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Kosmologische Prachthandschrift Traiphum („Drei Welten“); Jambudīpa: l. o.: Kuṇāla-See; o. Mi.: die Vierfüßler wählen ihren König: Nacca-Jātaka (J. 32) oder Ulūka-Jātaka (J. 270); Mi.: Kaṇha-Gaṅgā, Beginn von Ākāsa-Gaṅgā; l. u.: Sīhappapāta-See; u. Mi.: Sudhana-Jātaka (P. 2), Teil 1

Ident. Nr.: II 650 043v-044v

ObjID: obj:3831846

Details (Expert)

Beteiligte
König Tāk Sin (17.4.1734–6.4.1782),
Auftraggeber*in; Inschrift
Luang Phetchawakam (1776),
Miniaturmaler*in; Inschrift
Nai Nam (1776),
Miniaturmaler*in; Inschrift
Nai Bunsa (1776),
Miniaturmaler*in; Inschrift
Nai Rueang (1776),
Miniaturmaler*in; Inschrift
Nai Bunchan (1776),
Schreiber*in; Inschrift
Nai Chet (1776),
Schreiber*in; Inschrift
Nai Son (1776),
Schreiber*in; Inschrift
Nai Thongkham (1776),
Schreiber*in; Inschrift
Chao Phraya Si Thammathirat (1776),
Papierherstellung; Inschrift
Somdet Phra Sangkharat (1776); Inschrift
Adolf Bastian (26.6.1826 - 3.2.1905),
Sammler*in; Archive
Gerini (1895),
Veräußerung; Archive
Kempermann (1882); Archive
Datierung
Datierung: Dienstag, 24. September 1776
Weitere Titel
Kosmologische Prachthandschrift Traiphum („Drei Welten“); Jambudīpa: l. o.: Kuṇāla-See; o. Mi.: die Vierfüßler wählen ihren König: Nacca-Jātaka (J. 32) oder Ulūka-Jātaka (J. 270); Mi.: Kaṇha-Gaṅgā, Beginn von Ākāsa-Gaṅgā; l. u.: Sīhappapāta-See; u. Mi.: Sudhana-Jātaka (P. 2), Teil 1
Übersetzung: Illuminated cosmological manuscript Traiphum (“Three Worlds”); Jambudīpa: top left: Lake Kuṇāla; top centre: the quadrupeds choose their king: Nacca-Jātaka (J. 32) or Ulūka-Jātaka (J. 270); centre: Kaṇha-Gaṅgā, beginning of the Ākāsa-Gaṅgā; bottom left: Lake Sīhappapāta; bottom centre: Sudhana-Jātaka (P. 2), part 1
Geografische Bezüge
Abmessungen
Blattmaß: 24,5 x 50,0 cm (Maße einer Faltseite; Höhe x Breite; Breite parallel zur Faltkante)
Länge: 33,3 m (Gesamtlänge des vollständig entfalteten Manuskripts; recto und verso jeweils 33,3 m; 136 Faltsegmente)
Höhe: 8 cm (Gesamthöhe des zusammengefalteten Manuskripts einschließlich der Einbanddeckel)
Gewicht: 5,6 kg
Erwerbung
Erwerbung von Gerolamo Emilio Gerini 1895

Objektbeschreibung

Die Vierfüßler wählen den Löwen zum König (oben)
Am Beginn der Zeit wählten verschiedene Gruppen von Tieren ihre Anführer. Hier ist gezeigt, wie die Vierfüssler (z. B. Elefant, Wasserbüffel, Wildschwein, Reh, Ziege, Pferd, Äffchen und mythische Vierbeiner) den Löwen (rechts) zu ihrem König küren. Eine solch uranfängliche Wahl der Vierbeiner wird in zwei Jatakas (Nr. 32 und Nr. 270) erwähnt. Jataka Nr. 270 enthält auch die Geschichte von Eule und Krähe, die hier in diesem Faltbuch etwas weiter rechts erscheint. 

Sudhana und Manohara, Teil 1 (unten): Ein Jäger fängt die schöne Manohara
Auf der Jagd kommt Jäger Pundarika zu einer Einsiedelei (Haus rechts). Der Einsiedler verrät ihm, dass ab und zu Vogelfrauen in den nahen Garten zum Baden kommen. Der Jäger legt sich auf die Lauer. Mit einer magischen Schlinge gelingt es ihm, die schöne Vogelfrau Manohara zu fangen. Er möchte sie Sudhana, dem hochgeschätzten Prinzen des Königreichs, als Hauptfrau anbieten. Sudhana vermählt sich tatsächlich mit Manohara – und eine intensive Liebesgeschichte mit viel Auf und Ab beginnt.

Der südliche Strom, Teil 1 & 2: Avatta- und Kanha-Ganga (fol. 043v)
Besonders wichtig ist der Strom, der vom Anotatta-See in südliche Richtung fließt, denn er wird als mythisches Anfangsstück des nordindischen Ganges angesehen, des heiligsten Flusses Indiens. Nachdem sein Wasser dem Anotatta-See aus dessen südlichem Abfluss entsprungen ist, fließt der Strom zunächst im Kreis um den heiligen See. In diesem Abschnitt heißt er Avatta-Ganga. Dann fließt er als Kanha-Ganga über eine ausgedehnte Steinplatte geradeaus nach Süden.

Der südliche Strom, Teil 3: Akasha-Ganga (fol. 044v)
Nach langem gleichmäßigem Verlauf kracht das Wasser des südlichen Stroms gegen einen Berg. Dadurch schießt es hoch auf in den Äther. In diesem Abschnitt heißt der Strom Akasha-Ganga. Wieder herabfallend kann sein Wasser zu Regen, Hagel oder Tau werden. Schließlich stürzt der Strom herunter auf den Tiyaggala-Felsen und formt am Fuß des Felsens den Tiyaggala Teich, der voller Lotosblumen ist.

Jambudipa, der Rosenapfelkontinent, und der mythische Himavanta-Wald
Im 31-stufigen Kosmos des Buddhismus gibt es vier Kontinente. Jambudipa ist der Ort, wo Menschen wie wir leben und wo buddhistische Geschichten spielen. Hoch oben in den Bergen des Rosenapfelkontinents, weit von jeder menschlichen Zivilisation entfernt, liegt die mythische Welt des Himavanta. In seinen idyllischen und besonders reinen Naturwelten überschneiden sich göttliche und irdische Sphären. Der mythische Himavanta-Wald ist vom echten Himalaya inspiriert.

547 Vorleben des Buddha  – Inspiration für gutes Verhalten
In diesem Teil der Handschrift sind Bilder vom Rosenapfelkontinent zu sehen, vor allem vom mythischen Himavanta-Wald. Doch blühen dort nicht nur viele schöne Pflanzen, weiden glückliche Tiere, tanzen göttliche Wesen. Hier spielen auch Szenen aus den zahlreichen Vorleben des Buddha. Denn bevor der Meister zur Erleuchtung gelangte, musste er erst viele Wiedergeburten durchleben. Diese Vorgeburtsgeschichten (Jatakas) führen den Gläubigen gutes und schlechtes Verhalten anschaulich vor.



Lesung und Übersetzung Thai: Peera Panarut, veröffentlicht als: Panarut, Peera, trans. 2026. Reading of the Berlin Traiphum (II 650, Museum für Asiatische Kunst, Stiftung Preußischer Kulturbesitz). Berlin. https://doi.org/10.58159/20260927-000
Ausstellungstexte: Martina Stoye
Projekt „Sechs Meter Traiphum“: https://www.smb.museum/museen-einrichtungen/museum-fuer-asiatische-kunst/sammeln-forschen/forschung/sechs-meter-traiphum/

Literatur zu diesen Folios:
Stoye & Panarut 2025: S. 42–44, 50, 54–55; Abb. 9

Publikationen:
– Martina Stoye & Peera Panarut (2026), In the Serenity of the Himavanta Forest: What the Berlin Traiphum Discloses, Petersberg: Michael Imhof Verlag. https://www.imhof-verlag.de/in-the-serenity-of-the-himavanta-forest/
– Martina Stoye & Peera Panarut (2025), „In den seligen Gefilden des Himavanta-Waldes – ein kollaboratives Forschungsprojekt zur thailändischen Prachthandschrift Traiphum“, in: Jahrbuch der Berliner Museen, Bd. 65 (2024), Berlin: Gebr. Mann Verlag, S. 37–69. https://doi.org/10.57894/jbm.2024.1.114348
– Peera Panarut (2024), „An Overview of the Thai Manuscript Collection at the Museum für Asiatische Kunst in Berlin“, in: Indo-Asiatische Zeitschrift 28, S. 4–19.
– Martina Stoye (2023), „Unfolding the Buddhist Cosmos: Towards a New Visibility of the Berlin Traiphum (Thailand, 1776) – from Indra’s Heaven to the Asura World“, in: Arts of Asia (Hong Kong), Winter 2023, S. 74–83.
– James E. Bogle (2016), Buddhist Cosmology: The Study of a Burmese Manuscript, Chiang Mai: Silkworm Books.
– Frank E. Reynolds & Mani B. Reynolds (Übers.) (1982), Three Worlds According to King Ruang: A Thai Buddhist Cosmology [Traiphum Phra Ruang von König Lithai von Sukhothai], Berkeley: Asian Humanities Press (Berkeley Buddhist Studies Series 4).
– Klaus Wenk (1965), Thailändische Miniaturmalereien nach einer Handschrift der Indischen Kunstabteilung der Staatlichen Museen Berlin, Stuttgart: Franz Steiner Verlag (Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland, Supplementband 3).
– Klaus Wenk (1963), Thai-Handschriften, Teil 1, Wiesbaden: Franz Steiner Verlag (Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland, Bd. IX, Teil 1).

Letzte Aktualisierung: 05.11.2026

Kontakt

Einrichtung:

Museum für Asiatische Kunst

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Porträt von Munakata Shikō

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