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Relief mit Darstellung der finalen Begräbnisriten in einem großen, tempelähnlichen Grab

Ident. Nr.: ÄM 13297

ObjID: obj:763759

Details (Expert)

Beteiligte
Carl August Reinhardt (4.2.1856 - 25.11.1903),
Käufer*in
Datierung
Tut'anchamun (Tutanchamun)
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 65,3 x 58 x 7 cm

Objektbeschreibung

Auf dem Reliefblock aus einem unbekannten memphitischen Grab ist die Ankunft des Begräbniszugs einer hochrangigen Privatperson an seinem Grab dargestellt. Links unten kommt der Trauerzug am Pylon des Grabeingangs an, an den sich ein Türsteher anlehnt und ruht. Darüber sieht man die Opfergaben vor einer Stele im Hof des monumentalen Grabes. Im oberen Register der rechten Bildhälfte sieht man einen Priester mit Pantherfell beim Vollziehen der Riten. Hinter ihm sind zwei Wesire mit dem Trauergestus dargestellt, gefolgt von zwei weiteren Beamten. Die Wesire der beiden Landesteile Ober- und Unterägypten, sind mithilfe ihrer charakteristischen, unter der Brust geknoteten Wesir-Schurze zu identifizieren. Unten rechts sind drei weitere, trauernde Beamte zu erkennen. Die Darstellungen sind im erhabenen Relief ausgearbeitet.
Ab der späten 18. Dynastie wurden monumentale Grabbauten, deren Grundrisse an Tempel erinnern, für hohe Beamte im memphitischen Raum gebaut. Die in diesem Block dargestellten, architektonischen Elemente sind typisch für solche memphitischen Monumentalgräber, wie wir es sowohl von archäologischen als auch bildlichen Quellen kennen. Allein die Tatsache, dass der Grabinhaber in der Lage war, solch ein Monumentalgrab bauen lassen zu können, spricht bereits für seinen hohen sozialen Status. Dieser wird durch die bildliche Präsenz der beiden Wesire noch einmal bestätigt.
Bemerkenswert ist es hierbei, dass nur die vorderen Körperhälften der beiden Beamten hinter den Wesiren zu sehen sind. Dadurch wird das Durchschreiten des Durchgangs hin in das Grabinnere dargestellt. Vergleichbare Szenen mit solch einer Durchgangssituation findet man zum Beispiel mehrfach in TT 49, dem Grab des Neferhotep, aus der Nachamarnazeit. Ähnliche räumliche Darstellungen sind auch in den memphitischen Privatgräbern der ausgehenden 18. Dynastie zu finden. Die stilistischen Merkmale, wie zum Beispiel die weich modellierten Formen, der leicht gewölbte Bauch, große, schräg gestellte Augen sowie die breiten Lippen mit den heruntergezogenen Mundwinkeln, stehen ebenfalls für die Einflüsse der amarnazeitlichen Bildwerke. Daher ist das memphitische Fragment ÄM 13297 wahrscheinlich in die Nachamarnazeit in der ausgehenden 18. Dynastie zu datieren. Dafür spricht zudem das Werkverfahren des Blocks im relativ flachen, erhabenen Relief. In der kurzen Phase ab Tutanchamun bis zum Anfang der 19. Dynastie wurde als Gegenbewegung zu den versenkten Reliefs der Amarna-Bildwerke, das erhabene Relief für die Grabdekorationen bevorzugt. Danach setzte sich aber das versenkte Relief wieder durch.
(I. Liao)

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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Kleine Glocke

