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Unterteil eines Gegengewichts (Menit) des Harsiese, Hoherpriester des Amun von Theben

Ident. Nr.: ÄM 23733

ObjID: obj:606861

Details (Expert)

Beteiligte
Friedrich Wilhelm von Bissing (22.4.1873 - 12.1.1956),
Vorbesitzer*in
Datierung
Historische Datierung: Takelot I.
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 7,7 x 9,7 x 0,4 cm

Objektbeschreibung

Die leicht gewölbte Bronzeplatte, die reichlich mit Kupfer-, Silber- und Goldeinlagen dekoriert ist, ist der Unterteil eines Gegengewichts, eines sog. Menits. Ein Menit, das aus einem Strang von Perlenketten und einem Gegengewicht besteht, ist zugleich Schmuckstück, Rasselinstrument und Kultsymbol der Göttin Hathor.
Im ovalen zentralen Bildfeld ist links eine löwenköpfige Göttin thronend dargestellt. Sie hält in ihren Händen ein Anch-Zeichen und ein sogenanntes Wadjet-Zepter, dessen Oberteil die Form einer Papyrusdolde – Symbol des Wachstums – annimmt. Die Inschrift vor der Göttin bezeichnet sie als „Mut-Sachmet-Bastet“. Die drei Göttinnen, die alle löwenköpfig auftreten können, sind also hier zu einer verschmolzen. Ihr gegenüber steht ein nackt dargestelltes Kind mit seitlicher Jugendlocke und einer Kappe mit der Uräusschlange an der Stirn. Die Uräusschlange an seinem Kopfschmuck weist hin als königliche Person aus. Er reicht Sachmet ein Sistrum mit dem Gesicht der Göttin Bat; in seiner anderen Hand hält er ein Menit. Die Inschriften zwischen Sachmet und dem Kind kennzeichnet es als der Priester, Stadtvorsteher und Wesir namens Harsiese aus. Die zwei zentralen Figuren werden von den Schutzgöttinnen der beiden Landesteile Ägyptens auf ihren Wappenpflanzen, die Geiergöttin Nechbet auf den Lotusdolden für Oberägypten und die Uräusschlangengöttin Uto auf den Papyruspflanzen für Unterägypten, flankiert. Des Weiteren füllen das mittige Zeichen für die Vereinigung der beiden Länder sowie jeweils seitlich davon zwei Rechit-Vögel über Körben, die für die Urbevölkerung Ägyptens stehen, den Platz unterhalb der Standlinie.
Harsiese, dessen Name wörtlich „Horus, Sohn der Isis“ heißt, regierte als Hohepriester von Amun in Theben als Gegenkönig zu dem libyschen Herrscher Takelot I. in Unterägypten in der 22. Dynastie (Dritte Zwischenzeit). Er nimmt in dieser Szene auf dem Menit die Ikonographie des gleichnamentlichen Kindgottes an und präsentiert sich als göttlich legimitierter Regent über das Gesamtägypten vor der löwenköpfigen Göttin. Auch wenn Harsiese in Wirklichkeit lediglich ein Lokalherrscher war, nutzte er das Objekt als symbolische Manifestation seines politischen Anspruchs bzw. seiner „Pseudoherrschaft“ über die beiden Landesteile.
(I. Liao)

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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Der einzigartige so genannte Berliner koptisch-gnostische Papyruskodex umfasst 141 Blätter und zeugt von den Auseinandersetzungen der verschiedenen Glaubensrichtungen der Zeit. Er enthält aus dem späten 4. Jahrhundert nach Christus mehrere apokryphe, das heißt nicht in den späteren biblischen Kanon aufgenommene Evangelien-Texte - so etwa das Apokryphon des Johannes, die Sophia Jesu Christi oder die Praxis des Petrus. Zusätzlich birgt dieser Kodex das Evangelium einer Frau, der Maria Magdalena. Die späteste Entwicklungsform der ägyptischen Sprache ist das Koptische, das mit griechischen Buchstaben und einigen ägyptischen Zusatzzeichen geschrieben wurde. Seit den ersten nachchristlichen Jahrhunderten wurde es in verschiedenen Dialekten gesprochen. Die Koptische Sprache wurde von den Christen Ägyptens verwendet und ist bis heute die Liturgiesprache der koptischen Kirche.Dieses Konvolut besteht aus 65 erhaltenen Blättern eines koptisch (sahidisch-subachuminisch) geschriebenen Papyrus-Codex, von Blatt 12 (= S. 23) an vollständig erhalten ist. Angeblich wurde der Codex in einer Mauerlücke gefunden. Aufgrund des Ankaufs bei einem Antiquitätenhändler in Achmin ist ein Fund vor Ort sehr wahrscheinlich. Es handelt sich um eine gnostische Sammelhandschrift mit drei Traktaten gnostisch-christlichen Inhalts, sowie Auszügen aus den Acta Petrie.1. Evangelium nach Maria Magdalena: Antworten auf Fragen nach dem Schicksal der Materia und dem Wesen der Sünde. Maria Magdalena spricht den Jüngern Mut zu. Dann berichtet sie über Offenbarungen die nur ihr mitgeteilt wurden. Maria Magdalena erscheint hier als Mittlerin und Verkünderin der gnostischen Lehre.2. Das Apokryphon des Johannes: Soll auf zwei große Fragen Antwort geben: wie ist das Böse in die Welt gekommen und wie kann sich der Mensch davon befreien? Erschaffungsgeschichte der Welt, des Paradieses und Adam, Sintflut.3. Sophia Jesu Christi: Die 12 Jünger und 7 Frauen sind auf einem Hügel in Galiläa versammelt. Christus erscheint und beantwortet Fragen.4. Auszüge aus den Acta Petri.V. Lepper

Hieroglyphischer Papyrus, Totenbuch des königlichen Schreibers Nacht-Amun

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Totenbücher gibt es seit dem Beginn des Neuen Reiches (um 1500 v. Chr.). In der vollständigen Ausgabe sind mehr als 200 Kapitel erhalten, man beschränkte sich aber häufig auf die wesentlichen Aussagen. Das Totenbuch wurde dem Verstorbenen in Form einer Papyrusrolle mitgegeben oder einzelne Kapitel wurden, auf Leinenbinden geschrieben, in die Mumie eingewickelt. Die Sprüche sollten dem Verstorbenen helfen, sich in der Unterwelt zurecht zu finden und sich korrekt gegenüber ihren Bewohnern, Göttern und Dämonen, zu verhalten, damit er als 'Verklärter' unter ihnen leben konnte.Bei keinem Totenbuch fehlt das 125. Kapitel, das das sogenannte 'Negative Sündenbekenntnis' enthält. In diesem rechtfertigt sich der Verstorbene vor den 42 Richtergottheiten, indem er beteuert, alle Sünden unterlassen zu haben. Die Szene zeigt das Totengericht: die Verstorbene wird zur Waage geführt, auf der ihr Herz (als Topf gezeichnet) gegen die Göttin Maat, dargestellt als hockende Frau mit einer Feder auf dem Kopf, aufgewogen wird. Hat sie maatgerecht, im Sinne der Weltordnung gelebt, wird die Verstorbene von dem mumiengestaltigen Unterweltsgott Osiris als 'gerechtfertigt' in das Jenseits aufgenommen. Besteht sie die Prüfung nicht, wird die große Fresserin, ein Untier bestehend aus Krokodilskopf, Löwenvorder- und Nilpferdhinterteil, ihr Herz endgültig verschlingen. Da für die Ägypter jede Darstellung die Realität widerspiegelt, wurde grundsätzlich ein positiver Ausgang des Gerichtes dargestellt, so dass die Verstorbene mit Hilfe dieses Papyrus sicher in die Unterwelt eintreten und das ewige Leben erreichen konnte.V. Lepper

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