Logo

Konsumkunst (Auszüge)

Ident. Nr.: NG 2/23

ObjID: obj:3328490

Ankauf von lokal_30 Gallery Warsaw
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Natalia LL (1937 - 2022),
Künstler*in
Datierung
1972, 1974, 1975
Weitere Titel
Sammlungstitel: Konsumkunst (Auszüge)
Übersetzung: Consumer Art (Excerpts)
Material / Technik
16 mm-Filme, digitalisiert
Abmessungen
Dauer: 00 : 15 : 57
Erwerbung
2023 Ankauf von der Galerie Lokal_30, Warschau

Objektbeschreibung

Natalia Lach-Lachowicz, die sich kurz Natalia LL nannte, war eine Pionierin der feministischen Kunst in Polen. In ihren konzeptuellen Fotografien, Zeichnungen, Videoarbeiten und Installationen setzte sich die Künstlerin schon in ihrem Frühwerk mit dem Thema der Weiblichkeit in einer männlich dominierten Gesellschaft auseinander. LL nutzte das Medium der Fotografie, um kleine, gewöhnliche, private Handlungen wie Essen, Schlafen, Sex, Ausruhen und Sprechen abzubilden, und führte dafür den Begriff der „permanenten Registrierung“ ein. Sie betrachtete ihre Kunst nicht als eine vom Alltag losgelöste Sphäre. Diese Haltung war in sozialistischen Ländern durchaus politisch, hielten doch gerade kritisch eingestellte Menschen das Private möglichst aus der Öffentlichkeit fern, um sich keinen Verdächtigungen auszusetzen. Anfang der 1970er-Jahre begann LL eine Serie von Film- und Fotoarbeiten mit dem Titel „Consumer Art“ (1972–1975), mit der sie die Kommerzialisierung von Frauenkörpern durch die Pornografie kritisierte. Der vorliegende Film ist ein Zusammenschnitt unterschiedlicher Arbeiten. Er zeigt junge weibliche Modelle, die mit aufreizenden Gesten eine Vielzahl von Lebensmitteln, die durch ihre Formen sexuell gedeutet werden können, essen und dabei pornografisch kodierte Handlungen nachahmen. Die Frauen blicken verführerisch in die Kamera, während sie das erotisch aufgeladene „Spiel“ mit Bananen, Würstchen oder Pudding performen. Ihr Verhalten schwankt zwischen Verführung und Humor. Sie kehren die Dynamik des männlichen Blicks und des Konsums um und übernehmen die Kontrolle über die Situation. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 19.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson