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Kopflose Ba-Statue eines meroitischen Würdenträgers

Ident. Nr.: ÄM 22640

ObjID: obj:606476

Details (Expert)

Beteiligte
Heinrich Schäfer (29.10.1868 - 6.4.1957),
Vorbesitzer*in
Datierung
Historische Datierung: "Spät"-Meroitisch
Datierung engl.: Late Meroitic
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 33,8 x 17,3 x 32 cm

Objektbeschreibung

Auf einem rechteckigen, ebenen Podest, welches an den Seiten nur grob behauen ist, steht eine männliche Figur mit langen, stark stilisierten Vogelflügeln am Rücken. Sein Oberkörper verläuft nach unten hin schmaler, sodass die Arme verhältnismäßig weit vom Körper entfernt hängen. Lediglich die Brustmuskeln und der Nabel sind leicht angedeutet. Die rechte Hand ist in ausgestreckter Innenansicht dargestellt, von der abwärts ein längliches, leicht gewelltes Objekt bis zur Basis verläuft. Dabei könnte es sich im Vergleich mit anderen Exemplaren womöglich um einen ungelenk ausgeführten Stab handeln. Die linke Hand hält ebenfalls einen Gegenstand in der Faust, Parallelen zeigen an dieser Stelle oft ein Tuch oder Ähnliches. Über den Unterkörper trägt er einen langen, dreiecksförmigen Schurz, unter dem die Füße hervorgucken und der den Status als Würdenträger signalisiert. Der Kopf dieser Statue fehlte bereits bei dessen Kauf durch Heinrich Schäfer im Zuge der Zweiten Philae-Expedition 1909/10, dessen Überstellung nach Berlin erst im Jahre 1926 erfolgte.
Ba-Statuen lassen sich hauptsächlich in Unternubien finden und bezeugen sowohl männliche als auch weibliche Exemplare. An einem der Hauptfundorte, in Karanog, wurden insgesamt 120 Ba-Statuen entdeckt, einige sogar noch mit Resten von Bemalung der Hautfarbe und der Kleidung. Sobald diese vollständig ausgebildet sind, stellen diese stets eine menschliche Figur mit Flügeln dar. Nach dem ägyptischen Vorbild sollen diese Wesen den beweglichen Teil der Seele des Verstorbenen darstellen, wurden aber insoweit neu interpretiert, dass sie in Nubien als großformatige Rundbilder gearbeitet wurden und zudem keinen Vogelkörper aufweisen. Aufgestellt wurden sie entweder in kleinen Kultkapellen im Osten der Gräber oder in einer Nische über dem Eingang zur Kapelle. Diese Objektgruppe war lediglich Mitgliedern der Elite vorbehalten.
(N. Overesch)

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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Koptischer Papyrus mit einer gnostischen Sammelhandschrift (Evangelium nach Maria; Apokryphon nach Johannes; Sophia Jesu Christi; Acta Pauli)

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Der einzigartige so genannte Berliner koptisch-gnostische Papyruskodex umfasst 141 Blätter und zeugt von den Auseinandersetzungen der verschiedenen Glaubensrichtungen der Zeit. Er enthält aus dem späten 4. Jahrhundert nach Christus mehrere apokryphe, das heißt nicht in den späteren biblischen Kanon aufgenommene Evangelien-Texte - so etwa das Apokryphon des Johannes, die Sophia Jesu Christi oder die Praxis des Petrus. Zusätzlich birgt dieser Kodex das Evangelium einer Frau, der Maria Magdalena. Die späteste Entwicklungsform der ägyptischen Sprache ist das Koptische, das mit griechischen Buchstaben und einigen ägyptischen Zusatzzeichen geschrieben wurde. Seit den ersten nachchristlichen Jahrhunderten wurde es in verschiedenen Dialekten gesprochen. Die Koptische Sprache wurde von den Christen Ägyptens verwendet und ist bis heute die Liturgiesprache der koptischen Kirche.Dieses Konvolut besteht aus 65 erhaltenen Blättern eines koptisch (sahidisch-subachuminisch) geschriebenen Papyrus-Codex, von Blatt 12 (= S. 23) an vollständig erhalten ist. Angeblich wurde der Codex in einer Mauerlücke gefunden. Aufgrund des Ankaufs bei einem Antiquitätenhändler in Achmin ist ein Fund vor Ort sehr wahrscheinlich. Es handelt sich um eine gnostische Sammelhandschrift mit drei Traktaten gnostisch-christlichen Inhalts, sowie Auszügen aus den Acta Petrie.1. Evangelium nach Maria Magdalena: Antworten auf Fragen nach dem Schicksal der Materia und dem Wesen der Sünde. Maria Magdalena spricht den Jüngern Mut zu. Dann berichtet sie über Offenbarungen die nur ihr mitgeteilt wurden. Maria Magdalena erscheint hier als Mittlerin und Verkünderin der gnostischen Lehre.2. Das Apokryphon des Johannes: Soll auf zwei große Fragen Antwort geben: wie ist das Böse in die Welt gekommen und wie kann sich der Mensch davon befreien? Erschaffungsgeschichte der Welt, des Paradieses und Adam, Sintflut.3. Sophia Jesu Christi: Die 12 Jünger und 7 Frauen sind auf einem Hügel in Galiläa versammelt. Christus erscheint und beantwortet Fragen.4. Auszüge aus den Acta Petri.V. Lepper

Hieroglyphischer Papyrus, Totenbuch des königlichen Schreibers Nacht-Amun

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Totenbücher gibt es seit dem Beginn des Neuen Reiches (um 1500 v. Chr.). In der vollständigen Ausgabe sind mehr als 200 Kapitel erhalten, man beschränkte sich aber häufig auf die wesentlichen Aussagen. Das Totenbuch wurde dem Verstorbenen in Form einer Papyrusrolle mitgegeben oder einzelne Kapitel wurden, auf Leinenbinden geschrieben, in die Mumie eingewickelt. Die Sprüche sollten dem Verstorbenen helfen, sich in der Unterwelt zurecht zu finden und sich korrekt gegenüber ihren Bewohnern, Göttern und Dämonen, zu verhalten, damit er als 'Verklärter' unter ihnen leben konnte.Bei keinem Totenbuch fehlt das 125. Kapitel, das das sogenannte 'Negative Sündenbekenntnis' enthält. In diesem rechtfertigt sich der Verstorbene vor den 42 Richtergottheiten, indem er beteuert, alle Sünden unterlassen zu haben. Die Szene zeigt das Totengericht: die Verstorbene wird zur Waage geführt, auf der ihr Herz (als Topf gezeichnet) gegen die Göttin Maat, dargestellt als hockende Frau mit einer Feder auf dem Kopf, aufgewogen wird. Hat sie maatgerecht, im Sinne der Weltordnung gelebt, wird die Verstorbene von dem mumiengestaltigen Unterweltsgott Osiris als 'gerechtfertigt' in das Jenseits aufgenommen. Besteht sie die Prüfung nicht, wird die große Fresserin, ein Untier bestehend aus Krokodilskopf, Löwenvorder- und Nilpferdhinterteil, ihr Herz endgültig verschlingen. Da für die Ägypter jede Darstellung die Realität widerspiegelt, wurde grundsätzlich ein positiver Ausgang des Gerichtes dargestellt, so dass die Verstorbene mit Hilfe dieses Papyrus sicher in die Unterwelt eintreten und das ewige Leben erreichen konnte.V. Lepper

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