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Balusterförmige Deckelvase mit figürlichen Chinoiserien

Ident. Nr.: 1921,10 a,b

ObjID: obj:2573433

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Fayencemanufaktur Gerhard Wolbeer, Berlin (1697 - 1764),
Hersteller*in
Datierung
um 1710
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe: 45 cm (mit Deckel)
Durchmesser: 22 cm (Fuß)

Objektbeschreibung

Eine detaillierte Beschreibung und Charakterisierung der Deckelvase hat Christiane Keisch im Berliner Katalog von 2001 vorgenommen:
"Kleine Balusterform von gestrecktem Umriß auf gewölbtem Fuß. Auf der Schulter Spiralornamentborte mit Blüten und Dreieckzwickeln, ein symmetrischer Behang aus großen Blüten und gestreuten 'Petersilienblättern' auf dem Fuß. Weitere schmale Zacken- und Kreuzstichbänder, Halbbogenfries und Borte mit eng gerollten Spiralröllchen. Auf dem gesamten Vasenkörper ein breiter chinesischer Figurenfries mit: 1. einer aus hoher Kanne eingießenden Dame und Diener mit Schale oder Tablett, 2. einer am Tisch sitzenden Frau mit stehender Dienerin, 3. einer Teegesellschaft an niedrigem Tisch, 4. einem sitzenden Würdenträger mit Vogel über dem Kopf, Tee trinkend, und hinter ihm stehender Diener mit Fächer, 5. einer weisenden Gestalt in üppiger Gewandung, 6. einem sitzenden Würdenträger und stehendem Diener mit Blumenfächer.
Die Balustervase gehört einer Gruppe von Gefäßen an, deren Bemalung thematisch, stilistisch und vom Ornament her nahezu übereinstimmt. Hier arbeiteten vermutlich schon deutsche Fayencemaler ohne direkten Kontakt zu Delft. Die Farbigkeit ist vergleichsweise kräftig und dunkel und mit 'Trek' versehen, die Malweise wirkt flach und hölzern im Vergleich mit den flüssiger gemalten, stärker an Delft orientierten Stücken."

Otto von Falke hat die Deckelvase des Kunstgewerbemuseums, ebenso wie eine Tüllenkanne aus dem Bestand des Berliner Stadtmuseums und weitere Beispiele dieser Werkgruppe, als Beispiele für einen "berlinerischen" Stil angeführt, was Christiane Keisch im zitierten Katalog von 2001 relativiert.

Keine Marke.

Lit.: Otto von Falke: Altberliner Fayencen, Berlin 1923, Taf. 7c; Kat. Berlin 2001: "Herrliche Künste und Manufacturen, Kat. Nr. 18

ClKa

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Les Iris ("Toutes les âmes sont prêtes...")

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"Je nach Lichteinfall entwickelt die Vase ganz unterschiedliche Farbwirkungen, die von glühendem Orange-Rot über tiefdunkles Violett bis hin zu bernsteinfarbenen Brauntönen reichen. Iris- bzw. Schwertlilienpflanzen überziehen in asymmetrischer, lockerer Reihung die gesamte Wandung. In einem aufwändigen Verfahren wurden verschiedene Farbglasschichten in warmem Zustand überfangen und nach dem Erkalten des Glases partienweise, in unterschiedlicher Stärke, ausgeschliffen, so dass die jeweils darunterliegende Farbschicht durchscheint. Erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist die feine Gravur auf der Vasenschulter, die sich umlaufend zwischen Blätter und Blüten verteilt. Sie gibt ein Zitat des belgischen Dichters Maurice Maeterlinck (1862–1949) wieder, einem prominenten Vertreter des Symbolismus: „Toutes les âmes sont prêtes, il faut cependant [que] l’une d’elles commence, pourquoi ne pas oser, être l’une qui commence“. Die genaue Botschaft bleibt rätselhaft und der Empfänglichkeit der Betrachter überlassen. Ist unsere Seele die eine bereite Seele, die es wagt zu beginnen?Schöpfer der Vase war Émile Gallé (1846–1904). Mit seinen „vases parlants“, den sprechenden Vasen, verstand er es virtuos, Naturmotive in der Materialsprache des Glases auszudrücken und symbolisch zu überhöhen. Inspirieren ließ er sich dabei von sino-japanischen Vorbildern, darunter chinesischen Glasvasen, von denen sich Beispiele im Berliner Kunstgewerbemuseum befanden. 1885 war Gallé eigens nach Berlin gekommen, um zwei Wochen lang die damals gerade neu erworbenen chinesischen Gläser aus der Sammlung des preußischen Diplomaten Max von Brandt im Kunstgewerbemuseum zu studieren." (Claudia Kanowski, in: Details! 100 Lieblingswerke im Kunstgewerbemuseum, Dresden, Berlin 2018, S. 180f.)ClKa