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Christus übergibt dem heiligen Petrus die Himmelsschlüssel

Ident. Nr.: B.116

ObjID: obj:863360

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Peter Paul Rubens (1577 - 1640),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1613/15
Weitere Titel
Sammlungstitel: Christus übergibt dem heiligen Petrus die Himmelsschlüssel
Übersetzung: Christ Giving the Keys of Heaven to Saint Peter
Geografische Bezüge
Flandern,
Region
Provenienz
Kauf: Marczell von Nemes, München,
407023
Übereignung: Dresdner Bank, Filiale München,
15.8.1935
Kauf: Reichsfinanzministerium und Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung,
15.8.1935
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Bildmaß: 182,5 x 159 cm

Objektbeschreibung

Die monumentale Komposition folgt dem Text des Matthäus-Evangeliums. Danach trifft der auferstandene Christus in der Gegend der Stadt Caesarea auf seine Jünger und spricht zu einem von ihnen,
Symeon, Fischer aus Galiläa: »Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeine … Und will dir des Himmelreichs Schlüssel geben: Alles was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein« (16, 18). Petrus galt neben Paulus und Johannes als einer der engsten Vertrauten Christi und als Wortführer. Die Schlüsselübergabe ist als Hinweis auf die Einsetzung des Papsttums zu verstehen. Somit werden die beiden Schlüssel – der eine als Zeichen für das Binden, der andere für das Lösen – zwischen der gebenden Hand Christi und der empfangenden Hand Petri zum formalen und geistigen Zentrum der Darstellung, auf das die pathetische innere Bewegung aller Figuren gerichtet ist. Wirkungsvoll ist die große Gebärdensprache Christi, der im Segensgestus gen Himmel weist, in Kontrast gesetzt zur Demutshaltung Petri und dessen dankbar-ängstlicher Handbewegung. Fest und bestimmend ist der Blick Christi auf das Antlitz des gebeugten Alten gerichtet. Die hohe Bedeutung des Geschehens spiegelt sich in den Gesichtern der im Hintergrund dicht gedrängten vier weiteren Jünger. Der fast schreckstarre Blick des Paulus ist aus dem Bild herausgerichtet; von ihm, dem bärtigen Greis, hebt sich rechts daneben das jugendliche Antlitz des Johannes, »den Jesus lieb hatte«, durch einen sanften und lieblichen Ausdruck ab. Ganz rechts schließt sich das Blickgefüge durch die Gestalt des Jakobus, der direkt auf Christus schaut. Vor dem Hintergrund einer nur formelhaft angedeuteten antiken Architektur rechts und einer unbestimmten lichten Ferne links sind die Hauptfiguren dicht in die vordere Bildebene gestellt. Ihre Monumentalität wird nicht allein durch die Plastizität der Körper betont. Der des Christus, athletisch und halb entblößt, wird von einem schweren, lose auf der linken Schulter zusammengehaltenen, leuchtendroten Gewand mit massigen Faltenwürfen um rahmt. Petrus trägt einen gelben Mantel, dessen schwere Stoffmasse ebenso faltenreich fällt. Diese intensiven Farbtöne, von heftigen Lichtern und tiefen Schatten belebt, dominieren die gesamte Komposition. Die Petrus-Thematik, sehr viel häufiger im italienischen als im niederländischen Kunstraum dargestellt, hat in diesem Bild zweifellos noch eine weitere Bedeutungsebene. 1614 gab der Maler Jan Brueghel (1568-1625) Rubens den Auftrag, für das Grabmal seines Vaters, des berühmten Pieter Bruegel d. Ä. (1525/30-1569), in der Brüsseler Kapellekerk ein Epitaphbild zu malen. Als Rubens das Bild schuf, war er längst ein europaweit von kirchlichen und fürstlichen Auftraggebern gesuchter Maler. Für Antwerpener und Brüsseler Patrizier malte er mehrfach bedeutende Epitaphbilder wie das Pasce oves meas von 1616, das Grabmalsbild für den Bürgermeister Nicolas Damant in St. Gudule in Brüssel (London, Wallace Collection). Diese Bildergruppe aus Rubens’ früher Phase in Antwerpen ist unverkennbar stark von italienischem Einfluß, speziell von Caravaggios suggestiver Menschenauffassung, geprägt. Ein zeitgleicher Kupferstich nach Rubens’ Komposition von Pieter de Jode I. verbreitete das eindrucksvolle Werk und wurde von manchem Maler als Modell benutzt.
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This monumental composition illustrates St. Matthew’s Gospel (16, 18), according to which Christ chose the fisherman Simon of Galilee with the words “You are Peter, and on this rock I will build my church ...”. The handing over of the keys is also to be read as a reference to the establishment of the papacy. Rubens painted the picture for the tomb of Pieter Bruegel the Elder in the Kapellekerckmin Brussels.

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Die Auferstehung Christi

Die Auferstehung Christi

»Nun, da ich die Methoden dieser Kunst zu verstehen beginne, grämt es mich, dass sie mir nicht den Auftrag erteilen, das gesamte Rund der Stadtmauern von Florenz mit Geschichten zu bemalen.« Diese Aussage soll Domenico Ghirlandaio gegenüber seinem Bruder Davide geäußert haben, nachdem er den Chor der Dominikanerkirche S. Maria Novella ausgeschmückt hatte. Die Fresken sind heute nochzu sehen und gehören zu den künstlerischen Höhepunkten eines Florenzbesuchs. Doch Ghirlandaio war nicht nur ein bemerkenswerter Freskant, er ist auch für die Gemälde des Hochaltars verantwortlich, die Anfang des 19. Jahrhunderts veräußert wurden. Die Mitteltafel der Vorderseite, Maria mit dem Kinde und Heiligen, befindet sich heute in der Alten Pinakothek in München; die heute in der Gemäldegalerie in Berlin aufbewahrte Auferstehung nahm die Rückseite des Altarbilds ein, die nur für die Priester sichtbar war. Um die Mitteltafel und an den Seiten waren drei Heiligenpaare angeordnet. Zwei dieser Heiligen befanden sich einst in der Gemäldegalerie und wurden vermutlich im Mai 1945 in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zerstört (Abb. links).Die Auferstehung zeigt Jesus Christus am Ostermorgen, wie er dem Grab entsteigt und die vier römischen Soldaten, die es bewachen, in Schrecken versetzt. Ghirlandaio wich hier stark vom Inhalt der Heiligen Schrift ab: Das Grab Christi befand sich in einer Höhle und nicht unter freiem Himmel und keinesfalls wies es die Inschrift INRI auf (Jesus von Nazareth, König der Juden), die oben an seinem Kreuz angebracht gewesen sein soll. Auch der Pelikan, der seine Jungen mit demeigenen Blut nährt, entwickelte sich erst viel später zu einem Symbol Christi. Der Maler wollte hier die Theatralik der Szene betonen: Jesus scheint beinahe von einer unsichtbaren Maschinerie in die Luft gehoben, während die Soldaten ihre Überraschung und Angst zu überspielen suchen. Während des 19. Jahrhunderts erfuhr Ghirlandaio für seinen Sentimentalismus große Bewunderung, wurde von einigen Ästheten genau aus diesem Grund jedoch auch stark kritisiert. Der Landschaft in diesem Gemälde gebührt die gleiche Beachtung wie der bemerkenswerten Szene im Vordergrund. Auf der linken Seite nähern sich die drei Marien, die gleich das leere Grab Christi entdecken werden (ihre Namen variieren je nach Evangelium). Dahinter erkennt man im blauen Dunstschleier eine Stadt imflämischen Stil, mit einer besonderen Nähe zur Malweise des Hugo van der Goes. Am 28. Mai 1483 traf Van der Goes’ Bild für den Hochalter von S.’Egidio in Florenz ein (jetzt in den Uffizien), Domenico Ghirlandaio änderte daraufhin seine Vorstellung von Tafelmalerei.Ghirlandaio vollendete weder das Altarbild für S. Maria Novella, noch war es ihm vergönnt, die Stadtmauern von Florenz zu bemalen, wie er gehofft hatte: 1494 starb er im Alter von 45 Jahren an der Pest. Es hat etwas Bewegendes, stellt man sich vor, dass der Tod den Maler während der Arbeit an dieser Auferstehung ereilte, deren Botschaft die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod enthielt. Giorgio Vasari zufolge wurde dieser Teil des Bildes von Ghirlandaios Brüdern Davide undBenedetto fertiggestellt. Kritiker stimmen jedoch darin überein, dass die Landschaft von einem anderen Künstler stammen muss, in dem man Ghirlandaios Schüler Francesco Granacci sah, der heute als Pseudo Granacci bezeichnet wird. Trotz dessen Mitwirkens kann die Auferstehung als eines der letzten Meisterwerke von Domenico Ghirlandaio gelten. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________“Now that I have begun to understand the methods of this art, it grieves me that they will not commission me to paint the whole circuit of the walls of the city of Florence with stories.” This is what the painter Domenico Ghirlandaio is reputed to have said to his brother Davide, after having finished decorating the choir of the Dominican Church of Santa Maria Novella. The frescoes are still in place and are one of the highlights of any visitor who discovers Florence. But Ghirlandaio was not only a remarkable fresco painter: he was also responsible for the gigantic altarpiece adorning the chapel, dispersed at the beginning of the 19th century. The Virgin and Child in Glory among Saints which occupied the central compartment on the front side is now to be seen in Alte Pinakothek in Munich; as for the present Resurrection now in the Gemäldegalerie in Berlin, it was on the other side of the altarpiece, only visible to priests. Around the central panels and on the lateral sides of the altarpiece, three pairs of saints were displayed; two of these saints, once part of the collection of the Gemäldegalerie, were probably destroyed in May 1945 in the last days of the Second World War (fig. left).The Resurrection shows Jesus-Christ on Easter morning, coming out of his tomb, to the complete astonishment of the four Roman soldiers charged to guard his sepulture. Ghirlandaio freed himself largely from the Holy Scriptures: Christ’s tomb was set in a cave and not in the open air; and it was certainly not inscribed with the acronym “I.N.R.I.” (Jesus Christ King of Nazareth), placed instead on top of his cross, nor with the Pelican who fed his children with his blood, a symbol of Christ adopted much later (it is true that the inscription appears to have been painted over a former one). What mattered for the painter was to accentuate the theatrical character of the scene: Jesus seems to be pulled into the air by some backstage machinery, while the soldiers over-play their surprise and their fear. During the 19th century, Ghirlandaio was greatly admired for his sentimentalism; and also despised by a few aesthetes for this very reason.The landscape of this painting is to be admired on the same level as the ostentatious foreground. On the left side, we see the three Mary who, soon, will discover the empty tomb of Christ (their identities vary according to the gospels). Further on, one distinguishes a city in a blue mist, painted like in a Flemish style, and close in particular to Hugo van der Goes. On 28 May 1483, the high altarpiece of the church of Sant’Egidio, painted by Van der Goes, had arrived in Florence (it is now in the Uffizi); from that moment on, Domenico Ghirlandaio changed his conception of panel painting.Ghirlandaio did not have time to finish the Santa Maria Novella altarpiece, nor to fresco the whole circuit of the walls of Florence, as he had hoped: he died from the plague in 1494, only aged 45. There is something moving about imagining the painter agonizing while trying to complete this Resurrection, whose religious message is to give hope in a life after death. According to Vasari, this part of the altarpiece was completed by the painter’s brothers, Davide and Benedetto; but critics nowagree that the landscape is due to another artist, long confused with the pupil of Ghirlandaio Francesco Granacci and now known as the “Pseudo Granacci”. Despite the latter’s intervention, one can fully consider the Resurrection as one of the last masterpieces by Domenico Ghirlandaio. Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019