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Kugeliges Gefäß mit kurzem Hals und Lotosdekor

Ident. Nr.: ÄM 20856

ObjID: obj:606459

Details (Expert)

Beteiligte
Francis Llewellyn Griffith (27.5.1862 - 14.3.1934),
Grabungsleiter*in
Datierung
Historische Datierung: Meroitisch bis Post-Meroitisch
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Durchmesser: 18 x 16,5 cm

Objektbeschreibung

Dieses Prunkgefäß wurde in einem Kindergrab gefunden, in welchem es hinter dem Kopf des Verstorbenen platziert wurde. Des Weiteren fanden sich in dem Grab zahlreiche Perlen unterschiedlichen Materials sowie weitere Gefäße, was vermuten lässt, dass es sich um ein Kind aus dem elitären Bereich handeln muss. Direkt unterhalb des kurzen, engen Halses beginnt die Bemalung, die ca. in der Mitte des Bauches endet. Die Schultern sind mit jeweils zwei horizontalen, schwarzen Linien versehen, zwischen denen sich in Rot ausgemalte Kugeln befinden, welche durch ein schwarzes Streifenband verbunden sind. Im Bereich des Bauches wurde zunächst, wie auch im Schulterbereich, eine Umrisszeichnung mit schwarzer Farbe vorgenommen, bevor einige Bereiche mit roter Farbe koloriert wurden. Die Ornamente stammen allesamt aus dem floralen Bereich und zeigen Lotosblumen in unterschiedlichen Wachstumsstadien. So ist stets zentral eine geöffnete Blüte auf einem hohen, geraden Stängel zu sehen, die von zwei Lotosknospen auf kurzen Stängeln eingerahmt wird. Daneben steht wiederum eine geöffnete Blüte, allerdings mit einem kürzeren Stängel. Die Lotosblume ist eines der häufigsten Motive auf meroitischer Keramik. Durch das tägliche Öffnen der Blüte und ihrer Verbindung zum Wasser ist sie bereits in frühester Zeit zu einem Symbol der Wiedergeburt geworden. Nach der heliopolitanischen Kosmogonie war sie sogar das erste Lebewesen, welches vom Urozean erschaffen wurde, was den religiösen Charakter der Pflanze untermauert. Den Abschluss der Dekoration bilden wiederum zwei horizontale schwarze Linien, die zugleich als Standlinie der Flora dienen. Aufgrund der klaren Linienführung, der undekorierten unteren Gefäßhälfte und der Kugelkette im Schulterbereich kann dieses Gefäß innerhalb der meroitischen Kunst der „akademischen Schule“ zugewiesen werden. Im unteren Bereich des Bauches sind Verfärbungen zu erkennen, welche möglicherweise durch die Bestückung im Ofen hervorgerufen wurden. Die vielen kleinen Ausbrüche, welche sich über das Gefäß ziehen, resultieren aus dem im Ton vorhandenen Kalkeinschlüssen.
(N. Overesch)

Letzte Aktualisierung: 25.08.2025

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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Statuette des Priesters Hori

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"Die Figur wiederholt einen Typ der Standfigur des Mittleren Reiches, der den Dargestellten in einem „Mantel“ kleidete, der als Tuch unterhalb der Brust um den Körper gelegt wurde. Dieser Mantel ist aber in der Spätzeit tatsächlich noch getragen worden, so auch von den Priestern bei Prozessionen. Sehr selten ist die Armhaltung, das linke Bein ist sehr weit vorgesetzt, so daß von der Darstellung eines wirklichen Ausschreitens gesprochen werden müßte. Der Mann ist als Priester kahlgeschoren, das Gesicht mit den unregelmäßig angesetzten Augen ein typisches Beispiel für die Art des idealisierenden Kunstschaffens dieser Zeit. Auch die Körperformen sind schematisch, Ober- und Unterarm ungeschickt aneinandergefügt. Die leichte Neigung des Kopfes mit der hohen Stirn, die etwas über der Nasenwurzel zusammengezogenen Augenbrauen und der leise lächelnde Mund hinterlassen zusammen mit der Armhaltung und dem ruhigen geschlossenen Körper insgesamt den Eindruck eines über den Alltäglichkeiten des Lebens stehenden, in seine Gedanken versunkenen, ganz der Welt des Göttlichen hingegebenen Menschen. Die senkrechte Zeile auf dem Gewande enthält die Angaben zur Person. Die Datierung der Figur ergibt sich durch den Namen des Vaters („Amasis bleibt im Palast“), wonach er zur Zeit des Königs Amasis (um 570-526 v. Chr.) geboren sein müßte."Aus: Priese, Karl-Heinz, in: Priese, K.-H. (Hrsg.), Ägyptisches Museum Berlin, Museumsinsel Berlin, Mainz 1991, S. 174 (Kat. 104).