: Kazumasa Katsuta, Tokio,
bis 2001
Auktion: Christie’s,
10.5.2001
Kauf: The Mayor Gallery,
2001-2006
Kauf: David Tunkl, Los Angeles,
ab 2006
Erwerbungsart ungeklärt: Privatsammlung,
bis 2006
Kauf: Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch,
2006-2010
Material / Technik
Gouache auf Papier
Abmessungen
Höhe x Breite: 15,4 x 27,4 cm
Erwerbung
2010 Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin

Objektbeschreibung

Tanguy gehörte 1939 zu den ersten Surrealisten, die auf der Flucht vor dem sich in Europa durch Krieg und Okkupation ausbreitenden Nationalsozialismus in die USA emigrierten. Mit der amerikanischen Malerin Kay Sage, seiner späteren Ehefrau, ließ er sich zunächst in Woodbury, Connecticut, nieder, wo er bis zu seinem frühen Lebensende blieb. Einem seiner selten gegebenen Interviews zufolge haben die neuen Umstände so gut wie keine Spuren im Werk des Künstlers hinterlassen – allenfalls eine farbliche Intensivierung und das Gefühl einer größeren Weite könne er selbst feststellen (Yves Tanguy. Retrospektive 1925–1955, Ausst.-Kat. Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, 1982, S. 112). Gleichwohl lassen sich noch andere Veränderungen erkennen: Die zuvor eher natürlich wirkenden Bildgegenstände nahmen nun einen technoiden und künstlichen Charakter an; frühere embryonale, in Wandlung begriffene Formen (vgl. etwa „Ohne Titel [Einige Herren]“) machten einer endzeitlichen Stimmung Platz. So zeigt das 1942, während in Europa der Zweite Weltkriegt tobte, geschaffene Gemälde „Die Unterwarteten II“ im Vordergrund einen metallisch wirkenden, krallenartig spitzen Gegenstand; in der ein Jahr später entstandenen Gouache „Ohne Titel“ (alle Nationalgalerie, Schenkung Pietzsch) tauchen im Hintergrund eckige Formen auf, die an Kriegsruinen erinnern. | Kyllikki Zacharias

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson