Pokal mit Darstellung der Vier Jahreszeiten
Ident. Nr.: W-1979,59 a
ObjID: obj:4005540
Details (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- Herstellung: um 1708-1713
- Geografische Bezüge
- Material / Technik
- Glas in Hilfsmodel geblasen, geformt, geschliffen, geschnitten
- Abmessungen
- Höhe: 26,5 cmDurchmesser: 15,7 cm (Fuß)Durchmesser: 12,8 cm (Mündung)Wandungsstärke: 0,25 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/4005540
Objektbeschreibung
Großer Pokal aus farblosem Glas, Abriss matt ausgeschliffen, breiter
Tellerfuß mit hochgeschnittenem, mattiertem Akanthusblattfries, der
niedrige Massivschaft ist aus einem gestauchten Baluster und Nodus sowie
drei Trommelscheiben komponiert, der Baluster mit versenktem
Spitzblattdekor und Linsen, der Nodus mit Akanthusblattdekor und die
Scheiben mit einem spitz zulaufenden Ornament, das sie wie geflochten
anmuten lässt. Der Akanthusblattfries wiederholt sich am Ansatz und
Mündungsrand der becherförmigen Kuppa. Das mittlere Register der Wandung
ist von einem umlaufenden Ornamentband mit vier Medaillons verziert,
dessen Zwischenräume von Arabesken, Feldern mit Netzwerkdekor,
Blumenvasen und Jakobsmuscheln gefüllt werden, auf denen Adler mit
ausgebreiteten Schwingen sitzen und an denen kleine Medaillons mit
Dreiviertel- und Profilbildnissen von Damen hängen. Die Medaillons sind
mit allegorischen Darstellungen der Vier Jahreszeiten dekoriert, jeweils
auf einem würfelförmigen Hocker sitzend: ein Amorknabe mit Füllhorn
voller Blumen steht für den Frühling, ein Krieger mit Ährenbündeln für
den Sommer, ein Bacchant mit Rebenkrone und Füllhorn für den Herbst und
ein alter Mann für den Winter. Das Glas ist krank.
Dieser Pokal gelangte gemeinsam mit einem Deckel in den Bestand, dessen
Glasmasse viel reiner und schwerer ist und dessen Akanthusblattdekor in
zahlreichen Details abweicht. Der Deckel ist nicht zugehörig und dürfte
ins 20. Jahrhundert datieren. Bei dem Pokal hingegen handelt es sich um
ein Glas vom Anfang des 18. Jahrhunderts. Ein stilistisch eng verwandtes
Beispiel von gleicher Hand im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe
wurde vermutlich anlässlich der Hochzeit König Friedrichs I. (1657–1713)
mit seiner dritten Gemahlin Sophie Luise (1685–1735) im Jahr 1708
angefertigt (Götzmann/Kaiser, Gläserne Welten, 2017, Kat. 48, S. 115,
116; Keisch/Netzer, Herrliche Künste und Manufacturen, 2001, Abb. 46, S.
94; Saldern, Glas, 1995, Kat 83 mit weiterführender Literatur; Schmidt,
Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 27.2). Die Vier Jahreszeiten sind
wie viele von der Glaskunst aufgegriffene Sujets ein Thema, das sich
durch die gesamte abendländische Kunstgeschichte zieht. Die Qualität des
Schnitts auf diesem Pokal spricht für einen namhaften Meister. [Verena
Wasmuth]
MAKR
Letzte Aktualisierung: 13.07.2026
Kontakt
Einrichtung:
Kunstgewerbemuseum
E-Mail:
kgm@smb.spk-berlin.de