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Allegorische Szene

Ident. Nr.: NG 22/18

ObjID: obj:2559856

Schenkung Volker Westphal
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Zuschreibung unsicher: Klaus Richter (1887 - 1948),
Künstler*in
Datierung
um 1935
Weitere Titel
Sammlungstitel: Allegorische Szene
Übersetzung: Allegorical Scene
Material / Technik
Öl auf Holz
Abmessungen
Höhe x Breite: 79,5 x 70 cm
Erwerbung
2018 Schenkung Volker Westphal

Objektbeschreibung

Ein herrschaftliches Paar in spätmittelalterlicher Tracht reitet durch eine Felsenlandschaft, umgeben von acht Personen, die sich, allein oder in Gruppen, mit spezifischen Vogelarten beschäftigen. Die „Allegorische Szene“ wirkt eigenartig theatral. Vereinzelt sind symbolische Deutungen möglich: Ein Falkner richtet gerade seinen Vogel ab, ein Inbegriff höfischer Lebensart. Der im Käfig hockende Stieglitz links davon ist als Symbol für Ausdauer, Fruchtbarkeit und Beharrlichkeit zu lesen. Ein Gelehrter lässt (s)einen Vogel fliegen, was als Sinnbild des Glaubens oder des freien Geistes verstanden werden kann. Auf seine Schleiereule zeigt ein bebrillter Mann mit Buckel, ein Zeichen der Weisheit, das im Mittelalter mit Hexen und Magiern in Verbindung gebracht wurde und hier als Warnung verstanden werden könnte, nicht an die falschen Mächte zu glauben. Im Vordergrund reicht ein Schmied zwei Kindern ein Rotkehlchen. Als Glücksbringer und Sinnbild des Feuers wird dessen Kombination mit dem Handwerker sinnstiftend. In altmeisterlicher Manier ausgeführt mutet die Szenerie wie eine Referenz auf gemalte mittelalterliche Fürstenspiegel an, moral-didaktische Schriften im höfischen Kontext, die mittels Tugend- und Lasterallegorien auch visuell die Eigenschaften und Pflichten einer idealen Regierung lehrten. Die Autorschaft des Werkes ist ungeklärt. Zugeschrieben wird es Klaus Richter, einem Berliner Maler und Schüler von Lovis Corinth, der von 1922 bis 1927 an der Kunstakademie in Königsberg sowie an der dortigen Universität Theaterwissenschaft lehrte. Für diese Annahme könnte seine vielseitige Beschäftigung mit alten Meistern, philosophischen Abhandlungen und Theateraufführungen sprechen. | Janet Röder

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson