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Glocke

Ident. Nr.: ÄM 15842

ObjID: obj:591861

Details (Expert)

Beteiligte
Otto Rubensohn (24.11.1867 - 9.8.1964),
Grabungsleiter*in
Datierung
Römische Kaiserzeit (Griechisch–Römische Zeit -> Ägypten)
Weitere Titel
Sammlungstitel: Glocke
Übersetzung: Bell
Geografische Bezüge
Material / Technik
Bronze (Material / Metall)
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 6,3 x 4,4 x 4,4 cm

Objektbeschreibung

Der Glockenkörper dieses Objektes besteht aus gegossener Bronze; am oberen Ende befindet sich eine vorgeformte Aufhängeöse.
Glocken sind keine moderne Erfindung. Aus Ton oder Bronze gefertigt, dienten sie schon in der Antike vielfältigen Zwecken. In Ägypten sind sie erst nach dem späten Neuen Reich (etwa um 1000 v. Chr.) archäologisch nachweisbar und wurden zunächst aus dem Nahen Osten importiert. Erst ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. treten Glocken häufiger auf. Obwohl sie ursprünglich kein regulärer Bestandteil von Grabbeigaben waren, nimmt ihre Verbreitung im Laufe der Zeit zu, bis sie in der ptolemäischen Zeit in einer breiteren Vielfalt von Kontexten erscheinen.
Glocken gehören zu der Instrumentengruppe der Idiophone („Selbstklinger“), die als Ganzes oder in Teilen selbst schwingend ihren Ton erzeugen. Aufgrund ihres hellen und klaren Tons fanden sie Verwendung bei Kulthandlungen und Tempelfesten, erfüllten jedoch zugleich schützende und magische Funktionen. Ihrem Klang schrieb man die Fähigkeit zu, böse Kräfte abzuwehren, wodurch sie sich auch als Amulette und Grabbeigaben etablierten, insbesondere im Zusammenhang mit Kindern.
Diese Vorstellung entspricht grundsätzlich der im Nahen Osten verbreiteten Idee von der apotropäischen Wirkung von Lärm. Diese Vorstellung war jedoch in der ägyptischen Kultur bereits angelegt. Die schützende Kraft von Musik war schon zuvor auf andere Instrumente – etwa Tamburine und Zimbeln – übertragen worden, was die schnelle Integration der Glocken in bestehende religiöse Praktiken erklärt.
Die schützende Bedeutung von Lärm war in Ägypten eng mit der Gottheit Bes verknüpft. Spätestens seit der Regierungszeit Amenophis’ III. (1388–1351 v. Chr.) zählt das Tamburin zu den charakteristischen Attributen des Bes, mit dem er in seiner Funktion als Beschützer von Kindern böse Geister vertreibt. Damit waren sowohl Bes als auch der rituelle Einsatz von Lärm bereits fest in einem Schutzkontext verankert, insbesondere im Hinblick auf Kinder. Vor diesem Hintergrund erscheint es plausibel, dass Glocken bewusst an diese bestehenden Traditionen anknüpften. Begünstigt durch die Schutzfunktion des Bes und seine Verbindung zu lärmenden Ritualpraktiken entwickelten sich Glocken zunehmend zu abstrakten Schutzamuletten und verloren dabei teilweise ihre ursprüngliche Funktion als Klanginstrumente.
Aufgrund ihres wiederholten Auftretens in Bestattungskontexten sind Glocken in Ägypten daher primär als Objekte ritueller Bedeutung zu verstehen. Zugleich erweiterte sich ihr Gebrauch über den rein funerären Kontext hinaus. Es ist anzunehmen, dass Glocken auch im Alltag getragen wurden. Darauf weist ihr häufiges Auftreten zusammen mit anderen Amuletten hin, die nachweislich zu Lebzeiten verwendet wurden und dem Schutz ihrer Träger dienten.
I. Regulski