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Glocken sind keine moderne Erfindung. Aus Ton oder Bronze gefertigt, dienten sie schon in der Antike vielfältigen Zwecken. In Ägypten sind sie erst nach dem späten Neuen Reich (etwa um 1000 v. Chr.) archäologisch nachweisbar und wurden zunächst aus dem Nahen Osten importiert. Erst ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. treten Glocken häufiger auf. Obwohl sie ursprünglich kein regulärer Bestandteil von Grabbeigaben waren, nimmt ihre Verbreitung im Laufe der Zeit zu, bis sie in der ptolemäischen Zeit in einer breiteren Vielfalt von Kontexten erscheinen.Glocken gehören zu der Instrumentengruppe der Idiophone („Selbstklinger“), die als Ganzes oder in Teilen selbst schwingend ihren Ton erzeugen. Aufgrund ihres hellen und klaren Tons fanden sie Verwendung bei Kulthandlungen und Tempelfesten, erfüllten jedoch zugleich schützende und magische Funktionen. Ihrem Klang schrieb man die Fähigkeit zu, böse Kräfte abzuwehren, wodurch sie sich auch als Amulette und Grabbeigaben etablierten, insbesondere im Zusammenhang mit Kindern.Diese Vorstellung entspricht grundsätzlich der im Nahen Osten verbreiteten Idee von der apotropäischen Wirkung von Lärm. Diese Vorstellung war jedoch in der ägyptischen Kultur bereits angelegt. Die schützende Kraft von Musik war schon zuvor auf andere Instrumente – etwa Tamburine und Zimbeln – übertragen worden, was die schnelle Integration der Glocken in bestehende religiöse Praktiken erklärt.Die schützende Bedeutung von Lärm war in Ägypten eng mit der Gottheit Bes verknüpft. Spätestens seit der Regierungszeit Amenophis’ III. (1388–1351 v. Chr.) zählt das Tamburin zu den charakteristischen Attributen des Bes, mit dem er in seiner Funktion als Beschützer von Kindern böse Geister vertreibt. Damit waren sowohl Bes als auch der rituelle Einsatz von Lärm bereits fest in einem Schutzkontext verankert, insbesondere im Hinblick auf Kinder. Vor diesem Hintergrund erscheint es plausibel, dass Glocken bewusst an diese bestehenden Traditionen anknüpften. Begünstigt durch die Schutzfunktion des Bes und seine Verbindung zu lärmenden Ritualpraktiken entwickelten sich Glocken zunehmend zu abstrakten Schutzamu¬letten und verloren dabei teilweise ihre ursprüngliche Funktion als Klanginstrumente.Aufgrund ihres wiederholten Auftretens in Bestattungskontexten sind Glocken in Ägypten daher primär als Objekte ritueller Bedeutung zu verstehen. Zugleich erweiterte sich ihr Gebrauch über den rein funerären Kontext hinaus. Es ist anzunehmen, dass Glocken auch im Alltag getragen wurden. Darauf weist ihr häufiges Auftreten zusammen mit anderen Amuletten hin, die nachweislich zu Lebzeiten verwendet wurden und dem Schutz ihrer Träger dienten.Der Glockenkörper des Objekts ÄM 15842 besteht aus gegossener Bronze; am oberen Ende befindet sich eine vorgeformte Aufhänge-öse.I. Regulski

Unterteil eines Gegengewichts (Menit) des Harsiese, Hoherpriester des Amun von Theben

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Die leicht gewölbte Bronzeplatte, die reichlich mit Kupfer-, Silber- und Goldeinlagen dekoriert ist, ist der Unterteil eines Gegengewichts, eines sog. Menits. Ein Menit, das aus einem Strang von Perlenketten und einem Gegengewicht besteht, ist zugleich Schmuckstück, Rasselinstrument und Kultsymbol der Göttin Hathor.Im ovalen zentralen Bildfeld ist links eine löwenköpfige Göttin thronend dargestellt. Sie hält in ihren Händen ein Anch-Zeichen und ein sogenanntes Wadjet-Zepter, dessen Oberteil die Form einer Papyrusdolde – Symbol des Wachstums – annimmt. Die Inschrift vor der Göttin bezeichnet sie als „Mut-Sachmet-Bastet“. Die drei Göttinnen, die alle löwenköpfig auftreten können, sind also hier zu einer verschmolzen. Ihr gegenüber steht ein nackt dargestelltes Kind mit seitlicher Jugendlocke und einer Kappe mit der Uräusschlange an der Stirn. Die Uräusschlange an seinem Kopfschmuck weist hin als königliche Person aus. Er reicht Sachmet ein Sistrum mit dem Gesicht der Göttin Bat; in seiner anderen Hand hält er ein Menit. Die Inschriften zwischen Sachmet und dem Kind kennzeichnet es als der Priester, Stadtvorsteher und Wesir namens Harsiese aus. Die zwei zentralen Figuren werden von den Schutzgöttinnen der beiden Landesteile Ägyptens auf ihren Wappenpflanzen, die Geiergöttin Nechbet auf den Lotusdolden für Oberägypten und die Uräusschlangengöttin Uto auf den Papyruspflanzen für Unterägypten, flankiert. Des Weiteren füllen das mittige Zeichen für die Vereinigung der beiden Länder sowie jeweils seitlich davon zwei Rechit-Vögel über Körben, die für die Urbevölkerung Ägyptens stehen, den Platz unterhalb der Standlinie.Harsiese, dessen Name wörtlich „Horus, Sohn der Isis“ heißt, regierte als Hohepriester von Amun in Theben als Gegenkönig zu dem libyschen Herrscher Takelot I. in Unterägypten in der 22. Dynastie (Dritte Zwischenzeit). Er nimmt in dieser Szene auf dem Menit die Ikonographie des gleichnamentlichen Kindgottes an und präsentiert sich als göttlich legimitierter Regent über das Gesamtägypten vor der löwenköpfigen Göttin. Auch wenn Harsiese in Wirklichkeit lediglich ein Lokalherrscher war, nutzte er das Objekt als symbolische Manifestation seines politischen Anspruchs bzw. seiner „Pseudoherrschaft“ über die beiden Landesteile.(I. Liao)