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Grabstele mit einer Aufbahrungsszene (Prothesis) eines Verstorbenen auf einer Kline

Ident. Nr.: ÄM 19553

ObjID: obj:770172

Details (Expert)

Beteiligte
Ludwig Borchardt (5.10.1863 - 12.8.1938),
Grabungsleiter*in
Datierung
Amosis II. (Amasis)
Genauer: 540 v. Chr.–525 v. Chr.
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 27,5 x 26 x 7,3 cm

Objektbeschreibung

Die Entdeckung dieser Grabstele ereignete sich unter Ludwig Borchardt, der die Grabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft im Totentempel des Sahure bei Abusir zwischen 1907 und 1908 leitete. Ihr zunächst auffälligstes Charakteristikum ist die für ägyptische Stelen ungewohnt gräzisierende Form. Die bildliche Darstellung beinhaltet fünf menschliche Gestalten, wovon eine Person ein im Zentrum aufgebahrter Verstorbener ist, der in einem bis zu den Knöcheln reichendem Chiton bekleidet ist. Als Bahre fungiert eine Art Kline, deren Kopfende durch ein Volutenkapitell verziert ist. Möglicherweise sind auf der Schulter des Toten herabfallende Lockensträhnen zu erkennen, was sich jedoch anhand des unzureichenden Erhaltungszustandes nicht gänzlich aussagen lässt. Am Kopfende ist eine Frau in linker Profilansicht erkennbar, wie auch eine andere Frau in rechter Profilansicht hinter der Kline. Sowohl anhand ihrer Kleidung, wie auch durch die Formgebung ihrer Brust, sind sie als solche zu identifizieren. Den Frauen scheint darüber hinaus gelöstes, herabfallendes Haar gemein zu sein. Die Frau am rechtsgelegenen Kopfende legt erkennbar ihre linke Hand an den Kopf des Verstorbenen, während ihre rechte Hand als Klagegestus ihrem eigenen Kopf zugewandt erhoben scheint. Es kann sich aber hierbei auch um ein Messer handeln, dass zum Kopf geführt wird. Dies wird als Hinweis auf die von Herodot überlieferte karische Trauersitte gedeutet sich mit einem Messer in die Stirn zu schneiden. Auch die hinter dem Toten stehende Frau erhebt ihre linke Hand zum Klagegestus, während sich ihre rechte Hand dem Toten zuneigt. Im Gegensatz zu der aufrecht stehenden Frau am Kopfende, ist die Haltung der anderen Frau leicht zum Toten gebeugt. Links von Letzterer steht auch in leicht gebeugter, dem Toten zugeneigt Haltung ein kurzhaariger Mann mit einem Spitzbart, der scheinbar einen Wedel zur Vertreibung von Fliegen in seiner rechten Hand bewegt. Dieser ist mit einem kurzen Chiton und hohen, bis zu den Waden reichenden Stiefeln bekleidet, was anhand seiner vor der Bahre hervorragenden Beine ersichtlich ist; auch die Beine der Frau vor ihm sind unterhalb der Bahre deutlich sichtbar. Am Fußende steht in rechter Profilansicht ein weiterer Mann in aufrechtstehender Haltung, dessen rechter erkennbarer Arm den bereits beschriebenen Klagegestus ausführt. Er ist mit einem langen Chiton bekleidet, der bis zu den Knöcheln reicht. Die gesamte Darstellung wird von einer geflügelten Sonnescheibe bekrönt, die als offensichtlichstes ägyptisches Element auffällt. Rechts entlang des szenischen Geschehens ist eine karische, vertikal und linksläufig verlaufende, Inschrift zu erkennen, die aufgrund des Erhaltungszustandes nicht mehr zweifelsfrei entziffert werden kann. Während eine genaue Datierung der Stele zwar nicht möglich erscheint, ist eine grobe Einordnung in das 6. Jh. v. Chr. naheliegend. In diesem Kontext illustriert sie anschaulich eine Phase der kulturellen Vermischung und des religiösen Synkretismus, in der althergebrachte indigen-ägyptische Vorstellungen mit griechischen Elementen zu einer neuen Einheit erhoben wurden. Der Rückgriff der griechischen Oberschicht auf ägyptische Symbolik und Formensprache verleiht ihr die nötige Legitimation und Autorität, um das von ihr beanspruchte pharaonische Erbe antreten zu können.
(Alberto Alfredo Winterberg / Jana Helmbold-Doyé)

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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Statuette des Königs Echnaton

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"Ein mit einem Schurz und vergoldeten Sandalen bekleideter, in rot-brauner Farbe ausgeführter Mann steht in leichter Schrittstellung auf einer längsrechteckigen Basis. Der ebenfalls vergoldete Schurz ist gefältelt und reicht an der Rückseite bis zur Mitte der Waden und an der Vorderseite bis oberhalb der Knie. In diesem Bereich ist er aufwendig dekoriert. So zeigt er einen Uräenfries an der unteren Borte. Ein mehrreihiger Schulterkragen schmückt den ansonsten nackten Oberkörper. Dieser ist in verschiedenen Farben ausgeführt und besitzt pflanzliche Motive, wie Blütenblätter des Lotus. An jedem Arm trägt der Dargestellte darüber hinaus jeweils einen vergoldeten, breiten Unter- und Oberarmreif. Ausladende Hüften sowie ein starker Bauchansatz bestimmen ansonsten den Körper. Der linke Arm ist gerade nach unten ausgestreckt und leicht vor den Körper gehalten, die Hand ist ebenfalls flach ausgestreckt. Dagegen ist der rechte Arm vor dem Körper angewinkelt und die Hand vor der Brust geballt. Vermutlich befanden sich in der Hand die beiden Zepter Krummstab und Geisel.Der Kopf ist nach vorne gerichtet und zeigt mandelförmige Augen, die durch schwarze und weiße Farbe hervorgehoben sind, breite Brauenbögen, eine zierliche Nase sowie einen fülligen, rot bemalten Mund. Schnur- und Backenbart wurden schwarz aufgemalt. Die Ohren liegen weit zurück und sind sehr hoch angesetzt. Bekrönt wird der Dargestellte von der Blauen Krone, die separat gearbeitet wurde, und dem dazugehörigen Stirnband. Diese sowie die wohl zu ergänzenden Zepter kennzeichnen den Mann als König, womöglich Echnaton. Auf der Basis sind neun gefesselte Feinde wiedergegeben, über die der Pharao hinwegschreitet und sie somit, im übertragenen Sinne, vernichtet. Bei den Feinden handelt es sich um die drei großen benachbarten Bevölkerungsgruppen Ägyptens: Nubier, Asiaten und Libyer.Das beschriebene Objekt wurde 1918 in Luxor von Ludwig Borchardt für James Simon angekauft, der es dem Ägyptischen Museum und Papyrussammlung Berlin schenkte. Zwar ist die genaue Herkunft nicht bekannt, jedoch ist es wahrscheinlich, dass Statuetten des Königs und seiner Familie in hauseigenen Schreinen privater Anhänger des Königspaares in Amarna aufgestellt waren."Jessica Jancziak, In: J. Helmbold-Doyé – J. Jancziak (Hrsg.), Wechselnde Identitäten. Eine Ausstellung mit Werken von Gleb Bas, Sonderschrift der Ägyptischen Sammlung (SÄS) 4, Berlin 2015, S. 48

Kleine Glocke

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Glocken sind keine moderne Erfindung. Aus Ton oder Bronze gefertigt, dienten sie schon in der Antike vielfältigen Zwecken. In Ägypten sind sie erst nach dem späten Neuen Reich (etwa um 1000 v. Chr.) archäologisch nachweisbar und wurden zunächst aus dem Nahen Osten importiert. Erst ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. treten Glocken häufiger auf. Obwohl sie ursprünglich kein regulärer Bestandteil von Grabbeigaben waren, nimmt ihre Verbreitung im Laufe der Zeit zu, bis sie in der ptolemäischen Zeit in einer breiteren Vielfalt von Kontexten erscheinen.Glocken gehören zu der Instrumentengruppe der Idiophone („Selbstklinger“), die als Ganzes oder in Teilen selbst schwingend ihren Ton erzeugen. Aufgrund ihres hellen und klaren Tons fanden sie Verwendung bei Kulthandlungen und Tempelfesten, erfüllten jedoch zugleich schützende und magische Funktionen. Ihrem Klang schrieb man die Fähigkeit zu, böse Kräfte abzuwehren, wodurch sie sich auch als Amulette und Grabbeigaben etablierten, insbesondere im Zusammenhang mit Kindern.Diese Vorstellung entspricht grundsätzlich der im Nahen Osten verbreiteten Idee von der apotropäischen Wirkung von Lärm. Diese Vorstellung war jedoch in der ägyptischen Kultur bereits angelegt. Die schützende Kraft von Musik war schon zuvor auf andere Instrumente – etwa Tamburine und Zimbeln – übertragen worden, was die schnelle Integration der Glocken in bestehende religiöse Praktiken erklärt.Die schützende Bedeutung von Lärm war in Ägypten eng mit der Gottheit Bes verknüpft. Spätestens seit der Regierungszeit Amenophis’ III. (1388–1351 v. Chr.) zählt das Tamburin zu den charakteristischen Attributen des Bes, mit dem er in seiner Funktion als Beschützer von Kindern böse Geister vertreibt. Damit waren sowohl Bes als auch der rituelle Einsatz von Lärm bereits fest in einem Schutzkontext verankert, insbesondere im Hinblick auf Kinder. Vor diesem Hintergrund erscheint es plausibel, dass Glocken bewusst an diese bestehenden Traditionen anknüpften. Begünstigt durch die Schutzfunktion des Bes und seine Verbindung zu lärmenden Ritualpraktiken entwickelten sich Glocken zunehmend zu abstrakten Schutzamu¬letten und verloren dabei teilweise ihre ursprüngliche Funktion als Klanginstrumente.Aufgrund ihres wiederholten Auftretens in Bestattungskontexten sind Glocken in Ägypten daher primär als Objekte ritueller Bedeutung zu verstehen. Zugleich erweiterte sich ihr Gebrauch über den rein funerären Kontext hinaus. Es ist anzunehmen, dass Glocken auch im Alltag getragen wurden. Darauf weist ihr häufiges Auftreten zusammen mit anderen Amuletten hin, die nachweislich zu Lebzeiten verwendet wurden und dem Schutz ihrer Träger dienten.Der Glockenkörper des Objekts ÄM 15842 besteht aus gegossener Bronze; am oberen Ende befindet sich eine vorgeformte Aufhänge-öse.I. Regulski

Unterteil eines Gegengewichts (Menit) des Harsiese, Hoherpriester des Amun von Theben

Unterteil eines Gegengewichts (Menit) des Harsiese, Hoherpriester des Amun von Theben

Die leicht gewölbte Bronzeplatte, die reichlich mit Kupfer-, Silber- und Goldeinlagen dekoriert ist, ist der Unterteil eines Gegengewichts, eines sog. Menits. Ein Menit, das aus einem Strang von Perlenketten und einem Gegengewicht besteht, ist zugleich Schmuckstück, Rasselinstrument und Kultsymbol der Göttin Hathor.Im ovalen zentralen Bildfeld ist links eine löwenköpfige Göttin thronend dargestellt. Sie hält in ihren Händen ein Anch-Zeichen und ein sogenanntes Wadjet-Zepter, dessen Oberteil die Form einer Papyrusdolde – Symbol des Wachstums – annimmt. Die Inschrift vor der Göttin bezeichnet sie als „Mut-Sachmet-Bastet“. Die drei Göttinnen, die alle löwenköpfig auftreten können, sind also hier zu einer verschmolzen. Ihr gegenüber steht ein nackt dargestelltes Kind mit seitlicher Jugendlocke und einer Kappe mit der Uräusschlange an der Stirn. Die Uräusschlange an seinem Kopfschmuck weist hin als königliche Person aus. Er reicht Sachmet ein Sistrum mit dem Gesicht der Göttin Bat; in seiner anderen Hand hält er ein Menit. Die Inschriften zwischen Sachmet und dem Kind kennzeichnet es als der Priester, Stadtvorsteher und Wesir namens Harsiese aus. Die zwei zentralen Figuren werden von den Schutzgöttinnen der beiden Landesteile Ägyptens auf ihren Wappenpflanzen, die Geiergöttin Nechbet auf den Lotusdolden für Oberägypten und die Uräusschlangengöttin Uto auf den Papyruspflanzen für Unterägypten, flankiert. Des Weiteren füllen das mittige Zeichen für die Vereinigung der beiden Länder sowie jeweils seitlich davon zwei Rechit-Vögel über Körben, die für die Urbevölkerung Ägyptens stehen, den Platz unterhalb der Standlinie.Harsiese, dessen Name wörtlich „Horus, Sohn der Isis“ heißt, regierte als Hohepriester von Amun in Theben als Gegenkönig zu dem libyschen Herrscher Takelot I. in Unterägypten in der 22. Dynastie (Dritte Zwischenzeit). Er nimmt in dieser Szene auf dem Menit die Ikonographie des gleichnamentlichen Kindgottes an und präsentiert sich als göttlich legimitierter Regent über das Gesamtägypten vor der löwenköpfigen Göttin. Auch wenn Harsiese in Wirklichkeit lediglich ein Lokalherrscher war, nutzte er das Objekt als symbolische Manifestation seines politischen Anspruchs bzw. seiner „Pseudoherrschaft“ über die beiden Landesteile.(I. Liao)