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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Der einzigartige so genannte Berliner koptisch-gnostische Papyruskodex umfasst 141 Blätter und zeugt von den Auseinandersetzungen der verschiedenen Glaubensrichtungen der Zeit. Er enthält aus dem späten 4. Jahrhundert nach Christus mehrere apokryphe, das heißt nicht in den späteren biblischen Kanon aufgenommene Evangelien-Texte - so etwa das Apokryphon des Johannes, die Sophia Jesu Christi oder die Praxis des Petrus. Zusätzlich birgt dieser Kodex das Evangelium einer Frau, der Maria Magdalena. Die späteste Entwicklungsform der ägyptischen Sprache ist das Koptische, das mit griechischen Buchstaben und einigen ägyptischen Zusatzzeichen geschrieben wurde. Seit den ersten nachchristlichen Jahrhunderten wurde es in verschiedenen Dialekten gesprochen. Die Koptische Sprache wurde von den Christen Ägyptens verwendet und ist bis heute die Liturgiesprache der koptischen Kirche.Dieses Konvolut besteht aus 65 erhaltenen Blättern eines koptisch (sahidisch-subachuminisch) geschriebenen Papyrus-Codex, von Blatt 12 (= S. 23) an vollständig erhalten ist. Angeblich wurde der Codex in einer Mauerlücke gefunden. Aufgrund des Ankaufs bei einem Antiquitätenhändler in Achmin ist ein Fund vor Ort sehr wahrscheinlich. Es handelt sich um eine gnostische Sammelhandschrift mit drei Traktaten gnostisch-christlichen Inhalts, sowie Auszügen aus den Acta Petrie.1. Evangelium nach Maria Magdalena: Antworten auf Fragen nach dem Schicksal der Materia und dem Wesen der Sünde. Maria Magdalena spricht den Jüngern Mut zu. Dann berichtet sie über Offenbarungen die nur ihr mitgeteilt wurden. Maria Magdalena erscheint hier als Mittlerin und Verkünderin der gnostischen Lehre.2. Das Apokryphon des Johannes: Soll auf zwei große Fragen Antwort geben: wie ist das Böse in die Welt gekommen und wie kann sich der Mensch davon befreien? Erschaffungsgeschichte der Welt, des Paradieses und Adam, Sintflut.3. Sophia Jesu Christi: Die 12 Jünger und 7 Frauen sind auf einem Hügel in Galiläa versammelt. Christus erscheint und beantwortet Fragen.4. Auszüge aus den Acta Petri.V. Lepper

Hieroglyphischer Papyrus, Totenbuch des königlichen Schreibers Nacht-Amun

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Totenbücher gibt es seit dem Beginn des Neuen Reiches (um 1500 v. Chr.). In der vollständigen Ausgabe sind mehr als 200 Kapitel erhalten, man beschränkte sich aber häufig auf die wesentlichen Aussagen. Das Totenbuch wurde dem Verstorbenen in Form einer Papyrusrolle mitgegeben oder einzelne Kapitel wurden, auf Leinenbinden geschrieben, in die Mumie eingewickelt. Die Sprüche sollten dem Verstorbenen helfen, sich in der Unterwelt zurecht zu finden und sich korrekt gegenüber ihren Bewohnern, Göttern und Dämonen, zu verhalten, damit er als 'Verklärter' unter ihnen leben konnte.Bei keinem Totenbuch fehlt das 125. Kapitel, das das sogenannte 'Negative Sündenbekenntnis' enthält. In diesem rechtfertigt sich der Verstorbene vor den 42 Richtergottheiten, indem er beteuert, alle Sünden unterlassen zu haben. Die Szene zeigt das Totengericht: die Verstorbene wird zur Waage geführt, auf der ihr Herz (als Topf gezeichnet) gegen die Göttin Maat, dargestellt als hockende Frau mit einer Feder auf dem Kopf, aufgewogen wird. Hat sie maatgerecht, im Sinne der Weltordnung gelebt, wird die Verstorbene von dem mumiengestaltigen Unterweltsgott Osiris als 'gerechtfertigt' in das Jenseits aufgenommen. Besteht sie die Prüfung nicht, wird die große Fresserin, ein Untier bestehend aus Krokodilskopf, Löwenvorder- und Nilpferdhinterteil, ihr Herz endgültig verschlingen. Da für die Ägypter jede Darstellung die Realität widerspiegelt, wurde grundsätzlich ein positiver Ausgang des Gerichtes dargestellt, so dass die Verstorbene mit Hilfe dieses Papyrus sicher in die Unterwelt eintreten und das ewige Leben erreichen konnte.V. Lepper

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