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Familienleben in einem Bauernhaus

Ident. Nr.: 380-11

ObjID: obj:455805

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Adriaen van Ostade (1610 - 1685),
Radierer*in
Datierung
Herstellung: 1648
Material / Technik
Radierung
Abmessungen
Plattenrand: 12,7 x 9,5 cm

Letzte Aktualisierung: 24.09.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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Die Imker

Die Imker

Eine Aufschrift, vom Künstler selbst auf eine Zeichnung geschrieben, gibt die Gewißheit, daß der Sinn der Darstellung von ihm genau überlegt war. In diesem Fall ist ihr Inhalt (»die das Nest kennen, die kennen es, der es raubt, der hat es«) nicht leicht mit dem Sichtbaren in Einklang zu bringen, ja erst die Aufschrift macht allesproblematisch. Üblicherweise gehört sie zu Darstellungen des Sprichworts vom Vogelnest, wo tölpische Bauern einen Knaben beobachten, der frech ein Nest ausnimmt, das sie ebenfalls gekannt hatten, ohne aber ihr Wissen zu nutzen. Auf unsere Darstellung angewendet hieße das, die Imker bereiten mit professioneller Umständlichkeit das Einfangen eines Bienenschwarms vor, den ihnen ein flinker Junge kühn wegschnappt, wobei er, auf Schutzkleidung verzichtend, die schmerzhaften Stiche in Kauf nimmt. Wir sehen jedoch keinen Schwarm, auch keinen Sack, mit dem der Junge die Bienen fangen könnte, sein Tun im Baum bleibt unklar. Hätte Bruegel diese Aussage geben wollen, hätte er sie deutlich gemacht. Insofern hat eine neuerlich vorgeschlagene politische Deutung der Szene viel für sich: Bildersturm und darauf folgende Massenhinrichtungen durch Alba in Brüssel (seit August 1567; uns vertraut durch Goethes Egmont und Schillers Don Carlos) hatten ohne Zweifel auch Bruegel tief erschüttert. Karel van Mander, der niederländische Künstlerbiograph (1604) überliefert, daß Bruegel auf dem Totenbett politisch anstößige Arbeiten durch seine Frau vernichten ließ. War die Aussage verschlüsselt genug, durfte das Blatt erhalten bleiben.Text: Hans Mielke in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 183f., Kat. IV.22 (mit weiterer Literatur)

Der Alchimist

Der Alchimist

Vorzeichnung im Gegensinn für einen Kupferstich, den der Verleger Hieronymus Cock in Antwerpen herausgab. - In einer liederlichen Alchimistenküche sitzt links an einem Pult ein Mann in Gelehrtentracht, die auch zu Bruegels Zeit schon um ca. 100 Jahre veraltet war. Mit der rechten Hand zeigt er in sein aufgeschlagenes Buch, wo die Worte ALGHE MIST (alles Mist) zu lesen sind. Daß sich dies negative Urteil auf das Treiben vor ihm bezieht, beweist seine weisende linke Hand. Neben dem Pult ein bösartiger Narr, der mit dem Blasebalg mehrere leere Schmelztiegel umstößt. Neben ihm die Hausmutter, deren Beutel leer ist. Das letzte Goldstück wirft soeben ihr Mann in den Schmelztiegel - aber wir wissen: es ist alles umsonst. Der Goldmacher scheitert, die Kinder hungern und suchen vergeblich etwas Eßbares im Schrank. Im Fensterausschnitt sehen wir die Eltern mit allen drei Kindern (jede Person ist deutlich wiederzuerkennen) auf eine alte Frau zueilen, die sie als Vertreterin des christlichen Armenhauses barmherzig aufnimmt; das Haus ist mit Kreuzen versehen, im Stich wurde »l'ospital« daran geschrieben.In dieser sehr realen Szene nimmt sich der altertümliche Gelehrte fremd aus. Er wird am ehesten verständlich bei Kenntnis der Bildtradition: in dem beliebten Blockbuch des 15. Jahrhunderts vom »Antichrist« fehlt nie die Szene: der Antichrist lehrt Gold machen. Die Einflüsterungen des Bösen verführen die schwachen, goldgierigen Menschen. Sie fallen in Armut, und ihr Sturz wäre rettungslos, finge nicht die christliche Nächstenliebe sie auf.Text: Hans Mielke in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 182f., Kat. IV.21 (mit weiterer Literatur)