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Linke Hälfte einer blonden weiblichen Maske mit Melonenfrisur und Strahlenkranz (Mosaikglas)

Ident. Nr.: ÄM 32261

ObjID: obj:596161

Details (Expert)

Datierung
spätes 1. Jh. v. Chr.–frühes 1. Jh. n. Chr.
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 3,3 x 1,55 x 0,4 cm

Objektbeschreibung

Das gut erhaltene Mosaikglasplättchen aus Ägypten stellt die linke Hälfte einer weiblichen Maske mit Melonenfrisur und Strahlenkranz in Frontalansicht dar. Auf rotem Hintergrund erkennt man das weiße Gesicht einer blonden Frau mit sorgfältig ausgearbeiteter Melonenfrisur, die von einem Band durchflochten und von einem Strahlenkranz überkrönt ist. Drei seitliche Korkenzieherlocken hängen herab. Für die Umrisslinie des Gesichts wurde ein violetter Farbton verwendet, mit dem auch die Mundöffnung und die Pupille ausgestattet sind. Die Konturen von Nase, Braue, Auge und Kinn sind in hellblauen Linien gezeichnet. Die Vorderseite des Glasplättchens ist glatt und glänzend geschliffen.
In der Regel wurden derartige Mosaikglasplättchen mit Darstellungen von menschlichen Gesichtern bei ihren Herstellungsprozessen jeweils nur eine Gesichtshälfte als Motiv gesetzt. Erst durch mittiges Aneinanderfügen an der vertikalen Achse eines zweiten spiegelverkehrten Plättchens desselben Mosaikglasstabs konnte ein vollständiges Bild entstehen. Vermutlich dienten sie als Einlagen für Kleinmöbel, die in einer Rahmung eingefasst, mit einer Glasplatte hinterfasst und anschließend in die Möbelstücke eingesetzt wurden.
Die auf den Mosaikglasplättchen frontal dargestellten, menschlichen Gesichter sind wahrscheinlich Repräsentationen von hellenistischen Theatermasken. Bei ÄM 32261 handelt es sich möglicherweise um eine Darstellung der Maske 40 im Onomastikon des Pollux (2. Jh. n. Chr.), der „Goldenen Hetäre“. Wenn man das gesamte Motivspektrum der Mosaikglaseinlagen betrachtet, fällt auf, dass die meisten Themen – überwiegend hellenistische Theatermasken neben den ägyptischen Hathor- und Bes-Darstellungen – in enger Verbindung mit Dionysos und/oder Hathor bzw. in einem ekstatischen Festkontext standen. Die Masken der Hetären sind auch dem Festcharakter im dionysischen oder hathor’schen Umfeld zuzuordnen. Es könnte sein, dass die ehemals damit verzierten Gegenstände ebenfalls in diesem Zusammenhang der Festlichkeiten gesehen werden müssen. Die Bevorzugung der profanen Themen für die ägyptischen Mosaikglaseinlagen spiegelt nicht nur den vorherrschenden luxuriösen Geschmack einer damaligen privaten Schicht wider, sondern auch das politisch-ideologische Programm der Zeit.
(I. Liao nach: Mahnke, C., Alexandrinische Mosaikglaseinlagen. Die Typologie, Systematik und Herstellung von Gesichterdarstellungen in der ptolemäischen Glaskunst, PHILIPPIKA. Marburger altertumskundliche Abhandlungen 22, Wiesbaden 2008, S. 59f., 147f.)

Letzte Aktualisierung: 25.08.2025

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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"Die Figur wiederholt einen Typ der Standfigur des Mittleren Reiches, der den Dargestellten in einem „Mantel“ kleidete, der als Tuch unterhalb der Brust um den Körper gelegt wurde. Dieser Mantel ist aber in der Spätzeit tatsächlich noch getragen worden, so auch von den Priestern bei Prozessionen. Sehr selten ist die Armhaltung, das linke Bein ist sehr weit vorgesetzt, so daß von der Darstellung eines wirklichen Ausschreitens gesprochen werden müßte. Der Mann ist als Priester kahlgeschoren, das Gesicht mit den unregelmäßig angesetzten Augen ein typisches Beispiel für die Art des idealisierenden Kunstschaffens dieser Zeit. Auch die Körperformen sind schematisch, Ober- und Unterarm ungeschickt aneinandergefügt. Die leichte Neigung des Kopfes mit der hohen Stirn, die etwas über der Nasenwurzel zusammengezogenen Augenbrauen und der leise lächelnde Mund hinterlassen zusammen mit der Armhaltung und dem ruhigen geschlossenen Körper insgesamt den Eindruck eines über den Alltäglichkeiten des Lebens stehenden, in seine Gedanken versunkenen, ganz der Welt des Göttlichen hingegebenen Menschen. Die senkrechte Zeile auf dem Gewande enthält die Angaben zur Person. Die Datierung der Figur ergibt sich durch den Namen des Vaters („Amasis bleibt im Palast“), wonach er zur Zeit des Königs Amasis (um 570-526 v. Chr.) geboren sein müßte."Aus: Priese, Karl-Heinz, in: Priese, K.-H. (Hrsg.), Ägyptisches Museum Berlin, Museumsinsel Berlin, Mainz 1991, S. 174 (Kat. 104).