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Ohne Titel (Cadavre Exquis)

Ident. Nr.: B UHP 19/13

ObjID: obj:2464221

Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin 2010
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Tristan Tzara (1896 - 1963),
Künstler*in
Paul Éluard (1895 - 1952),
Künstler*in
Nusch Éluard (1906 - 1946),
Künstler*in
Valentine Hugo (1887 - 1968),
Künstler*in
André Breton (1896 - 1966),
Künstler*in
Datierung
1930
Weitere Titel
Sammlungstitel: Ohne Titel (Cadavre Exquis)
Übersetzung: Untitled (Cadavre Exquis)
Sans titre (Cadavre exquis)
Provenienz
Paul Éluard,
1930-1952
Nachlass/Vermächtnis: Nachlass Paul Éluard,
ab 1952
Kauf: The Mayor Gallery, London,
bis 2004
Kauf: Ulla und Heiner Pietzsch,
2004-2010
Abmessungen
Höhe x Breite: 31 x 24 cm
Rahmenmaß: 68,5 x 57,5 x 5 cm
Erwerbung
2010 Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin

Objektbeschreibung

Gemeinschaftsspiele waren eine feste Einrichtung im Kreis der sich Anfang der 1920er-Jahre um Breton gruppierenden Surrealisten. Als mutwillige Provokation des Zufalls sollten sie das assoziative, typisch surrealistische Denken befördern. Eines der frühesten und beliebtesten Spiele war der „Köstliche Leichnam“. Im „Kleinen Lexikon des Surrealismus“, das 1938 anlässlich der ersten großen Surrealismus-Ausstellung in Paris erschien, heißt es: „CADAVRE EXQUIS (Köstlicher Leichnam) – Spiel mit gefaltetem Papier, in dem es darum geht, einen Satz oder eine Zeichnung durch mehrere Personen konstruieren zu lassen, ohne dass ein Mitspieler von der jeweils vorhergehenden Mitarbeit Kenntnis erlangen kann“ (André Breton und Paul Éluard, Dictionnaire abrégé du surréalisme, Paris 1938). Das klassisch gewordene Beispiel, das dem Spiel seinen Namen gab, bildet den ersten Teil eines auf diese Weise gewonnenen Satzes: „Le cadavre-exquis-boira-le-vin-nouveau“ (Der köstliche-Leichnam-wird-den-neuen-Wein-trinken). Der vierteilige „Leichnam“ von Breton, Tzara, Éluard und Hugo („Cadavre exquis“, 1931/1932, vgl. auch das gleichnamige Werk von 1930 in der Sammlung der Nationalgalerie, Schenkung Pietzsch), mit Buntstift auf geheimnisvoll schwarzem Papier gezeichnet, fördert eine spannungsreiche Assoziationskette zutage, die vom Animalischen (Krallen mit Schwimmhäuten) in den Bereich des Geistigen führt, wobei die Brille des Gelehrten zugleich an Breton selbst erinnert, von dem berichtet wird, er habe anfangs, nur um Aufmerksamkeit zu erregen, eine grüne Brille getragen. | Kyllikki Zacharias

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson