Logo

Growth and Form

Ident. Nr.: B UHP 82/13

ObjID: obj:2463706

Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin 2010
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Gerome Kamrowski (1914 - 2004),
Künstler*in
Datierung
1943-1987
Weitere Titel
Sammlungstitel: Growth and Form
Wachstum und Form
Provenienz
Nachlass des Künstlers,
402405
Washburn Gallery, New York,
402406
Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch, Berlin,
17.12.2010
Abmessungen
Höhe x Breite: 51,4 x 48,1 cm
Erwerbung
2010 Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin

Objektbeschreibung

Wie Schachteln hat Kamrowski 1943 seine beiden kleinformatigen Collagen „Vögel“ und „Wachstum und Form“ (B UHP 81/13, B UHP 82/13) aufgebaut. Der Künstler kombinierte in ihnen (mikro-)biologische Formen und andere naturwissenschaftliche Motivik. So scheinen unter den amorphen Öffnungen der beiden Arbeiten Teile von Röntgenbildern sowie Zeichnungen von Tieren und Pflanzen hervor, die grafisch auf der oberen Ebene weitergeführt oder verbunden werden. Während auf der Collage „Vögel“ Fragmente von durch Röntgenstrahlen durchleuchteten Vögeln und Kristalle in den Löchern sichtbar sind, hat sich Kamrowski in „Wachstum und Form“ an D’Arcy Wentworth Thompsons gleichnamiges Buch „On Growth and Form“ von 1917 angelehnt, in dem dieser den Einfluss von Mathematik, Physik und Mechanik auf die Form und Struktur von Lebewesen analysiert. In seiner Collage kombinierte der Künstler Ausschnitte von Schädeln, Muscheln und anderen Organismen, die aus den ovalen Öffnungen des aufgelegten Kartons hervorscheinen, und verband diese – ähnlich einem Diagramm – mit durchgezogenen oder gestrichelten weißen Linien. Die beiden Collagen sprechen von Bewegung und Veränderung, sie erzählen von Wachstum, Verfall und biologischer Transformation. Gleichzeitig erwecken sie den Eindruck eines kosmischen Rhythmus, der das gesamte Leben und die Evolution zusammenhält. Inspiriert sind die Arbeiten von Dioramen, die Kamrowski während eines gemeinsamen Besuchs mit dem Künstlerkollegen William Baziotes im Museum of Natural History in New York gesehen hatte. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson