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Pfostensarg der Schwestern Sensaos und Tkauthi

Ident. Nr.: ÄM 505/01

ObjID: obj:757404

Details (Expert)

Datierung
2. Jh. n. Chr. (Griechisch–Römische Zeit -> Ägypten)
Weitere Titel
Sammlungstitel: Pfostensarg der Schwestern Sensaos und Tkauthi
Übersetzung: Coffin of the sisters Sensaos and Tkauthi
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 106 x 46,5 x 47 cm

Objektbeschreibung

Sensaos und Tkauthi sind die Namen der beiden jungen Töchter des Pollius Soter. Auf dem Sargdeckel befindet sich sowohl eine hieroglyphische als auch eine griechische Inschrift, die die Namen der bestatteten Kinder und ihrer Mutter Kleopatra nennt. Beide Schwestern erreichten nie ihr fünftes Lebensjahr. Sie starben im Alter von 4 Jahren, 4 Tagen, und im Alter von 2 Jahren, 10 Monaten, und 20 Tagen.
Die Entdeckung des Grabes ihres Vaters zu Anfang des 19. Jahrhunderts war ein Wendepunkt für die Kategorisierung römischer Grabaustattungen in Theben-West. Die Funde des Grabes, vor allem mehrere griechisch-römische Särge, verstreuten sich aufgrund der Mitwirkung von Antikenhändlern nach Paris, Turin, London und Berlin. Aufgrund der möglichen Datierung mehrerer Familienmitglieder, unter anderem Pollius Soter und seiner Frau Kleopatra, kann deren Lebenszeit in das späte 1. und in das frühe 2. Jahrhundert nach Christus eingeordnet werden.
Der hölzerne Sarg der Schwestern gehört zum Typ des Pfostensarges. Diese gelten als eine der prägenden Sargtypen der sogenannten „Soter-Gruppe“ und wurden in der privaten Grabkultur in Theben während der gesamten römischen Zeit verwendet. Die Bogenform des Deckels symbolisiert die Wölbung des Himmels, welcher von den vier Ecken der Erde gestützt wird, die durch die Pfosten dargestellt werden. 
Die flache Bodenplatte weist an dessen Ecken vier quadratische Löcher für das Aufsetzen der Sargwanne auf. An den Seiten befinden sich vier Schlitze zur Befestigung mithilfe von Holzzapfen. 
Die aufgemalte Dekoration zeigt das Ganzkörperabbild einer jungen Frau, welche von floralen Ornamenten umgeben ist. Trotz einer fehlenden textlichen Bezeichnung kann diese ikonographisch als Himmelsgöttin Nut identifiziert werden, die zu der Zeit regelmäßig auf den Böden thebanischer Särge dargestellt wurde. Ihr Haupt schmückt ein filigraner Kranz aus zartrosa Blüten. Das lockige Haar der Göttin ist in der Mitte gescheitelt und weitet sich nach unten aus, bis es kurz hinter ihren Schultern endet. Ihre mehrfarbigen Perlen-Kreolen sind Teil der Mode des 1. und 2. Jahrhunderts nach Christus, was mit der Datierung der Familie von Sensaos und Tkauthi übereinstimmt. Ihr Kopf wird flankiert von zwei knienden trauernden Frauen, die aufgrund ihrer Erscheinung auf anderen Särgen dieses Typus als Göttinnen Isis und Nephtys identifiziert werden können. Über der Tunika trägt sie ein Trägerkleid, welches bis zu ihren Knöcheln reicht und vertikal gestreift ist. Schlangenförmige Armbänder schmücken beide Handgelenke. Unterhalb der Hände breitet sich ein zweites mantelähnliches Gewand aus, welches ein weiteres Merkmal dieser Darstellungsform der Nut ist. Die Punkte und Kreise, mit denen das Gewand dekoriert ist, gleichen in ihrer Farbigkeit den Ohrringen. Zudem sitzen zwei Schakale neben den Füßen und tragen Schlüssel um ihren Hals als begleitendes Motiv.
Am Kopfende des Sarges dominiert ein Falke mit ausgebreiteten Flügeln und gespreizten Beinen die obere Hälfte, während zwei unter ihm liegende Schakale wachsam zueinander schauen. Das äußere Fußende des Sarges zeigt den falkenköpfigen Gott Horus und den ibisköpfigen Thoth, welche eine Mumie besprengen. Die Bemalung wird von einer plastisch herausgearbeitete Tempel- oder Schreinfront mit je einer Säule auf beiden Seiten umrahmt. Der Architrav zeigt eine geflügelte Sonnenscheibe und ist an dessen oberen Kante mit friesähnlichen Ornamenten verziert.
Die Seiten zeigen rechts den thronenden Gott Osiris mit seiner Frau, der Göttin Isis, vor einem Opfertisch und links eine Balsamierungsszene. Anubis präpariert einen auf einer Löwenbarke liegenden Leichnam und ist auf beiden Seiten von trauernden Frauen umgeben. Unter der Bahre stehen jeweils zwei Kanopen für die Aufbewahrung der Eingeweide der Toten, die einerseits falken- als auch schakalköpfig ausgearbeitet sind.
Mit einer Kombination aus traditionellen Motiven als auch thebanischen Darstellungen der römischen Zeit gibt der Sarg der Sensaos und der Tkauthi einen Einblick in die Bestattungsassemblage einer von hoher Kindersterblichkeit geprägten Zeit.
A. Gantenbrink

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Zylindergefäß mit der Kartusche der Königin Hatschepsut

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In Ägypten war das Errichten von Gebäuden immer von Riten und Feierlichkeiten begleitet. Am Beginn dieser Zeremonie wurde der Platz mit Schnüren markiert und es erfolgte eine Art Grundsteinlegung, wie wir sie noch heute pflegen.Archäologisch lassen sich von diesen Riten die sogenannten Gründungsgruben nachweisen. Diese Gruben waren unter den Mauern und Ecken von Tempeln angelegt. In ihnen lagen u. a. Gefäße, Werkzeuge und Baumaterialien in Miniaturformat und Knochen sowie Schädel von Opfertieren.In Deir el-Bahari wurden nicht weniger als sechzehn Gründungsdepots der Königin Hatschepsut gefunden. Ein Großteil von ihnen kam im Jahre 1896 als Geschenk der Egypt Exploration Society nach Berlin, die zu dieser Zeit Ausgrabungen in Ägypten finanzierte. Weitere Beigaben (ÄM 20458-20461) gelangten in die Hände eines Antikenhändlers in Luxor und wurden erst im Jahre 1912 vom Ägyptischen Museum gekauft. Auf dem Gefäß, das ursprünglich mit einerm Deckel verschlossen war, befindet sich eine längere Inschrift: "Der gute Gott Maatkare machte es als ein Denkmal für seinen Vater Amun-Re, den Herrn des Himmels: Strickspannen des Amundjeserdjeseru, damit sie lebe.". Damit wird deutlich, dass das Gefäß anläßlich der Gründungszeremonie beschriftet womöglich sogar zu diesem Anlass gefertigt wurde.Nach: Geheimnisvolle Königin Hatschepsut. Ägyptische Kunst des 15. Jahrhunderts v. Chr., hrsg. v. Aksamit, Joanna und Wolniak, Izabela, Warschau 1997, S. 125-128 (J. Lipińska).

Schale in Form eines Seerosenblattes

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Die Schale in Form eines auf dem Wasser schwimmenden Seerosenblattes wurde von Borchardt am 20. Dezember 1912 zusammen mit fünf Kohlestückchen und einem Siegelabdruck, der den König als schreitenden Sphinx zeigt, in einen Tontopf gebettet gefunden. Der Raum, in welchem die Objekte zutage traten, schließt sich direkt an das ehemalige Schlafzimmer des Hauses an und scheint eine Art Nebenkammer gewesen zu sein. Die Schale ist auf beiden Seiten grün bemalt und von herausragender Qualität. Das Motiv des Seerosenblattes reiht sich zudem stringent in den Kontext von Kosmetikgefäßen mit aquatischen und floralen Mustern ein. Neben Salb- und Ölgefäßen in Form von Fischen, Enten und Schwimmerinnen existieren auch Kohlpötte und Schminktöpfchen mit Lotos- und Pflanzenapplikationen. Die Frauen der damaligen Gesellschaft schufen sich somit einen Kosmetikbereich, der an die Reinheit von Wasser und den Wohlgeruch der dort heimischen Flora erinnerte. Während die Blüten der Nymphaea häufig dargestellt werden, ist das Motiv des Seerosenblattes eher selten anzutreffen. Womöglich wurde hier die spezielle Funktion der Blätter als Empfänger des Sonnenlichts in bildliche Form umgesetzt. Dass die ehemalige Besitzerin Gefallen an derartigen Stücken gefunden hatte, beweist der Fund von Fragmenten einer großen Alabasterschale im selben Haus, welche die Form einer Muschel nachahmt.Aus: Weber, A., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 256 (Kat.-Nr. 37).

Büste des Gottes Serapis

Büste des Gottes Serapis

Eine wichtige Gottheit des ptolemäisch-römischen Ägypten war Serapis. Spätestens unter Ptolemaios’ III. Euergetes, womöglich aber bereits unter Ptolemaios’ I. Soter, wurde der Kult dieses Gottes etabliert. In den Überlieferungen finden sich verschiedene Angaben zu seiner Herkunft. Demnach wurde der tote Apis-Stier zu Osiris, ein Osiris-Apis, verschmolz zu Serapis und übernahm somit unterweltliche Aspekte. Diesem späteren Universalgott wurde in Alexandria ein großes Heiligtum geweiht, von wo aus er einen unvergleichlichen Aufstieg im Mittelmeerraum erlebte. Serapis entwickelte sich zum Stadtgott der Metropole Alexandria, einer griechischen Neugründung des ausgehenden 4. Jh. v. Chr. In dem dortigen Serapeion, dem größten Heiligtum der Stadt, stand das Kultbild des Gottes. Wenn auch unzählige römerzeitliche Bildnisse des Gottes existieren, so ist das Aussehen des ursprünglichen, hellenistischen Abbildes unbekannt. Allgemein wird das Äußere der alexandrinischen Statue mit einem thronenden männlichen Gott gleichgesetzt, der einen Vollbart und eine nicht minder üppige Frisur trägt und zudem mit einem langen Gewand sowie Mantel bekleidet ist. Der Kopf ist von einem Kalathos bekrönt. Es handelt sich hierbei um das charakteristische Merkmal des Serapis, bei dem es sich ursprünglich um einen Korb mit nach außen geschwungenem Rand handelte, der zum Attribut fruchtbarkeitsspendener Götter wurde. In seiner Linken hält er ein Zepter und zu seiner Rechten ruht der dreiköpfige Kerberos. Die hier besprochene kleine Büste zeigt den Gott ebenfalls mit einem ärmellosem Untergewand (Chiton) und über die Schulter gelegtem Mantel (Himation). Auf dem Scheitel sitzt der Kalathos mit drei in Relief gearbeiteten Olivenzweigen. Er ist einer in der römischen Kaiserzeit der quantitativ weit verbreiteten Eigenart, dem ‚Fransentypus‛, dargestellt. Das Gesicht ist frontal ausgerichtet und umrahmt von langen dicken Locken sowie einem zotteligen Bart. Unter dem Kalathos erscheint rechts und links je ein frei gearbeitetes Widderhorn, das die Verbindung des Serapis mit dem Gott Amun(-Re) andeutet, welcher auch als Widder dargestellt werden kann.(Jana Helmbold-Doyé)

Stele eines Unbekannten vor einem Opfertisch mit Fischen

Stele eines Unbekannten vor einem Opfertisch mit Fischen

"Die ehemals bemalte Holzstele zeigt im oberen Feld das Sonnenschiff mit der falkenköpfigen Gestalt des "Horus im Horizont" in der großen Sonnenscheibe. Darüber die Beischrift: "Re-Harachte, der große Gott, der Gnädige", ergänzend ist nachträglich links hinzugefügt worden: "Amon-Re, Herr der Throne der beiden Länder, herrschend in Karnak, der große Gott, der Beliebte", vermutlich als zeitgemäßes Bekenntnis zum wiederhergestellten Amon-Glauben nach Echnaton. Damit wäre die Stele noch in das Ende der 18. Dynastie zu datieren, etwas früher also als die meisten Denksteine mit Darstellungen des Sonnenschiffes aus Der el-Medine.Etwa in der Mitte der Stelenfläche ist als Illustration zu dem darunterstehenden Text ein großer fliegender Skarabäus dargestellt. Der Lobpreis des rechts knienden Stifters richtet sich nämlich nicht an Re als solchen, sondern an die Vielfalt seiner Erscheinungsformen, die in Ägyptisch "cheperu" heißen, was in der Hieroglyphenschrift mit dem Bild des heiligen Käfers Cheper wiedergegeben wird und mit dessen Selbstschöpfungssymbolik zusammenhängt. Eine in den Königsgräbern des Neuen Reiches oft vorkommende Litanei zählt 75 solcher "Verwandlungen" des Sonnengottes auf, davon ist eine seiner geheimsten Gestalten die eines Nilfisches der Spezies Mormyros (Hyperopsius Bebe), den man auf dieser Stele links in siebenfacher Ausführung über einem Torgebäude wiedergegeben sieht. Diese Darstellung scheint in der religiösen Ikonographie einzigartig zu sein.Leider ist von dem sicher ebenso außergewöhnlichen Text auf der Rückseite der Stele so gut wie nichts erhalten. Von dem Stifter läßt sich der Name nicht mehr ermitteln, dafür aber sein Amt: als "Diener an der Stätte der Wahrheit" gehörte er der im Königsgräbertal tätigen Handwerker- und Künstlergilde an."Aus: W. Kaiser, Ägyptisches Museum Berlin. Östlicher Stülerbau am Schloss Charlottenburg (Berlin 1967) S. 77, Nr. 807.

Zwei einander umarmende Skarabäen mit Menschenkopf

Zwei einander umarmende Skarabäen mit Menschenkopf

Zwei Skarabäen stehen Bauch an Bauch zueinander. Ihre Kopfsegmente fehlen, stattdessen gehen die Nackenschilde ohne klare Grenze in einen menschlichen Brust-Hals-Bereich und Kopf über. Das Gesicht blickt über einen Käferleib hinweg, so dass die Rückenschilde der Tiere gewissermaßen Bauch und Rücken der Figur als Ganzes bilden. Die Beine der Käfer enden in Händen, die Proportionen der Gliedmaßen sind jedoch die des Insekts. Die ‚Arme‘ des vorderen Käfers sind über die des hinteren gelegt, so dass der Eindruck einer Umarmung entsteht. Am hinteren bzw. unteren Körperende halten die vier dort zusammentreffenden Gliedmaßen ein relativ kleines, rundliches, aber nicht genau kugelförmiges Objekt.Der haarlose Kopf gibt am ehesten einen Hinweis auf die vermutliche Datierung des Stücks. Das Gesicht ist das eines männlichen Erwachsenen mit kleinem Mund, vollen Wangen und leichtem Doppelkinn. Diese Formgebung ist charakteristisch für die sog. „Egg-heads“, die bevorzugt der 30. Dynastie oder der beginnenden Ptolemäerzeit zugerechnet werden. Hervorzuheben ist der nicht restlos vollendete Zustand: Am gesamten Objekt sind trotz des hellen Materials keinerlei Farbreste zu erkennen. Überdies ist der Stein an den Hinterhänden und am linken ‚Arm‘ des hinteren Käfers nicht vollständig abgearbeitet. Umgekehrt wurden die Ohren nachträglich entfernt, ohne Glättung der verbleibenden Oberfläche. Ob die auffällige Scharte am Hinterkopf im selben Zuge zugefügt wurde oder eine spätere Beschädigung ist, lässt sich nicht sicher sagen. Stärkerer Abrieb an Hinterkopf und hinterem Rückenschild weist darauf hin, dass das Stück über längere Zeit in entsprechender Position lag.Stand jetzt ist der Doppelskarabäus mit Menschenkopf ohne genaue Parallele. Das geläufige Bildmotiv des Skarabäus mit Sonnenscheibe vor bzw. über dem Kopfsegment als Erscheinungsform des morgendlichen Sonnengottes legte eine vergleichbare Deutung nahe, die in der älteren Literatur auch so und ähnlich zu finden ist. Andererseits fehlt die Sonnenscheibe, und es bleiben das rundliche Objekt im Fußbereich und der menschliche Kopf zu erklären. Aufschluss geben mehrere Darstellungen in Reliefs meist ähnlicher Datierung, die einen Skarabäus mit Menschenkopf darüber zeigen. Dieser ist zusätzlich mit einem erigierten Phallus versehen, an dessen Spitze ein Ei steht, mit dem das hier gehaltene rundliche Objekt identisch sein dürfte. Damit kann die Skulptur als komplexe Figur des geschlechtlich handelnden Schöpfergottes angesprochen werden. Seine namentliche Identität geht aus den Beischriften zu einigen der Reliefs eindeutig hervor, nämlich „Ptah, der Selbstentstandene“ (Ptḥ ḫpr ḏs⸗f). Die Unterschiede zwischen zwei- und dreidimensionaler Darstellung – namentlich das Fehlen des Phallus und die zwangsläufig andere Position des Eis, dafür aber die Ausführung mit zwei Skarabäen – könnten auf die Grenzen des technisch Machbaren zurückgeführt werden. Weitere denkbare Ausdeutungen der Darstellung als Ganzes oder einzelner Bildmotive sind nicht auszuschließen und möglicherweise auch intendiert.Zu der/den anzunehmenden Funktion(en) des Stücks – rituell und/oder funerär – zumal unter Einbeziehung seines offenbar beabsichtig unfertigen und beschädigten Zustands sind keine gesicherten Aussagen möglich. Immerhin sprechen Material und Gewicht (ca. 7,5 kg) trotz der handhabbaren Größe gegen eine regelmäßige Verwendung als mobiles Kultobjekt.(Burkhard Backes / gekürzt aus: B. Backes, Summe seiner Teile? Überlegungen zum doppelten Skarabäus mit Menschenkopf Berlin ÄM 11405, in: Zeitschrift für Ägyptische Sprache (ZÄS) 146.2, 2019, S. 129–137 (mit älterer Literatur).)

Kopf eines Königs mit blauer Krone

Kopf eines Königs mit blauer Krone

Der Statuettenkopf wurde im gepflasterten Hofraum an der Ostmauer von P 47.3 gefunden. Dort entdeckte man außerdem einen kleinen Falkenkopf aus Alabaster, den Kopf und den dazugehörigen Torso einer Prinzessinnenstatue aus Sandstein sowie das Bruchstück eines Uräenfrieses. Aufgrund der Blauen Krone ist der Statuettenkopf einer männlichen, königlichen Person zuzuschreiben. Am hinteren Teil des Kopfschmuckes ist der Ansatz des Rückenpfeilers erhalten. An der Stirn ist die längliche Vertiefung des aus anderem Material eingesetzten Vorderkörpers der Uräusschlange deutlich erkennbar. In den Augenwinkeln und am Stirnansatz der Krone befinden sich noch Spuren roter Farbe. Reste schwarzer Bemalung sind an den Augenkonturen sichtbar. Am oberen Halsansatz weist das Bildnis zwei Falten auf, welche typisch für die Darstellungen während der Amarnazeit sind. Trotz fehlender, zur Datierung wichtiger Elemente wie Mund und Nase sprechen die mandelförmigen Augen und die Modellierung der Gesichtszüge für ein Bildnis aus der späten Amarnazeit. In dieser Phase wurden die hervortretenden Wangenknochen, das langgezogene Gesicht und die schlitzförmigen Augen durch weichere Züge ersetzt. Statuetten wie diese fanden vielleicht auch im privaten Bereich Verwendung. Dort könnten sie in kleinen Kapellen als Mittler zu Aton gedient haben und waren selbst Gegenstand kultischer Verehrung.Aus: Taschner, L., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 384 (Kat.-Nr. 173).

Thronende Göttin Isis mit dem Horusknaben (Isis lactans)

Thronende Göttin Isis mit dem Horusknaben (Isis lactans)

„Ein Schutzamulett für den Eigentümer sollte diese kleine Figur der Göttin Isis sein, die ihrem Sohn Horus die Brust reicht. Mit der linken Hand stützt sie den Kopf des Kindes, die rechte hält die Brust.Das Material ist ägyptische Fayence, die seit dem Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. hergestellt wurde. Sie besteht aus feinem Quarzsand mit einem meist grün-blauen Glasurüberzug.Ursprünglich ist Isis nach der Bedeutung ihres Namens der „Thron“. Schon frühzeitig nahm sie jedoch menschliche Gestalt an, sitzt als junge Frau selbst auf dem Thron und trägt meist ihr Symbol als Krone auf dem Kopf; bei dieser Statuette blieb nur die Basis des Thrones erhalten. Ihre Rolle im Mythos um Leben, Tod und Wiederauferstehung des Gottes Osiris hatte sie zur volkstümlichsten und wichtigsten Göttin des ägyptischen Pantheons gemacht. Sie war die liebende Gemahlin und die trauernde Witwe des Osiris, der einst als legendärer König über Ägypten geherrscht hatte und aus Neid von seinem Bruder Seth ermordet worden war: Isis hatte den zerstückelten Leichnam mit Binden umwickelt und so bewirkt, daß Osiris wiederauferstand und fortan in mumienförmiger Gestalt im Totenreich herrschte.Isis war auch die göttliche Mutter des Horus, den sie vor den Nachstellungen des Seth in den Sümpfen des Deltas verbirgt und heimlich aufzieht, damit er später seinen Vater rächen und den Thron Ägyptens besteigen kann. Achtzig Jahre dauerte der Streit um das Erbe des Osiris, die Herrschaft über Ägypten, zwischen Seth und Horus vor dem Göttergericht. Die Zauberkunst der Isis verhilft Horus schließlich zum Sieg.So verehrten die Ägypter in Isis die Schutzgöttin für jeden Toten, vor allem aber auch die große Zauberin, deren magische Beschwörungen Kinder vor Krankheiten und allem Bösen beschützten. Die Erzählung von Isis und Horus gehörte von der Spätzeit zu den beliebtesten Themen. Beide Gottheiten genossen bis in das 3. Jahrhundert im ganzen römischen Weltreicht große Verehrung. Ihr Bild lebte fort in der christlichen Darstellung von der Gottesmutter Maria mit dem Jesus-Knaben. Der letzte Isis-Tempel auf der Insel Philae im Süden Ägyptens wurde erst zwischen 535 und 537 geschlossen.“Aus: Müller, Ingeborg, in: Priese, K.-H. (Hrsg.), Ägyptisches Museum Berlin, Museumsinsel Berlin, Mainz 1991, S. 179 (Kat. 107).

Unvollendeter Statuenkopf der Königin Nofretete mit Korrekturangaben des Bildhauers

Unvollendeter Statuenkopf der Königin Nofretete mit Korrekturangaben des Bildhauers

Dieser unvollendete Statuenkopf wird aufgrund zahlreicher Gestaltungskriterien, insbesondere aber wegen des typischen Kronenansatzes als Bildnis der Nofretete bezeichnet. Seit Borchardts Interpretation der farbigen Büste als Bildhauermodell wurden beide Köpfe miteinander in Beziehung gesetzt und das vollendete Werk als das Vorbild für dieses angesehen.Auch wenn der erste Anblick der unvollendeten Königin bei vielen Betrachtern zunächst Verwunderung auslöst und auf manch einen Besucher geradezu abstoßend und verwirrend wirkt, so entfaltet sich dafür auf den zweiten Blick die Vorgehens- und Arbeitsweise der altägyptischen Handwerker in beispielhafter Weise.Der schon sehr weit gediehene Rohling hatte im Gesicht und am Hals bereits eine sehr gute Glättung der Oberfläche erfahren, während die gröberen Meißelspuren an den Ohren und am Kronenansatz noch roh belassen wurden. Die Augen und der Augenbrauenwulst waren bereits so exakt gesetzt, dass sie als sicherer Anhaltspunkt für die weiteren Arbeiten mit akkuraten Linien eingefasst und bemalt wurden. Auch Nase und Mund sowie die Sehnen am Hals scheinen dem Ziel schon recht nahe zu sein, doch mussten neben der Ausarbeitung einiger Details offensichtlich noch Korrekturen vorgenommen werden. Um die zu bearbeitenden Stellen zu markieren, zeichnete der Bildhauer mit gekonnt gesetzten, schwungvollen Pinselstrichen die fraglichen Partien im Gesicht an. Hierzu gehörten die fehlende, leichte Furche in der Mitte der Stirn; die Lidfalten am inneren Augenwinkel; die Ausarbeitung des linken Tränensäckchens, eine Begradigung des Nasenrückens, die fehlenden Nasolabialfalten, eine Korrektur der zu voll geratenen Lippen sowie eine zartere Modellierung der leicht eingefallenen Wangen – insbesondere auf der linken Gesichtshälfte – und die fehlenden Halsfalten.Am Kinn und um den Mund sowie an der Oberlippe kann man bereits den nächsten Abarbeitungsschritt mittels feiner, kleiner Meißelspuren erkennen. Wie viele solcher Korrekturvorgänge dieser Statuenkopf noch hätte durchlaufen sollen, kann nicht abgeschätzt werden, aber der unvollendete Kopf zeigt im Vergleich zur vollendeten Büste und zum Gipsmodellkopf der Königin (ÄM 21349), dass verlässliche Modellvorlagen in der Werkstatt unabdingbar waren, um das gesetzte Ziel eines perfekten, porträthaften, wenngleich idealisierten Abbildes der Königin zu erhalten.Aus: Seyfried, F., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 338 (Kat.-Nr. 123).