Logo

Gemme mit Darstellung der Göttin Isis mit Harpokrates

Ident. Nr.: ÄM 9780

ObjID: obj:601998

Details (Expert)

Beteiligte
Antiquarium, Königliche Museen zu Berlin (1830 - 1918),
Vorbesitzer*in
Datierung
Historische Datierung: 2. Jh. n. Chr.
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 1,35 x 1,2 x 0,25 cm

Objektbeschreibung

Diese scheibenförmige Gemme ist durchscheinend und einseitig mithilfe der Intaglio-Technik bearbeitet. Ihre Vorderseite ist fast gänzlich von dem Motiv zweier anthropomorpher Figuren ausgefüllt: Auf einem Sessel mit einem massiven, als Löwentatze deutbaren Fuß und hoher Rückenlehne, sitzt eine Frauengestalt, die ein kleines Kind auf dem Schoß trägt. Dabei handelt es um die Göttin Isis und um den Kindsgott Harpokrates, die hier in ihrer graeco-ägyptischen Darstellungskonvention wiedergegeben sind. Die Isis-Darstellung erfolgt im nach links gewandten Profil. Unter ihrem nicht klar erkennbaren Kopfputz, der wahrscheinlich ihre Attribute Kuhgehörn und Sonnenscheibe darstellt, fallen lange Locken über ihre Brust, Schultern und Rücken. Ihr Oberkörper ist unbekleidet, während sie etwa ab Bauchhöhe einen Chiton samt übergeworfenem Mantel trägt, der bis zu den Füßen reicht. Der Faltenwurf des letzteren ist klar erkennbar. Isis‘ Blick und ihr angewinkelter linker Arm sind dem auf ihrem Schoß sitzenden, nackten Harpokrates zugewandt, mit dem sie zu spielen scheint. Harpokrates, der etwa ein Viertel der dargestellten Größe der Isis ausmacht, trägt einen nicht eindeutig identifizierbaren Kopfputz und streckt seinen rechten Arm dem linken Arm der Isis entgegen. Die Gemme ist etwa in die erste Hälfte des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts zu datieren und stellt ein Beispiel für einen seit dem Hellenismus verbreiteten Typ der Isis lactans dar, dessen ikonographische Nachwirkung bis in die christliche Zeit in Form der Maria lactans bezeugbar ist. Als Herkunftsort der Gemme ist Alexandrien anzunehmen.
(Alberto Alfredo Winterberg)

Letzte Aktualisierung: 25.08.2025

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Statuette des Priesters Hori

Statuette des Priesters Hori

"Die Figur wiederholt einen Typ der Standfigur des Mittleren Reiches, der den Dargestellten in einem „Mantel“ kleidete, der als Tuch unterhalb der Brust um den Körper gelegt wurde. Dieser Mantel ist aber in der Spätzeit tatsächlich noch getragen worden, so auch von den Priestern bei Prozessionen. Sehr selten ist die Armhaltung, das linke Bein ist sehr weit vorgesetzt, so daß von der Darstellung eines wirklichen Ausschreitens gesprochen werden müßte. Der Mann ist als Priester kahlgeschoren, das Gesicht mit den unregelmäßig angesetzten Augen ein typisches Beispiel für die Art des idealisierenden Kunstschaffens dieser Zeit. Auch die Körperformen sind schematisch, Ober- und Unterarm ungeschickt aneinandergefügt. Die leichte Neigung des Kopfes mit der hohen Stirn, die etwas über der Nasenwurzel zusammengezogenen Augenbrauen und der leise lächelnde Mund hinterlassen zusammen mit der Armhaltung und dem ruhigen geschlossenen Körper insgesamt den Eindruck eines über den Alltäglichkeiten des Lebens stehenden, in seine Gedanken versunkenen, ganz der Welt des Göttlichen hingegebenen Menschen. Die senkrechte Zeile auf dem Gewande enthält die Angaben zur Person. Die Datierung der Figur ergibt sich durch den Namen des Vaters („Amasis bleibt im Palast“), wonach er zur Zeit des Königs Amasis (um 570-526 v. Chr.) geboren sein müßte."Aus: Priese, Karl-Heinz, in: Priese, K.-H. (Hrsg.), Ägyptisches Museum Berlin, Museumsinsel Berlin, Mainz 1991, S. 174 (Kat. 104).