Logo

Ohne Titel

Ident. Nr.: B UHP 141/13

ObjID: obj:2458294

Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin 2010
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Mark Rothko (1903 - 1970),
Künstler*in
Datierung
1940
Weitere Titel
Sammlungstitel: Ohne Titel
Übersetzung: Untitled
Provenienz
im Besitz/Nachlass des Künstlers,
1940-1981
Kommission: The Pace Gallery,
1981
Kauf: Privatsammlung, Oregon,
1981-1987
Kommission: Sigrid Freundorfer Fine Art,
1987
Kauf: Galerie Folker Skulima,
1987-1988
Kauf: Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch, Berlin,
1988-2010
Abmessungen
Höhe x Breite: 52,6 x 37,7 cm
Erwerbung
2010 Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin

Objektbeschreibung

Eine zeichenhaft, unproportioniert dargestellte weibliche Figur mit gespreizten Beinen steht in einem nicht näher definierten, mit lasierenden Wasserfarben kolorierten Raum. Weitere nur strichartig angedeutete Figuren und Köpfe sowie amorphe Formen umgeben sie oder scheinen aus ihr herauszuwachsen. Es ist eine surreal anmutende Situation, die wie eine Visualisierung von Gedanken wirkt. Das Blatt entstand an einem Wendepunkt in Rothkos Schaffen. Nachdem die Bilder des 1913 mit seinen Eltern aus Russland eingewanderten Marcus Rothkowitz in den späten 1920er- und den 1930er-Jahren vor allem durch expressiv-figurative Straßenszenen und Personendarstellungen bestimmt gewesen waren, begann der Maler sich Anfang der 1940er-Jahre zunehmend mit dem Unbewussten und mythologischen Themen auseinanderzusetzen. In Letzteren sah er Metaphern, moderne Antworten auf die wiederkehrenden Zyklen menschlicher Tragödien, wie er gemeinsam mit seinem Künstlerkollegen Adolph Gottlieb in einem offenen Brief an die „New York Times“ darlegte (abgedruckt in: Edward Alden Jewell, The Realm of Art. A New Platform: „Globalism“ Pops into View, in: The New York Times, 7.6.1943). Während viele Gemälde Rothkos vom Anfang der 1940er-Jahre noch figurativ sind, weist das vorliegende Aquarell bereits auf die zunehmende Lösung vom Gegenstand hin. Diese mündete 1947 in offene Strukturen und leuchtende Farbflächen, die den Künstler zu einem der Hauptvertreter des abstrakten Expressionismus und Vorreiter der Farbfeldmalerei werden ließen. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson