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Kosmologische Prachthandschrift Traiphum („Drei Welten“); Jambudīpa: Vessantara-Jātaka: l.: Prinz Vessantara verschenkt seine Frau Maddī an einen alten Mann, Teil 2 (als Bild), laut Beischrift: Kapitel „Nr. 10 Sakka“; r. u.: viereckiger Lotosteich und Mucalinda-See am „Gekrümmten Berg“, dem Ort des Exils; r. o.: König und Königin der Sivis holen den Prinzen Vessantara und seine Familie aus der Verbannung zurück, Teil 1 (als Bild)

Ident. Nr.: II 650 057v-058v

ObjID: obj:3832452

Details (Expert)

Beteiligte
König Tāk Sin (17.4.1734–6.4.1782),
Auftraggeber*in; Inschrift
Luang Phetchawakam (1776),
Miniaturmaler*in; Inschrift
Nai Nam (1776),
Miniaturmaler*in; Inschrift
Nai Bunsa (1776),
Miniaturmaler*in; Inschrift
Nai Rueang (1776),
Miniaturmaler*in; Inschrift
Nai Bunchan (1776),
Schreiber*in; Inschrift
Nai Chet (1776),
Schreiber*in; Inschrift
Nai Son (1776),
Schreiber*in; Inschrift
Nai Thongkham (1776),
Schreiber*in; Inschrift
Chao Phraya Si Thammathirat (1776),
Papierherstellung; Inschrift
Somdet Phra Sangkharat (1776); Inschrift
Adolf Bastian (26.6.1826 - 3.2.1905),
Sammler*in; Archive
Gerini (1895),
Veräußerung; Archive
Kempermann (1882); Archive
Datierung
Datierung: Dienstag, 24. September 1776
Weitere Titel
Kosmologische Prachthandschrift Traiphum („Drei Welten“); Jambudīpa: Vessantara-Jātaka: l.: Prinz Vessantara verschenkt seine Frau Maddī an einen alten Mann, Teil 2 (als Bild), laut Beischrift: Kapitel „Nr. 10 Sakka“; r. u.: viereckiger Lotosteich und Mucalinda-See am „Gekrümmten Berg“, dem Ort des Exils; r. o.: König und Königin der Sivis holen den Prinzen Vessantara und seine Familie aus der Verbannung zurück, Teil 1 (als Bild)
Übersetzung: Illuminated cosmological manuscript Traiphum (“Three Worlds”); Jambudīpa: Vessantara-Jātaka: left: Prince Vessantara gives away his wife Maddī to an old man, part 2 (image), according to the caption: chapter “No. 10 Sakka”; bottom right: square lotus pond and Lake Mucalinda at the “Crooked Mountain”, the place of exile; top right: the king and queen of the Sivis bring Prince Vessantara and his family back from exile, part 1 (image)
Geografische Bezüge
Abmessungen
Blattmaß: 24,5 x 50,0 cm (Maße einer Faltseite; Höhe x Breite; Breite parallel zur Faltkante)
Länge: 33,3 m (Gesamtlänge des vollständig entfalteten Manuskripts; recto und verso jeweils 33,3 m; 136 Faltsegmente)
Höhe: 8 cm (Gesamthöhe des zusammengefalteten Manuskripts einschließlich der Einbanddeckel)
Gewicht: 5,6 kg
Erwerbung
Erwerbung von Gerolamo Emilio Gerini 1895

Objektbeschreibung

Prinz Vessantara verschenkt seine Frau Maddī an einen alten Mann (fols. 056v-057v oben)
Als Maddī zurückkehrt und ihre Kinder nicht vorfindet, ist sie untröstlich. Doch kommt es noch schlimmer: nun bittet ein alter Mann den Prinzen Vessantara, ihm seine Ehefrau zu überlassen. 
Auch dieser Schenkung stimmt Vessantara freudig zu und besiegelt die Gabe durch Übergießen der Hände des Alten mit Wasser. Nun gibt sich der alte Mann als Gott Sakka zu erkennen, der Vessantara nur auf die Tugend der Freigiebigkeit prüfen wollte. Zum Lohn für den bestandenen Test gibt der Gott Maddī zurück.

