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Thronende Maria mit dem Kind und den beiden Johannes

Ident. Nr.: 106

ObjID: obj:864025

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Sandro Botticelli (1445 - 1510),
Maler*in
Bestellung: Giovanni d'Agnolo de' Bardi (1431 - 1488),
Auftraggeber*in
Datierung
Ausführung: 1484 - 1485
Weitere Titel
Sammlungstitel: Thronende Maria mit dem Kind und den beiden Johannes
Übersetzung: Mary Enthroned with the Child and the two Johns, ‘Bardi Altar’
Geografische Bezüge
Italien,
Land
Material / Technik
Pappelholz
Abmessungen
Bildmaß: 185 x 180 cm

Objektbeschreibung

Das Kompositionsschema der Thronenden Maria mit Kind und Heiligen in einem einheitlichen, quadratischen Gemälde entwickelte sich während der Renaissance zu einem sehr populären Sujet und erhielt später die Bezeichnung »Sacra conversazione « (heilige Unterredung). Es handelt sich um eine florentinische Invention, mit der Fra Angelico Mitte der 1430er-Jahre den Versuch unternahm, die traditionellenTypologie des Polyptychons zu erneuern. Schon bald gehörte sie in der toskanischen
Region zu den gängigen Altarmotiven. Die Altartafel für die Grabkapelle des Florentiner Kaufmanns Giovanni d’Angelo de’ Bardi (1433–88) bildet hier keine Ausnahme. Giovanni de’ Bardi stammte aus einer Florentiner Patrizierfamilie und war in London zu Reichtum gelangt, wo er vor allem für die Medici-Bank tätig war. In den frühen 1480er-Jahren kehrte er in seine Heimatstadt zurück, um dort
seine letzten Lebensjahre zu verbringen. Verständlicherweise wandte er sich bei seiner Suche nach einem Künstler für die Ausstattung seiner Grabkapelle an die befreundeten Medici; diese sollte in der erst kurz zuvor nach Plänen von Filippo Brunelleschi fertiggestellten Pfarrkirche S. Spirito entstehen. Als Architekt wählte er Giuliano da Sangallo, der zur gleichen Zeit mit dem Bau der Medici-Villa in
Poggio a Caiano begann. Der geschnitzte Originalrahmen ist verschollen, wies aber vermutlich einen kunstvoll antikisierenden Stil mit ähnlichen Dekorationen wie der Sockel des Marienthrons auf. Mit dem Gemälde wurde Sandro Botticelli beauftragt. Dieser hatte gerade erst mehrere Meisterwerke für die Medici vollendet, darunter die Primavera (Frühling) und die Geburt der Venus (beide in den Uffizien), und war von einem Aufenthalt in Rom zurückgekehrt, wo er an der Ausmalung der Sixtinischen Kapelle beteiligt gewesen war.

Dieses Bild strahlt jedoch eine völlig andere Atmosphäre aus als die Geburt der Venus. Zwar handelt es sich um ein religiöses und kein weltliches Thema, doch könnte Johannes der Täufer mit weniger Kleidungsstücken dargestellt sein (wie auf Botticellis ein Jahrzehnt zuvor entstandenem Heiligem Sebastian in der Gemäldegalerie). Auch verbirgt die Jungfrau ihre Brust, die sie drückt, um das
Christuskind zu stillen – ganz im Gegensatz zur nackten Venus, die großen Anteil an Botticellis Ruhm besaß. Der Maler und seine Werkstatt fertigten mehrere Repliken der Geburt der Venus an, in denen nur die Venus vor einem schwarzen Hintergrund zu sehen ist. Eine dieser Werke wird ebenfalls in der Gemäldegalerie aufbewahrt (Abb. S. 343). Doch die Zeichen standen auf Wandel, vor allem in Florenz, wo man feststellte, dass die ungebremste Verherrlichung einer heidnischen Antike, die im
Zentrum der Renaissancekunst stand, mitunter christlichen Moralvorstellungen zuwiderlief.
Zu dieser Zeit begann Botticelli damit, asketische Figuren (den Täufer) und ernste Gesichter (Johannes der Evangelist, erkennbar an dem Adler dahinter) zu malen oder nackte Haut zu verbergen (Marias Brust). Kurze Zeit später sollte er einige Tafeln mit nackten Frauen, die er in vorangegangenen Jahren gemalt hatte, mit eigenen Händen verbrennen und dem strengen Regiment folgen, dass der Dominikaner Girolamo Savonarola 1494 in Florenz eingerichtet hatte.

