Logo

Grabstele der Ailia Pompeia, auch Juliane genannt, vor den Göttern Horus (Falke) und Anubis (Schakal)

Ident. Nr.: ÄM 24149

ObjID: obj:771644

Details (Expert)

Datierung
2.–3. Jh. n. Chr.
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 33 x 22,7 x 6,5 cm

Objektbeschreibung

Die wahrscheinlich in Terenuthis hergestellte Grabstele aus Kalkstein, deren Ränder teilweise abgebrochen sind, zeigt eine in Kontrapose stehende Frau in hellenistischer Gewandung, die ein Sistrum in ihrer erhobenen rechten und eine Handgirlande in der linken Hand hält. Um ihr linkes Handgelenk befindet sich noch ein herabhängendes Objekt, wohl eine Situla. Dies wurde meist als ein Teil des drapierten Gewands interpretiert. Ihr Gesicht ist teilweise zerstört. Die Frauengestalt wird von einem Ädikula-Rahmen mit flachem Segmentgiebel eingerahmt. Die Säulen sind größtenteils weggebrochen. Links von der Frau sitzt ein Schakal, der ihr zugewandt ist und auf sie blickt. Über ihm steht auf einer geschweiften Konsole ein Horus-Falke. Auf einem im rechten Bildfeld befindlichen Gegenstück war möglicherweise ein liegender Anubis-Schakal dargestellt, von dem nur noch sehr geringe Spuren erhalten sind. Darunter befindet sich der untere Teil eines ständerartigen Gebildes, dessen Form an einen Räucheraltar erinnert.
Zwischen den beiden Säulen und unterhalb der Darstellungen in erhabenem Relief befinden sich sechs Zeilen griechischer Inschrift: „Ailia Pompeia, auch Juliane genannt, die unvergleichliche, fromme, mutterliebende, (verstorben im Alter von) 10 Jahren, 2 Monaten und 19 Tagen. Sei guten Muts.“ Die Namensform des verstorbenen Mädchens weist darauf hin, dass sie das römische Bürgerrecht besaß. Der Gentilname Aelius legt die Vermutung nahe, dass die Stele in die nachhadrianische Zeit datiert, da von den Römischen Kaisern zuerst Hadrian diesen Namen geführt hatte.
Die verstorbenen Kinder in Terenuthis wurden normalerweise auf ihren Grabstelen stehend mit erhobenen Armen gezeigt. Mit dieser Haltung soll vermutlich verdeutlicht werden, dass sie die wichtigen Lebensziele, wie zum Beispiel Familiengründung und das auf die Welt Bringen von Nachkommen, nicht erreicht hatten. Für die jung verstorbene Ailia Pompeia wurde jedoch bewusst eine andere Ikonographie ausgewählt: Die Handgirlande aus Rosenblüten war ein Rechtfertigungskranz nach überstandenem Totengericht. Das Sistrum wurde Ailia Pompeia entweder wegen des Bezugs auf den ab der Ptolemäischen Zeit in Terenuthis belegten Hathor-Tempel oder wahrscheinlicher aber wegen der Verbindung zur Göttin Isis beigegeben. Zusammen mit der Situla wurde das Sistrum als wichtiges Kultgerät der Isis betrachtet, wie es zahlreiche Darstellungen der Isis-Dienerinnen belegen. Ihr Gewand mit einer verzierten Schärpe ist auch eine der typischen Trachten für Isis-Priesterinnen in der Griechisch-Römischen Zeit.
Des Weiteren sind die paarweise auftretenden Horus-Falken und Anubis-Schakale auf den Konsolen auf mehreren Terenuthis-Stelen belegt, wobei in der Regel der das Jenseits symbolisierende Anubis-Schakal links und der für das Diesseits stehende Horus-Falke rechts abgebildet sind. Ob es sich bei der Seitenumkehrung der beiden Götter auf dieser Stele sowie der Position des Räucheraltars zur Linken der Toten, der meist auf der rechten Seite abgebildet ist, um eine gewollte Abweichung oder einen kompositorischen Fehler handelt, bleibt ungeklärt.
(I. Liao)

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Statuette des Königs Echnaton

Statuette des Königs Echnaton

"Ein mit einem Schurz und vergoldeten Sandalen bekleideter, in rot-brauner Farbe ausgeführter Mann steht in leichter Schrittstellung auf einer längsrechteckigen Basis. Der ebenfalls vergoldete Schurz ist gefältelt und reicht an der Rückseite bis zur Mitte der Waden und an der Vorderseite bis oberhalb der Knie. In diesem Bereich ist er aufwendig dekoriert. So zeigt er einen Uräenfries an der unteren Borte. Ein mehrreihiger Schulterkragen schmückt den ansonsten nackten Oberkörper. Dieser ist in verschiedenen Farben ausgeführt und besitzt pflanzliche Motive, wie Blütenblätter des Lotus. An jedem Arm trägt der Dargestellte darüber hinaus jeweils einen vergoldeten, breiten Unter- und Oberarmreif. Ausladende Hüften sowie ein starker Bauchansatz bestimmen ansonsten den Körper. Der linke Arm ist gerade nach unten ausgestreckt und leicht vor den Körper gehalten, die Hand ist ebenfalls flach ausgestreckt. Dagegen ist der rechte Arm vor dem Körper angewinkelt und die Hand vor der Brust geballt. Vermutlich befanden sich in der Hand die beiden Zepter Krummstab und Geisel.Der Kopf ist nach vorne gerichtet und zeigt mandelförmige Augen, die durch schwarze und weiße Farbe hervorgehoben sind, breite Brauenbögen, eine zierliche Nase sowie einen fülligen, rot bemalten Mund. Schnur- und Backenbart wurden schwarz aufgemalt. Die Ohren liegen weit zurück und sind sehr hoch angesetzt. Bekrönt wird der Dargestellte von der Blauen Krone, die separat gearbeitet wurde, und dem dazugehörigen Stirnband. Diese sowie die wohl zu ergänzenden Zepter kennzeichnen den Mann als König, womöglich Echnaton. Auf der Basis sind neun gefesselte Feinde wiedergegeben, über die der Pharao hinwegschreitet und sie somit, im übertragenen Sinne, vernichtet. Bei den Feinden handelt es sich um die drei großen benachbarten Bevölkerungsgruppen Ägyptens: Nubier, Asiaten und Libyer.Das beschriebene Objekt wurde 1918 in Luxor von Ludwig Borchardt für James Simon angekauft, der es dem Ägyptischen Museum und Papyrussammlung Berlin schenkte. Zwar ist die genaue Herkunft nicht bekannt, jedoch ist es wahrscheinlich, dass Statuetten des Königs und seiner Familie in hauseigenen Schreinen privater Anhänger des Königspaares in Amarna aufgestellt waren."Jessica Jancziak, In: J. Helmbold-Doyé – J. Jancziak (Hrsg.), Wechselnde Identitäten. Eine Ausstellung mit Werken von Gleb Bas, Sonderschrift der Ägyptischen Sammlung (SÄS) 4, Berlin 2015, S. 48

Kleine Glocke

Kleine Glocke

Glocken sind keine moderne Erfindung. Aus Ton oder Bronze gefertigt, dienten sie schon in der Antike vielfältigen Zwecken. In Ägypten sind sie erst nach dem späten Neuen Reich (etwa um 1000 v. Chr.) archäologisch nachweisbar und wurden zunächst aus dem Nahen Osten importiert. Erst ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. treten Glocken häufiger auf. Obwohl sie ursprünglich kein regulärer Bestandteil von Grabbeigaben waren, nimmt ihre Verbreitung im Laufe der Zeit zu, bis sie in der ptolemäischen Zeit in einer breiteren Vielfalt von Kontexten erscheinen.Glocken gehören zu der Instrumentengruppe der Idiophone („Selbstklinger“), die als Ganzes oder in Teilen selbst schwingend ihren Ton erzeugen. Aufgrund ihres hellen und klaren Tons fanden sie Verwendung bei Kulthandlungen und Tempelfesten, erfüllten jedoch zugleich schützende und magische Funktionen. Ihrem Klang schrieb man die Fähigkeit zu, böse Kräfte abzuwehren, wodurch sie sich auch als Amulette und Grabbeigaben etablierten, insbesondere im Zusammenhang mit Kindern.Diese Vorstellung entspricht grundsätzlich der im Nahen Osten verbreiteten Idee von der apotropäischen Wirkung von Lärm. Diese Vorstellung war jedoch in der ägyptischen Kultur bereits angelegt. Die schützende Kraft von Musik war schon zuvor auf andere Instrumente – etwa Tamburine und Zimbeln – übertragen worden, was die schnelle Integration der Glocken in bestehende religiöse Praktiken erklärt.Die schützende Bedeutung von Lärm war in Ägypten eng mit der Gottheit Bes verknüpft. Spätestens seit der Regierungszeit Amenophis’ III. (1388–1351 v. Chr.) zählt das Tamburin zu den charakteristischen Attributen des Bes, mit dem er in seiner Funktion als Beschützer von Kindern böse Geister vertreibt. Damit waren sowohl Bes als auch der rituelle Einsatz von Lärm bereits fest in einem Schutzkontext verankert, insbesondere im Hinblick auf Kinder. Vor diesem Hintergrund erscheint es plausibel, dass Glocken bewusst an diese bestehenden Traditionen anknüpften. Begünstigt durch die Schutzfunktion des Bes und seine Verbindung zu lärmenden Ritualpraktiken entwickelten sich Glocken zunehmend zu abstrakten Schutzamu¬letten und verloren dabei teilweise ihre ursprüngliche Funktion als Klanginstrumente.Aufgrund ihres wiederholten Auftretens in Bestattungskontexten sind Glocken in Ägypten daher primär als Objekte ritueller Bedeutung zu verstehen. Zugleich erweiterte sich ihr Gebrauch über den rein funerären Kontext hinaus. Es ist anzunehmen, dass Glocken auch im Alltag getragen wurden. Darauf weist ihr häufiges Auftreten zusammen mit anderen Amuletten hin, die nachweislich zu Lebzeiten verwendet wurden und dem Schutz ihrer Träger dienten.Der Glockenkörper des Objekts ÄM 15842 besteht aus gegossener Bronze; am oberen Ende befindet sich eine vorgeformte Aufhänge-öse.I. Regulski

Unterteil eines Gegengewichts (Menit) des Harsiese, Hoherpriester des Amun von Theben

Unterteil eines Gegengewichts (Menit) des Harsiese, Hoherpriester des Amun von Theben

Die leicht gewölbte Bronzeplatte, die reichlich mit Kupfer-, Silber- und Goldeinlagen dekoriert ist, ist der Unterteil eines Gegengewichts, eines sog. Menits. Ein Menit, das aus einem Strang von Perlenketten und einem Gegengewicht besteht, ist zugleich Schmuckstück, Rasselinstrument und Kultsymbol der Göttin Hathor.Im ovalen zentralen Bildfeld ist links eine löwenköpfige Göttin thronend dargestellt. Sie hält in ihren Händen ein Anch-Zeichen und ein sogenanntes Wadjet-Zepter, dessen Oberteil die Form einer Papyrusdolde – Symbol des Wachstums – annimmt. Die Inschrift vor der Göttin bezeichnet sie als „Mut-Sachmet-Bastet“. Die drei Göttinnen, die alle löwenköpfig auftreten können, sind also hier zu einer verschmolzen. Ihr gegenüber steht ein nackt dargestelltes Kind mit seitlicher Jugendlocke und einer Kappe mit der Uräusschlange an der Stirn. Die Uräusschlange an seinem Kopfschmuck weist hin als königliche Person aus. Er reicht Sachmet ein Sistrum mit dem Gesicht der Göttin Bat; in seiner anderen Hand hält er ein Menit. Die Inschriften zwischen Sachmet und dem Kind kennzeichnet es als der Priester, Stadtvorsteher und Wesir namens Harsiese aus. Die zwei zentralen Figuren werden von den Schutzgöttinnen der beiden Landesteile Ägyptens auf ihren Wappenpflanzen, die Geiergöttin Nechbet auf den Lotusdolden für Oberägypten und die Uräusschlangengöttin Uto auf den Papyruspflanzen für Unterägypten, flankiert. Des Weiteren füllen das mittige Zeichen für die Vereinigung der beiden Länder sowie jeweils seitlich davon zwei Rechit-Vögel über Körben, die für die Urbevölkerung Ägyptens stehen, den Platz unterhalb der Standlinie.Harsiese, dessen Name wörtlich „Horus, Sohn der Isis“ heißt, regierte als Hohepriester von Amun in Theben als Gegenkönig zu dem libyschen Herrscher Takelot I. in Unterägypten in der 22. Dynastie (Dritte Zwischenzeit). Er nimmt in dieser Szene auf dem Menit die Ikonographie des gleichnamentlichen Kindgottes an und präsentiert sich als göttlich legimitierter Regent über das Gesamtägypten vor der löwenköpfigen Göttin. Auch wenn Harsiese in Wirklichkeit lediglich ein Lokalherrscher war, nutzte er das Objekt als symbolische Manifestation seines politischen Anspruchs bzw. seiner „Pseudoherrschaft“ über die beiden Landesteile.(I. Liao)