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Kosmologische Prachthandschrift Traiphum („Drei Welten“); Buddha-Vita: o.: die Gaben von Affe und Elefant im Pālileyyaka-Wald; u.: Buddha übergibt die Schale dem Fluss Nerañjarā

Ident. Nr.: II 650 117r-118r

ObjID: obj:3831714

Details (Expert)

Beteiligte
König Tāk Sin (17.4.1734–6.4.1782),
Auftraggeber*in; Inschrift
Luang Phetchawakam (1776),
Miniaturmaler*in; Inschrift
Nai Nam (1776),
Miniaturmaler*in; Inschrift
Nai Bunsa (1776),
Miniaturmaler*in; Inschrift
Nai Rueang (1776),
Miniaturmaler*in; Inschrift
Nai Bunchan (1776),
Schreiber*in; Inschrift
Nai Chet (1776),
Schreiber*in; Inschrift
Nai Son (1776),
Schreiber*in; Inschrift
Nai Thongkham (1776),
Schreiber*in; Inschrift
Chao Phraya Si Thammathirat (1776),
Papierherstellung; Inschrift
Somdet Phra Sangkharat (1776); Inschrift
Adolf Bastian (26.6.1826 - 3.2.1905),
Sammler*in; Archive
Gerini (1895),
Veräußerung; Archive
Kempermann (1882); Archive
Datierung
Datierung: Dienstag, 24. September 1776
Weitere Titel
Sammlungstitel: Kosmologische Prachthandschrift Traiphum („Drei Welten“); Buddha-Vita: o.: die Gaben von Affe und Elefant im Pālileyyaka-Wald; u.: Buddha übergibt die Schale dem Fluss Nerañjarā
Übersetzung: Illuminated cosmological manuscript Traiphum (“Three Worlds”); Life of the Buddha: top: the offerings of the monkey and the elephant in the Pālileyyaka forest; bottom: the Buddha consigns his bowl to the Nerañjarā river
Geografische Bezüge
Abmessungen
Blattmaß: 52,0 x 23,5 cm (Maße einer Faltseite)
Länge: 31,95 m (Gesamtlänge des entfalteten Manuskripts auf je einer Seite, d.h. 31,95 m recto; 31,95 m verso)
Höhe: 8 cm (Gesamthöhe des zusammengefalteten Manuskripts mit Einbanddeckeln)
Gewicht: ca. 2 kg
Erwerbung
Erwerbung von Gerolamo Emilio Gerini 1895

Objektbeschreibung

5 Ein Elefant und ein Affe ehren den Buddha (fol. 117r)
Erschöpft vom Streit in der Mönchsgemeinde von Kaushambi zieht sich der Buddha (symbolisiert durch den weißen Lotos mit goldener Flammenkrone) für drei Monate in die Einsamkeit des Palileyya-Waldes zurück. Dort dient ihm ein Elefant und bringt ihm mit seinem Rüssel in einem goldenen Fläschchen Wasser dar. Auch ein Affe will den Buddha ehren. Er spendet ihm Honig – die Honigwabe hängt noch an einem Zweig, den der Affe mit seinen Pfoten hoch über seinen Kopf hält.

6 Die Reisschale des Buddha schwimmt flussaufwärts (fol. 118r)
Nachdem der Buddha die Reisspende gegessen hat, geht er an einem nahen Fluss spazieren (der Buddha ist rechts symbolisiert durch den roten Lotos mit goldener Flammenkrone) und spricht: „Zum Zeichen, dass ich Erleuchtung erlangen werde, soll diese Reisschale flussaufwärts schwimmen.“ So geschieht es. Dann sinkt die goldene Schale hinab in den unterirdischen Palast eines Schlangenkönigs (links unten) und vereinigt sich dort sichtbar mit den Schalen dreier früherer Buddhas. 

Acht Szenen aus dem Leben des Buddha
Im Traiphum-Manuskript finden sich acht Szenen aus dem Leben des Buddha. Dieses Thema ist sonst eher Teil von Wandmalereien in Tempeln und schmückte selten Manuskriptseiten. Eine Besonderheit in dieser Handschrift ist, dass der Buddha in Szenen, in denen er noch in ein weltliches Leben eingebunden ist (1, 2), in menschlicher Gestalt erscheint. In allen anderen Szenen, in denen er sich schon auf seinem spirituellen Weg befindet, ist er nur noch durch ein Symbol im Bild vertreten. 
Die Szenen aus dem Leben des Buddha folgen in diesem Manuskript nicht überall der Reihenfolge der Episoden in thailändischen Texten. Die chronologisch korrekte Abfolge wäre (1), (2), (3), (4), (6), (8), (7), (5). Warum die Szenen hier durcheinandergewürfelt wurden, ist noch nicht geklärt. Eventuell hat man sich von der freieren räumlichen Anordnung von Buddhalebensszenen in den Wandmalereien der Tempel dazu inspirieren lassen.



Lesung und Übersetzung Thai: Peera Panarut, veröffentlicht als: Panarut, Peera, trans. 2026. Reading of the Berlin Traiphum (II 650, Museum für Asiatische Kunst, Stiftung Preußischer Kulturbesitz). Berlin. https://doi.org/10.58159/20260927-000
Ausstellungstexte: Martina Stoye
Projekt „Sechs Meter Traiphum“: https://www.smb.museum/museen-einrichtungen/museum-fuer-asiatische-kunst/sammeln-forschen/forschung/sechs-meter-traiphum/

Publikationen:
– Martina Stoye & Peera Panarut (2026), In the Serenity of the Himavanta Forest: What the Berlin Traiphum Discloses, Petersberg: Michael Imhof Verlag. https://www.imhof-verlag.de/in-the-serenity-of-the-himavanta-forest/
– Martina Stoye & Peera Panarut (2025), „In den seligen Gefilden des Himavanta-Waldes – ein kollaboratives Forschungsprojekt zur thailändischen Prachthandschrift Traiphum“, in: Jahrbuch der Berliner Museen, Bd. 65 (2024), Berlin: Gebr. Mann Verlag, S. 37–69. https://doi.org/10.57894/jbm.2024.1.114348
– Peera Panarut (2024), „An Overview of the Thai Manuscript Collection at the Museum für Asiatische Kunst in Berlin“, in: Indo-Asiatische Zeitschrift 28, S. 4–19.
– Martina Stoye (2023), „Unfolding the Buddhist Cosmos: Towards a New Visibility of the Berlin Traiphum (Thailand, 1776) – from Indra’s Heaven to the Asura World“, in: Arts of Asia (Hong Kong), Winter 2023, S. 74–83.
– James E. Bogle (2016), Buddhist Cosmology: The Study of a Burmese Manuscript, Chiang Mai: Silkworm Books.
– Frank E. Reynolds & Mani B. Reynolds (Übers.) (1982), Three Worlds According to King Ruang: A Thai Buddhist Cosmology [Traiphum Phra Ruang von König Lithai von Sukhothai], Berkeley: Asian Humanities Press (Berkeley Buddhist Studies Series 4).
– Klaus Wenk (1965), Thailändische Miniaturmalereien nach einer Handschrift der Indischen Kunstabteilung der Staatlichen Museen Berlin, Stuttgart: Franz Steiner Verlag (Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland, Supplementband 3).
– Klaus Wenk (1963), Thai-Handschriften, Teil 1, Wiesbaden: Franz Steiner Verlag (Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland, Bd. IX, Teil 1).

Letzte Aktualisierung: 20.10.2026

Kontakt

Einrichtung:

Museum für Asiatische Kunst

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