Dieses Bild entstand jedoch zu einem früheren Zeitpunkt. Hier ist Botticelli immer noch der Maler der Primavera, der Pflanzen und Blumen mit der Präzision eines Botanikers wiedergibt. Auch sind die drei Nischen hinter den Heiligen nicht in Stein ausgeführt, wie in der Sacra conversazione üblich, sondern bestehen aus Laub. Diese einzigartige Entscheidung ist von besonderer Bedeutung und wird von der Inschrift im Spruchband an der Vase im Hintergrund deutlich. Die Sprüche stammen beinahe ausnahmslos aus dem Buch Kohelet und wurden im 15. Jahrhundert bei Gebeten an die heilige Jungfrau rezitiert. Sie behandeln das Pflanzen von Bäumen, insbesondere von Palmen, Zedern, Zypressen und Olivenbäumen – die vier Holzarten, aus denen nach Ansicht des Theologen Hugo von St. Viktor aus dem 12. Jahrhundert das Kreuz Christi gefertigt war. Die Lilien auf dem Thron Mariens
verweisen auf deren Jungfräulichkeit, zugleich symbolisiert durch die Vegetation im Hintergrund: Es handelt sich ohne Zweifel um einen Garten, einen geschlossenen Garten, so wie Maria Jungfrau geblieben und von keinem Mann berührt worden ist. Die Gleichsetzung der Jungfrau Maria mit einem Hortus conclusus (verschlossener Garten) war für die zeitgenössischen Betrachter deutlich, es ist jedoch unwahrscheinlich, dass jemand, der die Inschriften nicht kannte, in der Lage war, deren
Sinn zu verstehen. Die volle Bedeutsamkeit des Altarbilds erschloss sich demnach nur wenigen.

In diesem Altarbild zeigt sich Botticelli daher sowohl expressionistisch – in den Gesichtsausdrücken, die seiner üblichen Malweise entsprechen – als auch symbolistisch, in der Auswahl der Pflanzen im Hintergrund (dass zwei Heilige mit gleichlautendem Namen Johannes dargestellt sind, ist ebenfalls kein Zufall, da der Auftraggeber den Vornamen Giovanni trug). Die überragenden Fähigkeiten des
Malers spiegeln sich nicht nur in der Präzision wider, mit der er die Vegetation wiedergibt: Im Zentrum ist im Vordergrund eine kleine Tafelmalerei vor ein Gefäß, ebenfalls ein Symbol der Jungfrau, gestellt. Sie zeigt eine Kreuzigungsszene auf blauem Hintergrund und scheint nicht dem Bildraum des Gemäldes anzugehören: Entgegen der Vase wirft die Tafel keinen Schatten auf die Brüstung im Vordergrund. Sie wirkt wie die Tür eines echten Tabernakels, das sich quasi im Altarbild befindet und dem man Hostie und Wein – den Leib und das Blut Christi – entnehmen kann.
Am einstigen Aufstellungsort des Altarbilds, die erste Kapelle auf der linken Seite des Chorumgangs von S. Spirito, besaß dieser Trompe-l‘OEil-Effekt sicherlich eine noch stärkere Wirkung.

Ein letztes Detail wurde bislang wenig beachtet: Auf der kolorierten Marmorplatte zur Linken des Marienthrons erkennt man deutlich ein männliches Profil, das von einem Lorbeerkranz gekrönt ist (Abb. S. 339). Es handelt sich entweder um eine freie Kopie nach einer antiken Medaille oder das idealisierte Porträt eines Humanisten, wenn nicht gar des bekanntesten Bewunderers der Antike in Florenz, Lorenzo il Magnifico. Diese Frage bedarf zu ihrer Klärung noch weitere Studien. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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The scheme of composition of the Virgin and Child enthroned, surrounded by saints and viewed in a unified, square picture became extremely popular throughout the Renaissance and was later called sacra conversazione or “holy conversation”. This is a Florentine invention, due to Fra Angelico in the mid-1430s in an attempt of modernising the ancient formula of the polyptychs. Soon enough, it became the norm for altar painting in the city of Florence. The altarpiece for the funeral chapel of the Florentine merchant Giovanni d’Angelo de’ Bardi (1433–88) is no exception to this rule. Giovanni de’ Bardi, who came from a Florentine patrician family, had made his fortune in London, working in particular for the Medici bank. Returning to his hometown in the early 1480s to spend the last years of his life, it was naturally towards the Medici that he had turned himself to find artists capable of adorning a chapel that would ensure the peace of his soul. The chapel was placed in his parish church of Santo Spirito, recently completed after the initial plans of Filippo Brunelleschi. The chosen architect was Giuliano da Sangallo, who in the same years began the construction of the Medici Villa in Poggio a Caiano; his frame carved for the present altarpiece is now lost but must have been in a skilful antique style, with decorations similar to those seen at the base of the Virgin’s throne. The painter was Sandro Botticelli, who had recently created outstanding masterpieces for the Medici, to begin with the Primavera and the Birth of Venus (both in the Uffizi), and had just returned from a stay in Rome where he had participated to the frescoed decoration of the Sistine Chapel.

In comparison to the Birth of Venus, the atmosphere is quite different in the present painting. It is true that the theme is religious and not pagan, but still: John the Baptist could have been more undressed (on the model of Botticelli’s Saint Sebastian, painted a decade before and also preserved in the Gemäldegalerie); as for the Virgin, she hides the breast she presses in order to breastfeed Christ, quite the opposite of the naked Venus who did so much for Botticelli’s glory (the painter and his workshop made a few replicas of the Birth of Venus with the Venus alone over a black background, one of which is now in the Gemäldegalerie; fig. p. 343). But times were changing, especially in Florence where one was realizing that the unlimited glorification of pagan antiquity that was at the heart of the Renaissance sometimes conflicted with Christian morals. This is the moment when Botticelli began representing ascetic figures (the Baptist), severe faces (the Evangelist John, recognisable by the eagle hidden behind him), or veiled nudities (Mary’s breast). Soon, he would burn some of the panels with undressed women he had painted during the previous years, and follow the rigid dictatorship established in Florence in 1494 by the Dominican friar Girolamo Savonarola.

But we are not at that stage yet; in this altarpiece, Botticelli is still the painter of the Primavera, the one who represents plants and flowers with the accuracy of a botanist. In fact, the three niches surrounding the saints, in the background, are not made of stone, as was the tradition in the “holy conversations”, but entirely built with foliage. This unique choice had a peculiar signification, explained by the inscriptions visible on the ribbons of paper surrounding the vases behind the figures. Almost all are taken from the Book of Ecclesiastes in the Ancient Testament, and were cited in the 15th century during the prayers to the Virgin. They evoke the planting of trees, and especially palm, cedar, cypress and olive trees – the four species of wood from which the Cross of Jesus-Christ was made, according to the 12th-century theologian Hugh of Saint Victor. As for the lilies crowning the throne of the Virgin, they evoke the purity of Mary, symbolized by the whole background of vegetation: it is certainly a garden, but a closed one, just as Mary remained Virgin, not penetrated by any man. The association of the Virgin Mary with a hortus conclusus or “enclosed garden” was common enough not to escape the viewer of the time; it is unlikely, however, that anyone could read the inscriptions without knowing them previously. The full significance of the altarpiece was reserved to the happy few.

In this altarpiece, Botticelli is therefore both expressionist in his physiognomies, drawn from his recognizable line, and symbolist in the choice of plants in the background (that the two Saints are called John is no coincidence either, the patron of the work calling himself Giovanni). The painter shows his mimetic skills not only in the accuracy in which he paints the vegetation: at the centre, in the very foreground of the painting, a fictive painted panel is placed in front of a vase (which also represents the Virgin). It shows a Crucifixion on a blue background and does not seem to belong to the same reality as the rest of the painting: the vase casts a shadow on the parapet in the foreground, but not the Crucifixion. It is as if it were a real tabernacle door, which one could open through the altarpiece in order to reach the host and the mass wine, which were considered as the Body and Blood of Christ. There is no doubt that this trompe-l’oeil effect must have been even more striking when the altarpiece was still in its original location, in the first chapel to the left of the apse of the church of Santo Spirito.

One last detail has not attracted much attention: in the coloured marble plaque on the left basis of the Virgin’s throne, one can clearly distinguish a male profile, crowned with laurels (fig. p. 339). Is it a free copy from an antique medal, an idealized portrait of some humanist, or of the most famous admirer of antiquity in Florence at the time, Lorenzo the Magnificent. This has yet to be investigated. Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 22.06.2026

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Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Landschaft mit Kühen und Entenjägern

Landschaft mit Kühen und Entenjägern

Im Vordergrund einer baumreichen Landschaft weidet eine Viehherde am Ufer eines Flußlaufes. Frauen melken die Kühe und füllen die Milch zum Transport und Verkauf in kupferne Kannen. Durch das Grün des Laubwerks dringen die Strahlen der Abendsonne. Die Schatten vertiefen sich zu warmbräunlichen Werten. Im milden Halblicht erlangen die Inkarnattöne, das Rot einer Bluse, das tiefe Blau eines Kleides oder die ockerfarbenen und rostbraunen Valeurs im Fell der Tiere kostbare Leuchtkraft. Beleuchtung und Kolorit verleihen der Landschaft den Charakter erstrebenswerter Idylle, die im nächsten Moment jedoch jäh unterbrochen wird durch den Büchsenschuß des Entenjägers rechts jenseits des Wassers. Gerade diese Störung lässt die friedvolle Stimmung der Landschaftsnatur umso eindringlicher bewusst werden. Obschon Rubens in erster Linie Historienmaler war und nur vergleichsweise wenige Landschaften schuf, bezeichnen seine Werke dieses Gegenstandes den Höhepunkt der flämischen Landschaftsmalerei im 17. Jahrhundert. Dabei beeindruckt die Spannweite seiner Naturdeutungen. Im Berliner Gemälde spiegelt sich Rubens Interesse an der ländlichen Umgebung Antwerpens wieder, wobei wesentliche Elemente von Figurenerzählung und Bildaufbau auf zwei frühere Gemälde zurückgehen. Zum einen ist dies die Wiese von Laeken (London, Buckingham Palace) und auf die Polderlandschaft (München, Alte Pinakothek). Dem Münchener Bild ist die aus drei Kühen und den beiden sitzenden Frauen zusammengestellte Mittelgruppe entlehnt. Darüber hinaus sind Eigenzitate im Motiv der pissenden Kuh am Rande des Wassers und im Tier links am Bildrand nachzuweisen. Vergleichbar ist auch der Schauplatz der Weide- bzw. Melkszene mit dem zur vorderen Bildebene absinkenden Terrain und dem Tiefenausblick links. Neben den sichtbaren Analogien lassen sich gewissermaßen auch unsichtbare aufzeigen. Die knorrigen Weidenstämme im rechten Vordergrund der Münchener Arbeit wie auch die dunkelfarbene, im Profil nach links ausgerichtete Kuh im Zentrum der Komposition oder der Hirte mit dem Melkgefäß lassen sich in der Röntgenaufnahme unseres Bildes an entsprechender Stelle nachweisen. Diesen Befunden ist zu entnehmen, dass am Beginn der Genese der Berliner Landschaft eine eigenhändige Zweitfassung des Münchener Bildes gestanden haben dürfte. Es kennzeichnet Rubens’ Arbeitsmethode, einmal erprobte und für gültig befundene Bildlösungen immer wieder verwendet zu haben. Durch Fortlassen oder Hinzufügen und kompositionelles Verschieben, vor allem aber durch Veränderungen des Bildformats, das gegenüber der Münchener Fassung während des Malprozesses nach rechts zur Breite sowie auch zur gesamten Höhe hin erheblich erweitert wurde, entwickelte Rubens eine neue Landschaftsansicht. Fern von der schlichten Auffassung des Münchener Bildes gelangt er in dem Berliner Bild zu einer reicheren Zusammenstellung der Dinge, einer lebhafteren Palette bzw. zu einer Form des Helldunkels, die nicht monochrom ist, sondern mittels farbig differenzierter Nuancen in harmonischer Ausgewogenheit das gegenständliche wie auch das atmosphärische Wesen der Landschaft erfasst. Die bildfüllende Vielfalt der Motive bleibt gewahrt, ohne dass die Kontinuität des Ganzen beeinträchtigt erschiene. Neben der auf repräsentative Wirkung zielenden Gestaltgebung ist es vor allem die bildnerische Deutung der Natur als Träger menschlicher Vorstellungen bzw. Empfindungen, die das Berliner Werk im Einklang mit Rubens’ späten Landschaftsdarstellungen auszeichnet. Jan Kelch | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019____________________________________________________In the foreground of a densely wooded landscape, a herd of cows is grazing along the banks of a river. Women are milking the cows and filling the milk into copper jugs to transport and sell it. The rays of the evening sun pierce the green foliage of the trees; the shadows are getting deeper, taking on warm brown hues. In the soft half-light, the incarnate shades – the red of a blouse, the deep blue of a dress, the ochre-yellow and rust-red tones in the hides of the animals – acquires a rich luminosity. The lighting and the colouring give the landscape an idyllic and very inviting character, which is, however, abruptly disturbed by the shot of the gun of the wildfowler who is crouched on the other bank of the river in the bottom right corner of the painting. This loud interruption serves to underscore the deeply peaceful atmosphere of the scene and the landscape.Although Rubens was primarily interested in historic scenes, painting only few landscapes in his career, the works that belong to this genre mark a high point in Flemish landscape painting in the 17th century. The breadth of his interpretations of natural scenery is impressive. The Berlin painting displays Ruben’s interest in the countryside around Antwerp. Key elements of the composition of the figures and the overall composition can be traced back to two earlier paintings, Farm at Laken (London, Buckingham Palace) and Landscape with Cows (Munich, Alte Pinakothek). From the Munich painting, Rubens has borrowed the central group with the three cows and the two seated women. Also, the urinating cow at the edge of the water and the animal on the left side of the painting are both quotes from this earlier work, as is the scene undulating meadow that sinks towards the front edge of the painting and the view into the distance on the left.As well as the visible analogies, there are also several invisible ones. An X-ray of the Berlin painting reveals the presence in the same place of the knotty trunks of the willow trees in the right foreground of the Munich painting and the dark-coloured cow facing left in profile at the centre of the composition or the cowherd with the milking churn. These findings suggest that the Berlin landscape is likely to have originally started out as a copy or second version of the Munich painting. It is typical of Rubens’ approach to work that he reused compositions that he was happy with. By omitting or adding and by shifting elements in the composition, and especially by altering the format, which was extended considerably during the painting process, both in width and in height, compared to the Munich version, Rubens created a new landscape. Departing from the simple concept of the Munich picture, the Berlin painting has a much richer composition, a more lively palette of colours and a type of light and shade that is not monochrome but which uses carefully nuanced shades to capture both the figurative and the atmospheric essence of the landscape. The variety of the elements, which fill the entire picture, remains without impairing the continuity of the whole. As well as the overall composition, which is intended to have a representational effect, it is above all the pictorial interpretation of nature as the conduit of human ideas and feelings that distinguishes the Berlin work and sets it in the context of Rubens’ late landscape depictions. Jan Kelch | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Landschaft aus der römischen Campagna, mit Matthäus und dem Engel

Landschaft aus der römischen Campagna, mit Matthäus und dem Engel

Poussin, der nach einer lyrisch-romantischen Frühphase in seinen figuralen Kompositionen ein an der Antike orientiertes klassisches Ideal in der Tradition Annibale Carraccis und Raffaels zu verwirklichen suchte, hat sich der Landschaftsmalerei im besonderen Maße erst seit dem Ende der dreißiger Jahre, kurz vor seinem Parisaufenthalt (1640/42), zugewandt, wenn auch das landschaftliche Element als Hintergrund seiner Bilder immer eine bedeutende Rolle spielte, vor allem in seinen lyrisch gestimmten venezianisierenden Frühwerken. Gerade in Rom, wo er seit 1624 arbeitete, hatte ja die Landschaftsmalerei im frühen 17. Jahrhundert eine neue Entwicklung genommen, an der einige der bedeutendsten und fortschrittlichsten Maler teilhatten: die Nordländer Elsheimer und Paul Bril einerseits, deren neue Landschaftskonzeption über Agostino Tassi zur atmosphärisch-romantischen, vom Licht bestimmten Landschaftskunst Claude Lorrains führte, des anderen großen Franzosen und Gegenpols Poussins, und andererseits die Bologneser Figurenmaler Annibale Carracci und Domenichino, deren strenger strukturierte, gebaute Landschaftskunst zur »heroischen« Landschaft Poussins und seines Schwagers Gaspard Dughet führten, deren Stil und Landschaftskonzeption für den größten Teil der späteren römischen Landschaftsmalerei verbindlich wurden. Poussins Landschaften sind überwiegend in den vierziger und frühen fünfziger Jahren entstanden, in einer Zeit, als seine Werke von großer innerer Ruhe, Klarheit und klassischer Ausgewogenheit geprägt waren, einer Phase, die zwischen den großen klassizistischen, oft vielfigurigen Kompositionen der dreißiger Jahre und dem tragisch ge - stimmten Spätwerk liegt. Die Berliner Landschaft mit dem Evangelisten Matthäus ist das früheste Beispiel dieser Phase. Schon immer war bekannt, daß das Berliner Bild und die Landschaft mit Johannes auf Patmos in Chicago zusammengehören. Man vermutete, daß sie vielleicht zu einer möglicherweise nie vollendeten Serie von Landschaften mit den vier Evangelisten gehörten. Da das Berliner Bild seit 1671 in Barberini-Besitz nachweisbar ist, nahm man an, daß es, zusammen mit dem Chicagoer Bild, für den Kardinal Francesco Barberini gemalt worden sei, einen der beiden mächtigen Nepoten des Papstes Urban VIII. Nach den Forschungen von L. Barroero (1979) und S. Corradini (1979) weiß man, daß beide Bilder am 28. Oktober 1640, am Tage der Abreise Poussins nach Paris, vom päpstlichen Hausprälaten Monsignor Gian Maria Roscioli (1609-1644) bezahlt wurden. An diesem Tag jedenfalls trug er die Zahlung von 40 Scudi für die beiden Bilder in sein Ausgabenbuch ein. Er war also offensichtlich der Auftraggeber, nicht der Kardinal. Roscioli hatte eine beachtliche Kunstsammlung und besaß noch mehrere andere Werke Poussins. In seinem Testament, das er einen Tag vor seinem frühen Tod, am 25. September 1644, diktierte, vermachte er das Berliner Bild dem Kardinal Antonio Barberini d. Ä., dem Bruder Urbans VIII., der 1646 starb und das Bild seinem Neffen, dem Kardinal Antonio Barberini d. J., dem jüngeren Bruder des Kardinals Francesco, vermachte, der im Palazzo Barberini ai Giubbonari, der sogenannten Casa Grande, lebte. Dort hing das Gemälde bis zu seinem Tode 1671. Seit spätestens 1692 hing es im Palazzo Barberini alle Quattro Fontane. Das Chicagoer Bild gehörte offenbar zu denjenigen, die Rosciolis Brüder nach seinem Tode veräußerten. Es gelangte bald nach Frankreich, wo es von Louis de Chatillon (1639-1734) gestochen wurde. Als Poussins Berliner Bild im Palazzo Barberini hing, zeichnete es Poussins Schwager, Gaspard Dughet. Diese Kreidenachzeichnung, die nur im hinteren Landschaftsgrund vollendet ist, befindet sich heute im Kunstmuseum Düsseldorf. Das Berliner Bild blieb bis 1812 im Palazzo Barberini und gelangte dann durch Erbgang in den Palazzo Sciarra, aus dem es 1873 für die Gemäldegalerie erworben wurde. Im Gegensatz zu den Kompositionen Claude Lorrains, aber ähnlich wie Dughets spätere, von Poussin beeinflußte Landschaften und wie auch manche von Salvator Rosa hat das Bild einen sehr hohen, hügelig begrenzten Horizont, von dem aus die Gliederung des Bildraums nach vorn ablesbar ist, der Windung des dominierenden Flußlaufes folgend, an dessen vorderem Ufer der Evangelist sitzt, während der stehende Engel ihm die Schrift hält. Die Figurengruppe ist umgeben von antiken Postamenten und Säulenstümpfen. Eine aufragende antike Ruine am Horizont, genau oberhalb der Figurengruppe, akzentuiert diese ganz zurückhaltend. Poussin hat in dieser von feierlicher Ruhe und Klarheit erfüllten Landschaft in unvergleichlicher Weise den Charakter, die Struktur und die Stimmung des Tibertals nördlich von Rom (bei Acqua Acetosa) eingefangen und zugleich ins Zeitlose entrückt.| 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2010_____________________________________________________The French artist Nicolas Poussin is considered to be the most important exponent of the classical tendency in Roman Baroque painting and to have brought it to perfection. He went to Rome at the age of thirty and spent the rest of his life there, with the exception of a short stay in Paris in 1640/42. He received commissions from the most important collectors and patrons in the papal court circle. The Landscape with Matthew the Evangelist was painted in 1640, for the papal secretary Gian Maria Roscioli, along with a companion piece, Landscape with John the Evangelist on Patmos (now in Chicago). It is very probable that a series of the four Evangelists was originally planned, but that only two were painted. St. Matthew is sitting among massive architectural fragments by the riverbank. Behind him is a spacious landscape with a high, hillbound horizon. At John’s side is an angel, the symbol of the Evangelist, inspiring him to write the Gospel. The principal theme of this picture is the solemn, peaceful landscape, similar in some ways to the Tiber valley north of Rome. The ruins towering up on the horizon—presumably representing the “Mura di Santo Stefano” near Anguillara—emphasise the position of the figures by being placed directly above them. The figure’s concentrated colour-tones of blue, yelloworange and white are repeated and softened in the landscape.| Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2017