Viereckiger Lotusteich und Mucalinda-See am ‚Gekrümmten Berg‘, dem Ort des Exils (fols. 057v-058v unten)
Ort des Exils des Prinzen Vessantara und seiner Familie ist der Vaṅka-Giri (d.h. „der gekrümmte Berg“) in der tiefsten Einsamkeit des Himavanta-Waldes. Ein göttlicher Baumeister errichtete dort für die Verbannten zwei Einsiedeleien, eine für Vessantara, die andere für seine Frau Maddī und die beiden Kinder. In der Nähe des Vaṅka-Berges befinden sich ein viereckiger Lotosteich (l.) und der Mucalinda-See (r.). [Fortsetzung der Geschichte auf fols. 112v-113v)]

König und Königin der Sivis holen den Prinzen Vessantara und seine Familie aus der Verbannung zurück (fols. 058v-059v oben)
In grenzenloser Habgier hat der greise Jūjaka inzwischen die beiden Kinder für ein Lösegeld am Hofe der Sivis feilgeboten. König Sañjaya, der Vater des Prinzen Vessantara, hört von Vessantaras kargem Leben und empfindet Reue darüber, dass er seinen Sohn verbannt hat. Nun zieht er mit großem Hofstaat und den freigekauften Kindern zur Einsiedelei des Verbannten, wo es ein emotionales Wiedersehen gibt. König Sañjaya bittet Vessantara um Verzeihung und bietet ihm erneut den Thron des Königreichs an.

Die Geschichte vom Prinzen Vessantara
Im Theravada-Buddhismus ist die populärste und wichtigste Vorgeburtsgeschichte des Buddha die Geschichte vom Prinzen Vessantara (Jataka Nr. 547). Von zartem Alter an hat Prinz Vessantara den tiefen Wunsch zu schenken. In seiner grenzenlosen Freigiebigkeit verschenkt er einen kostbaren Staatselefanten, seinen Wagen, schließlich sogar seine Kinder und Ehefrau. Damit beweist er seine Fähigkeit  ̶  emotionale Bindung aufgeben zu können, eine der wichtigsten Voraussetzungen auf dem Weg zur Erleuchtung.



Lesung und Übersetzung Thai: Peera Panarut, veröffentlicht als: Panarut, Peera, trans. 2026. Reading of the Berlin Traiphum (II 650, Museum für Asiatische Kunst, Stiftung Preußischer Kulturbesitz). Berlin. https://doi.org/10.58159/20260927-000
Ausstellungstexte: Martina Stoye
Projekt „Sechs Meter Traiphum“: https://www.smb.museum/museen-einrichtungen/museum-fuer-asiatische-kunst/sammeln-forschen/forschung/sechs-meter-traiphum/

Publikationen:
– Martina Stoye & Peera Panarut (2026), In the Serenity of the Himavanta Forest: What the Berlin Traiphum Discloses, Petersberg: Michael Imhof Verlag. https://www.imhof-verlag.de/in-the-serenity-of-the-himavanta-forest/
– Martina Stoye & Peera Panarut (2025), „In den seligen Gefilden des Himavanta-Waldes – ein kollaboratives Forschungsprojekt zur thailändischen Prachthandschrift Traiphum“, in: Jahrbuch der Berliner Museen, Bd. 65 (2024), Berlin: Gebr. Mann Verlag, S. 37–69. https://doi.org/10.57894/jbm.2024.1.114348
– Peera Panarut (2024), „An Overview of the Thai Manuscript Collection at the Museum für Asiatische Kunst in Berlin“, in: Indo-Asiatische Zeitschrift 28, S. 4–19.
– Martina Stoye (2023), „Unfolding the Buddhist Cosmos: Towards a New Visibility of the Berlin Traiphum (Thailand, 1776) – from Indra’s Heaven to the Asura World“, in: Arts of Asia (Hong Kong), Winter 2023, S. 74–83.
– James E. Bogle (2016), Buddhist Cosmology: The Study of a Burmese Manuscript, Chiang Mai: Silkworm Books.
– Frank E. Reynolds & Mani B. Reynolds (Übers.) (1982), Three Worlds According to King Ruang: A Thai Buddhist Cosmology [Traiphum Phra Ruang von König Lithai von Sukhothai], Berkeley: Asian Humanities Press (Berkeley Buddhist Studies Series 4).
– Klaus Wenk (1965), Thailändische Miniaturmalereien nach einer Handschrift der Indischen Kunstabteilung der Staatlichen Museen Berlin, Stuttgart: Franz Steiner Verlag (Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland, Supplementband 3).
– Klaus Wenk (1963), Thai-Handschriften, Teil 1, Wiesbaden: Franz Steiner Verlag (Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland, Bd. IX, Teil 1).