Selbstbildnis mit seiner Frau

Selbstbildnis mit seiner Frau

Am 18. Juli des Jahres 1755 vermählte sich der Künstler mit Jeanne Barez, der Tochter eines französischen Goldstickers. Sie stammte aus einer in Berlin ansässigen vermögenden Hugenottenfamilie. Die Jungvermählten, so schrieb von Oettingen (1895), »bezogen […] das Rolletsche Haus in der Brüderstraße, das der Barezschen Verwandtschaft gehörte, und führten ihre Haushaltung mit der Genügsamkeit und Stille, die damals in der französischen Kolonie zu herrschen pflegten«. Möglicherweise ist hier, unweit des Berliner Schlosses, die Miniatur entstanden.Gemäß den Anweisungen in Zedlers Universal-Lexicon wurde die Miniatur regelgerecht »angefangen mit Anlegung der Farbe, und der Grund mit grossen und gleichen Strichen untermahlet, doch nicht gleich so starck, wie er zuletzt seyn soll, weil die Farbe durch das punctiren gestaercket wird«.Kurz sieht der Künstler von seiner Tätigkeit auf. Eine schräg vor das Fenster gestellte Milchglasscheibe (?) reflektiert das einfallende Tageslicht auf den Arbeitstisch. So entstehen die notwendigen Voraussetzungen für die auf Präzision beruhende Miniaturmalerei. Unklar bleibt, ob sich Chodowiecki malend oder zeichnend schildert. Jeanne Chodowiecki hält ein Porträt, das die Freundin des Hauses, Louise Erman vorstellt. Es handelt sich dabei um die vergrößerte Detailwiederholung eines Miniaturporträts des Künstlers von etwa 1758 (Kat.Nr. M.627). Eine 1759 datierte Miniatur mit dem Selbstbildnis Chodowieckis sowie die von ihm gemalte Porträtminiatur seiner Frau, vermutlich im selben Jahr entstanden, stützen die angenommene Datierung des Berliner Täfelchens.Chodowiecki suchte vielfach unter Zuhilfenahme einer Lupe seine Bildnisse mit großer Feinheit und Lebendigkeit des Ausdrucks auszuführen. Damit hatte er sich offensichtlich erfolgreich einer großen Konkurrenz entledigt, die auch vom Schriftsteller und Verlagsbuchhändler Christoph Friedrich Nicolai in Berlin, wenigstens im Bereich der Emailminiaturmaler, wahrgenommen wurde, wie ein Brief an Christian Ludwig von Hagedorn von 1758 belegt. Die Elfenbeintafel besitzt einen zugehörigen zeitgenössischen Rokokorahmen. Rainer Michaelis | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________On 18 July, 1755, Chodowiecki married Jeanne Barez, the daughter of a French gold embroiderer. She came from a wealthy Huguenot family in Berlin. As Oettingen wrote in (1895), the newlyweds “moved into […] the Rollet House on Brüderstraße, which belonged to relatives of the Barezs, and ran their household with the modesty and quiet and tranquillity then customary in the French colony”. The present miniature may have been executed here, not far from the Berlin Royal Palace.According to the instructions contained in Zedlers Universal-Lexicon, the miniature was as a rule “begun with by laying out the colours, and the ground underpainted with large, regular strokes, but not so strongly as in the finished picture, since the colours will be strengthened by individual touches”.The artist has just looked up from his activity. A pane of frosted glass (?) placed at an angle in front of the window reflects the daylight onto the work table. This creates the necessary conditions for miniature painting, which relies on precision. It remains uncertain whether he is shown painting or drawing. Jeanne Chodowiecki holds a portrait depicting Louise Erman, a friend of the family. This image is an enlarged detail of a miniature portrait by the artist from circa 1758 (cat. no M.627). A miniature bearing a self-portrait of Chodowiecki, along with his portrait miniature of his wife, is dated 1759, presumably the same year as the present picture.In order to execute his pictures with extreme fineness and lively expressiveness, Chodowiecki often sought the aid of a magnifying glass. At least in the realm of enamel miniature painting, evidently, he was successful in prevailing over the enormous competition, as remarked upon by the author and publisher Christoph Friedrich Nicolai in Berlin, in a letter to Christian Ludwig von Hagedorn in 1758. This ivory panel possesses its original Rococo frame. Rainer Michaelis | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019