Letzte Aktualisierung: 06.11.2026

Kontakt

Einrichtung:

Museum für Asiatische Kunst

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Porträt von Munakata Shikō

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Auf einem Lotossitz reitet der jugendlich aussehende Monju Bosatsu auf seinem Begleittier, einem blauen Löwen. Der furchteinflößende Löwe, der auf vier Lotosblüten steht, wird von der Seite und mit einer dramatischen Drehung des Kopfes nach rechts hin erfasst. Monju Bosatsu hingegen erscheint antithetisch dazu in erhabener Frontalansicht und mit einer leichten Wendung des Gesichts nach links ins Dreiviertelprofil. In seiner linken Hand hält Monju eine langstielige Lotosblüte, in der rechten eine Sutrarolle. Sein Haupthaar ist zu fünf Knoten zusammengebunden, die die fünf Weisheits-Buddhas des esoterischen Buddhismus bzw. die diesen zugeordneten magischen fünf Silben symbolisieren. Die vorliegende Darstellung unterscheidet sich jedoch von den üblichen Monju-Bildern des esoterischen Buddhismus durch die drei kleinen Kreise oberhalb des Körpernimbus. Von rechts nach links findet man darin dargestellt: den 11-köpfigen Kannon Bosatsu, eine Nyorai-Figur (wahrscheinlich Shaka Nyorai) in einer Pagode und Jizô Bosatsu. In dieser Konstellation stellen die drei Figuren die buddhistische Manifestation der shintoistischen Gottheiten des Kasuga-Schreines dar. Monju kann hier folglich als die buddhistische Manifestation des Kasuga Wakamiya identifiziert werden. Dieses Werk ist typisch für die Arbeiten der buddhistischen Malmeister in der zweiten Hälfte der Kamakura-Zeit und ein vorzügliches Beispiel der Kunst des synkretistischen Buddhismus.

Niedriger Tisch (oder Fußbank)

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Der niedrige Tisch mit floralem Dekor zählt zu den Meisterwerken chinesischer Schnitzlackarbeiten der frühen Ming-Zeit und stammt ohne Zweifel aus den kaiserlichen Werkstätten, wie zwei eng verwandte Stücke in der Sammlung des Pekinger Palastmuseums bezeugen. An der Wende zur Ming-Dynastie waren die beiden für ihre roten Schnitzlacke berühmtesten Lackmeister tätig, Zhang Cheng und Yang Mao. Sie legten die Grundlagen für eine grandiose Blüte dieser Kunst, die in der Ära Yongle (1403–1424) und Xuande (1426–1435) ihren Höhepunkt erreichte. Die Schnitzlackarbeit dieses niedrigen Tisches besticht durch den weich modellierten Schnitt der dicken Lackschicht und die kompositorische Eleganz des Dekors. Die Oberseite zeigt halb oder vollständig geöffnete Päonienblüten und Knospen unterschiedlicher Größe. Die Beine und Querverstrebungen sind außer mit Päonien auch mit Pflaumenblüten, Lotos und Chrysanthemen geschmückt. Fritz Löw-Beer (1906–1976), aus dessen Sammlung das Werk stammt, begann bereits in den 1920er Jahren, chinesische Lackarbeiten zu sammeln und konnte im Verlauf weniger Jahre eine umfangreiche Sammlung aufbauen. Er konnte sie nach einer Ausstellung in Amsterdam im Jahre 1938 bei seiner Emigration nach den Vereinigten Staaten mitführen und so in Sicherheit bringen. Während und nach dem Kriege vermehrte und verbesserte Löw-Beer die Sammlung. Der Großteil der Sammlung befindet sich heute im Stuttgarter Linden-Museum, das diese Bestände (186 Lackarbeiten) 1978 erwarb. Einzelne bedeutende Lackkunstwerke gingen zuvor bereits an das Museum of Fine Arts in Boston, das Victoria and Albert Museum und das British Museum in London. Im Jahr 1972 gelang der Erwerb des berühmten kaiserlichen Thronensembles und 1978 aus dem Nachlass der Erwerb des niedrigen Tisches für die Berliner Sammlung.